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Ostprignitz-Ruppin Nachmittag mit Kahlbutz-Effekt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Nachmittag mit Kahlbutz-Effekt
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18:25 09.09.2013
Ein Blick auf die mumifizierte Leiche des Stifters der Fretzdorfer Kirche. Quelle: Ruch
Fretzdorf

Am Wochenende ging die Nachwelt nun auf Tuchfühlung zum Stifter der Kirche: Die mumifizierte Leiche stand im Mittelpunkt vom Tag des offenen Denkmals, bei dem 70 Besucher kamen.

Die Falltür zur Gruft ist geöffnet und von unten strahlt der Schein einer Lampe. Schon beugen sich die ersten Besucher herunter und schauen auf den geöffneten Sarg: Dort liegen die 285 Jahre alten Überreste von Stilles - ein gewöhnungsbedürftiger Anblick. Neben der Mumie befindet sich noch ein Kindersarg in der Gruft: Von Stille hatte acht Kinder, wobei ein Mädchen davon frühzeitig verstarb. Allerdings sind keine weiteren Familienangehörigen in der Fretzdorfer Kirche beigesetzt.

"Unser Kirchengründer war kein kleiner Landjunker, sondern hatte große Funktionen in Preußen inne", damit überschrieb Siegrid Schmidt, Vorsitzende vom Förderverein Fretzdorfer Kirche, ihren Vortrag. Und: "Wir haben uns lange gesträubt, die Gruft zu öffnen", erinnert sie sich an das Jahr 2004. Damals stand die Mumie von Fretzdorf schon einmal im Rampenlicht: Die Einwohner feierten den 300. Geburtstag ihres Gotteshauses, gedachten zugleich an den Stifter und sahen die Mumie. Doch schon Generationen von früheren Konfirmanden kennen diesen Anblick, wie im Dorf das offene Geheimnis umhergeht. Ein Pfarrer führte die Jugendlichen regelmäßig an diese Stelle, bestätigte Stefania Horn: "Ich habe die Mumie damals oft gesehen."

Rückblende: Im Jahre 1701 erwarb von Stille das Dorf Fretzdorf. Von 1703 bis 1704 wurde auf sein Geheiß die Fachwerkkirche gebaut; "die Gruft plante er dabei schon mit ein", so Schmidt. Von Stille hielt als Generalleutnant in Preußen mit die Fäden der Macht in der Hand, und war auch mit dem Kronprinz Friedrich WilhelmI befreundet, führte sie bei ihrem Vortrag aus. Ulrich Christoph von Stille schlug wie die meisten männlichen Adelsnachkommen eine Offizierslaufbahn ein, erfuhren die Besucher. "Schon als 16-Jähriger machte er sich bei der Schlacht von Fehrbellin einen Namen und wurde dann schnell befördert", erläuterte Schmidt in ihrem Vortrag. Fretzdorf als Wahlheimat galt schließlich als strategischer Schachzug - hier konnte die Familie in Sicherheit gebracht werden. "Wegen einer Kriegsverletzung wurde Ulrich Christoph von Stille schließlich die Kommandantur der Festung von Magdeburg übertragen", wusste Siegrid Schmidt zu berichten. Pfarrer Berthold Schirge kann die "Motive für die Öffnung der Gruft verstehen", erklärte er auf Nachfrage der MAZ den gefundenen Kompromiss. Denn: Noch immer steht die Sanierung der maroden Fachwerkkirche als erklärtes Ziel. Die Mumie diente quasi als Zugpferd für den Tag des offenen Denkmals. Während jedoch Ritter Kahlbutz in Kampehl regelmäßig Besucher anlockt, soll dies in Fretzdorf eine einmalige Sache bleiben, versicherte Siegrid Schmidt. Täglich sichtbar sind hingegen die Schäden an der Fretzdorfer Kirche: Das Fachwerk muss weiter saniert werden und auch Dach, Fenster und Innenraum warten auf die Erlösung aus dem Dornröschenschlaf. Mehr als 200 000 Euro umfasst die Kostenschätzung. "Bei jedem Fördertopf ist jedoch ein hoher Eigenanteil aufzubringen", so Berthold Schirge zu den Hürden. Die Hoffnung um Aufnahme in den Staats-Kirchen-Vertrag rückt in weite Ferne; jedes Jahr wird nur ein Gotteshaus jedes Kirchenkreises dort aufgenommenen, erläutert Schirge. Ebenso unklar ist noch die Zukunft der Fördermittel aus der integrierten ländlichen Entwicklung (ILE).

Ein Konzert auf der Hollenach-Orgel mit Juliane Felsch aus Neuruppin sowie die Besichtigung vom Schloss mit gemeinsamem Kaffeetrinken rundeten den Nachmittag in Fretzdorf ab.

Von Christamaria Ruch

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