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Ostprignitz-Ruppin Nager in allen Bächen und Gräben
Lokales Ostprignitz-Ruppin Nager in allen Bächen und Gräben
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00:41 02.03.2018
Nutria in den Elbwiesen bei Lenzen Quelle: André Reichel
Neustadt

Der eisige Frost hat die Natur zurzeit fest im Griff. Gräben und Bäche sind längst zugefroren und mittlerweile breitet sich die Eisschicht auch auf größeren Gewässern immer mehr aus.

Dort lebende Tiere, wie die Nutria müssen nun also auf Futtersuche notgedrungen einen Eisspaziergang machen, so wie das Exemplar auf dem Foto, aufgenommen an einer Slawenburg an der Elbe nahe der Westprignitzstadt Lenzen. Für den Naturliebhaber bietet sich bei Spaziergängen nun also die Möglichkeit derartiger Begegnungen.

Der Wasser- und Bodenverband „Dosse-Jäglitz“ sicherte die Böschung am Goldbecker Weg mit Drahtmatten gegen grabende Biber. Quelle: Alexander Beckmann (Archiv)

Großartige Scheu oder gar Angst zeigte dieses Exemplar nicht. Gemütlich knabberte das Tier am kargen Uferbewuchs herum, bevor es sich gemächlich davon machte. Eigentlich sind Nutrias dämmerungs- und nachtaktiv, doch inzwischen kommen in unseren Breiten Begegnungen mit ihnen tagsüber immer häufiger vor.

Ursprünglich stammen Nutrias aus Südamerika und wurden im 19. Jahrhundert zumeist zur Pelzzucht in Europa eingeführt. Schon um 1880 gab es ganz im Westen Deutschlands die ersten freilebenden Exemplare. Dabei dürfte es sich um freigelassene oder entlaufende Tiere gehandelt haben. In der ehemaligen DDR wurden Nutrias in großem Stil in Pelzfarmen gehalten. Die Tiere standen in jener Zeit auch auf dem Speiseplan manch eines DDR-Bürgers.

Die Pelzzucht brach 1989 zusammen

Nach der politischen Wende 1989 brach die Pelzzucht zusammen und nicht wenige Tiere wurden damals in die Freiheit entlassen. Die Nutria trat spätestens ab diesem Zeitpunkt ihren Siegeszug im ostdeutschen Raum und darüber hinaus an. Auch in der Prignitz und im Kreis Ostprignitz-Ruppin fanden diese Nagetiere entlang von Gräben, Bächen und Flüssen optimale Lebensbedingungen vor.

Vor 25 Jahren waren Nutrias in der Region noch relativ selten. Inzwischen haben sie sich an Königsfließ, Jäglitz, Dosse, Rhin und Stepenitz flächendeckend breit gemacht. „Bis zu acht Exemplare sehen wir jeden Tag“, bestätigt Dirk Preuß vom in Neustadt ansässigen Wasser- und Bodenverband „Dosse-Jäglitz“.

Der Biber wird nicht durch die Nutria gefährdet

Es besteht die landläufige Meinung, die Nutria gefährde die Biberpopulation. Das stimmt nicht. Denn wie Experten herausgefunden haben, leben Biber und Nutria friedlich nebeneinander im selben Lebensraum. Anders, als der Dämme und Burgen bauende Biber, gestaltet die Nutria nicht aktiv ihr Umfeld, bezieht aber gern auch mal eine leerstehende Biberwohnung.

Ansonsten lebt die Nutria in ein bis drei Meter langen, in die Böschungen von Gräben und Flüssen gegrabenen Höhlen, deren Eingang sich stets oberhalb der Wasseroberfläche befindet. Werden sie nicht gestört, bleiben die Tiere viele Jahre in ihrer angestammten Höhle wohnen. Ernsthafte Schäden hat die Nutria durch ihren Höhlenbau im Vergleich mit dem Biber nicht angerichtet. Dirk Preuß vom Wasser- und Bodenverband berichtet: „In unserem Arbeitsgebiet brachte die Nutria durch seine Grabungstätigkeit keine einzige Grabenböschung ins Rutschen.“

Ein Biber unterhöhlte eine Straße bei Lohm

Anders der Biber, der beispielsweise in der Nähe von Lohm (Amt Neustadt) eine Straße derartig unterhöhlte, dass diese gesperrt und aufwendig saniert werden musste. Ein Drahtgittergeflecht soll dort nun verhindern, dass der Biber abermals den Straßendamm wie ein Schweizer Käse durchlöchert. „Mit einem weiteren Fall dieser Art haben wir es zurzeit auch bei Babe und Schwarzwasser zu tun“, berichtet Dirk Preuß.

Enorme Straßenschäden richtete der Biber auch in Neuendorf bei Wittstock an. Mit solchen Folgen wird der Mensch wohl oder übel leben müssen, schließlich sind diese Nager Teil unserer Umwelt.

Biber, Nutria und Co.

Der Biber ist in Europa heimisch und mit 100 Zentimetern Länge der größte Nager hierzulande. Das Tier kann bis zu 35 Kilo schwer werden und ist an seinem 35 Zentimeter langen kellenartigen Schwanz von anderen Nagern gut zu unterscheiden.

Die Nutria, auch Biberratte genannt, stammt aus Südamerika und wurde im 19. Jahrhundert unter anderem zur Pelzzucht in Europa eingeführt. Inzwischen ist das Tier hier heimisch. Mit einer Länge von 65 Zentimetern und einem Gewicht von bis zu 9 Kilo ist die Nutria deutlich kleiner als der Biber. Ihr bis 45 Zentimeter langer Schwanz ist zudem rund.

Der Bisam, auch Bisamratte genannt, ist mit nur 35 Zentimetern Länge der kleinste unter den drei Nagern und stammt ursprünglich aus Nordamerika. Maximalgewicht: 1,8 Kilo.

Von André Reichel

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