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Ostprignitz-Ruppin Nächster Halt: Walsleben
Lokales Ostprignitz-Ruppin Nächster Halt: Walsleben
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00:27 03.10.2015
Am Bahnhof: Bürgermeister Burghard Gammelin, Amtsdirektorin Susanne Dorn und Grünen-Verkehrsexperte Michael Jungclaus (v. l.). Quelle: Peter Geisler
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Walsleben

Kein Bahnhof ist wie der andere. Mal steht direkt nebenan ein Betrieb mit 250 Mitarbeitern, die nach der Schicht durchaus gern mit dem Zug nach Hause fahren würden. Ein anderes Mal ist der Bahnhof so weit weg vom Dorf, dass die Leute doch lieber ins Auto steigen. „Man muss sich jeden Bahnhof ganz genau anschauen“, sagt der verkehrspolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Michael Jungclaus. Der Landtagsabgeordnete besucht in diesem Jahr mehr als 60 Bahnhöfe in Brandenburg, an denen weniger als 50 Menschen täglich ein- und aussteigen. Wird irgendwo ein Haltepunkt aus dem Fahrplan gestrichen, könnte es einen dieser Bahnhöfe treffen, befürchtet Jungclaus. Am Mittwoch stieg er unter anderem in Walsleben, Netzeband, Fretzdorf und Dossow aus dem Zug.

Im aktuellen Fahrplan sind die Haltepunkte in Walsleben und Netzeband sicher eingetaktet. Doch mehr Bestellungen im Berliner Speckgürtel könnten zu gekürzten Angeboten bei schwach nachgefragten Bahnhöfen führen, sagt Jungclaus. „Das darf nicht sein.“

Michael Jungclaus in Fretzdorf. Quelle: Björn Wagener

Zwar hatte der Bund erst vor wenigen Tagen angekündigt, dass der regionale Bahnverkehr künftig mehr Geld bekommt. Allerdings soll dieses Geld in den kommenden Jahren nach einem anderen Schlüssel verteilt werden. Bevölkerungsreiche Gebiete profitieren dann stärker von den sogenannten Regionalisierungsmitteln. In ländlichen Gebieten kommt dagegen weniger an. „Das ist vermutlich erst 2017 zu spüren“, sagt Jungclaus. Schon jetzt sei wichtig, nach Entwicklungsmöglichkeiten kleiner Bahnhöfe zu schauen.

Amtsdirektorin Susanne Dorn würde eine Menge einfallen, wie sich die Zahl der Ein- und Aussteigenden in Walsleben erhöhen ließe. Zurzeit hält der Prignitz-Express nur in den Morgenstunden stündlich in Walsleben. Ansonsten aber nur alle zwei Stunden. Wer auf dem Rückweg von Berlin etwa seinen Zug verpasse, „muss zwei Stunden irgendwo rumstehen“. Viele Leute nähmen da lieber gleich das Auto. Erst ein „besseres Angebot“, so ist sich Dorn sicher, „schafft auch eine bessere Nachfrage“.

Ärgerlich zudem, dass der Zug am späteren Abend in Walsleben überhaupt nicht mehr hält. „Mal ein Konzert in Berlin besuchen ist so gar nicht möglich“, bedauert Dorn. Auch den Fahrkartenpreis von 2,70 Euro für die kurze Strecke zwischen Walsleben und Neuruppin hält sie für überzogen. „Eine Familie mit Kindern steigt doch da gar nicht erst in den Zug.“

Für Dörfer ist ein Bahnhof ein echter Standortvorteil

Vor einigen Jahren hatte die Gemeinde Parkplätze am Bahnhof und einen Gehweg in den Ort anlegen lassen. „Seit das Angebot besser ist, wird es auch besser angenommen“, sagt Bürgermeister Burghard Gammelin. Vor allem Pendler und Jugendliche, die weiterführende Schulen in Neuruppin besuchen, steigen in Walsleben ein und aus, sagt Gammelin, der in Sichtweite vom Bahnhof wohnt. „Für uns ist der Bahnhof ein echter Standortvorteil“, findet er. Eine weitere Ausdünnung des Takts oder gar eine Schließung des Halts sei dramatisch. „Wir sind darauf angewiesen, dass wir unsere Einwohner halten.“

Dass die Temnitz-Region durchaus attraktiv ist, weiß Amtsdirektorin Dorn auch nach einem Blick in die Einwohnerstatistik. 63 Zuzüge weist das Zahlenwerk seit Beginn des Jahres aus – die Wegzüge bereits abgerechnet. „Vor allem junge Familien sind zu uns gekommen“, sagt Dorn. Gerade für sie sei eine gute Infrastruktur wichtig.

Auch Gammelin würde sich wünschen, dass der Prignitz-Express öfter in Walsleben hält. „Diese Strecke hat Reserven“, sagt er. „Nur wenn die Bahn auch öfter fährt, kann sie auch mehr Fahrgäste haben.“ Wenn der Prignitz-Express ohnehin schon stündlich durch Walsleben rausche, könne er auch jedes Mal dort halten – und nicht nur jedes zweite Mal.

Nach einer Statistik, die Jungclaus vorliegt, steigen wochentags 47 Fahrgäste in Walsleben ein oder aus. Unklar sei, so kritisiert Jungclaus, wie diese Zahlen tatsächlich erhoben werden.

Von Frauke Herweg

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