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Nachwuchs musiziert vor ausverkauftem Saal

Rheinsberg Nachwuchs musiziert vor ausverkauftem Saal

Das neue Jahr fing kraftvoll an, und hoffnungsvoll dazu: Die Junge Philharmonie Brandenburg und das Landesjugendjazzorchester brillierten mit kraftvollem Sound im rappelvollen Rheinsberger Schlosstheater. Aurélien Bello und Jiggs Whigham dirigierten. Das Publikum war hingerissen.

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Ein Fest für die Ohren: Aurélien Bello dirigiert die rund 90 Musiker der Jungen Philharmonie Brandenburg.

Quelle: Regine Buddeke

Rheinsberg. Es könnte kaum passender gewählt sein: Zum Jahresbeginn stehen rund 120 junge, begabte Nachwuchsmusiker auf der Bühne des restlos ausverkauften Rheinsberger Schlosstheaters und spielen zum Neujahrskonzert auf – mit Lust, Liebe und Freude am gemeinsamen Musizieren.

Das Schlosstheater ist ausverkauft

Das Schlosstheater ist ausverkauft.

Quelle: Regine Buddeke

Als die Musiker der Jungen Philharmonie Brandenburg auf die Bühne kommen, dauert das eine ganze Weile. Es sind immerhin um die 90 – der Spitzennachwuchs der Brandenburger Musikschulen. Bereits im vergangenen Jahr gaben sie zum Saisonende der Kammeroper ein Konzert im Schlosshof. Der Nachmittag startet mit Gounods Walzer aus „Faust Verdammnis“ – und was für einem. Bei 90 Musikern geht die Post ordentlich ab. „Hierzulande wird die Oper ’Margarete’ genannt – weil man sich in Deutschland nicht vorstellen kann, dass ein Franzose gewagt hat, diesen heiligen Text zu vertonten“, scherzt Dirigent Aurélien Bello, selbst gebürtiger Franzose. Es folgt ein Bläserquintett, bevor das komplette Orchester wieder loslegt. Prokofjews Marsch aus der Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“ – Aurélien Bello zaubert die Früchte später aus dem Ärmel – ist ein Traum: eigenwillig-kapriziös, fast hüpfend wird das Thema von den Streichern eingezupft, später bricht es mit kaum gezügelter Wucht aus allen Instrumenten.

Jiggs Whigham und sein Lajjazzo

Jiggs Whigham und sein Lajjazzo.

Quelle: Regine Buddeke

Die Junge Philharmonie hatte im Vorfeld seine Probenphase in der Musikakademie, zeitgleich mit dem nachfolgenden Landesjugendjazzorchester, deren Mitglieder das Konzert vom Rang aus verfolgen, bevor sie selber an der Reihe sind. Man hat Silvester zusammen verbracht, ist später zu erfahren – in einer bunt vergnügten Jam-Session aller Akteure. Jazz und Klassik bereichern einander. Aber auch an den Abenden nach den Probentagen wurde der Musik gehuldigt. „Wir hatten zumeist acht bis neun Stunden täglich Orchesterprobe“, erzählt der Dirigent. „Und abends haben viele noch gemeinsam Kammermusik gespielt – es ist spannend, was sich die jungen Leute da ausdenken. Auf die so entstandenen Kammermusikstücke sind wir sehr stolz.“ Ein Streichquartett aus den Reihen des Orchesters erklärt, was Aurélien Bello meint – mit einem der berühmtesten Tangos schlechthin: „Por una Cabeza“ von Carlos Gardel. Es erntet Bravo-Rufe. Eine Liebesszene aus Khachaturians „Spartacus“ schließt sich an – das ist großes Drama mit Soundtrack-Potenzial für jeden Blockbuster. Ein letzter, sterbend hingehauchter Seufzer – dann folgt mit schmetterndem Ufftata der Walzer aus der Masquerade-Suite desselben Komponisten. Das Publikum ist hingerissen – vom Rang aus formt einer der Jazzmusiker ein Herz aus seinen Händen. mehr Worte bedarf es kaum.

Die jungen Jazzer in Hochform

Die jungen Jazzer in Hochform

Quelle: Regine Buddeke

„Man sieht am Zuspruch, dass es der totale Renner ist“, schwärmt Musikakademie-Mitarbeiterin Regina Fröhlich. „Das musikalische Miteinander der jungen Leute – und das nahezu perfekt – hat mir sehr gefallen“, sagt Sören Weber von der Kreismusikschule. „Für uns Musiklehrer ist das eine schöne Bestätigung.“

Den zweiten Teil des Konzerts gestalten die jungen Jazzer. Knapp 20 sorgen für besten Bigband-Sound: ob von Buddy Rich, Dizzie Gillespie oder Jerome Kern. Jiggs Whigham, seit 2008 der künstlerische Leiter des 1994 gegründeten Landesjugendjazzorchesters hat viel dazu beigetragen, dass das Ensemble zu den gefragtesten Bigbands Brandenburgs geworden ist. „Wahnsinn – wir haben es geschafft. Zumindest bis Ende 2017“, scherzt der „Maestro“, der beim Dirigieren nicht stillstehen kann. Er umkreist seine Musiker wie ein Hütehund, swingt in den Hüften – trotz seiner 74 Jahre – wutscht und wedelt mit den Händen wie Harry Potter seinen Zauberstab, lächelt und scherzt. „Die Welt ist verrückt“, konstatiert er. „Aber wir haben eine Rettung: Junge Leute!Und Musik.“ Recht hat er: Ganz egal, was das neue Jahr bringt: Um den musikalischen Nachwuchs in Brandenburg muss man sich keine Sorgen machen.

Von Regine Buddeke

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