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Nasser Spaß gleich nebenan

Wittstock Nasser Spaß gleich nebenan

Einige von ihnen konnten sich gerade so über Wasser halten, einige überhaupt nicht schwimmen – das lernen die jungen Flüchtlinge der Wittstocker Clearingstelle nun in der Schwimmhalle nebenan. Für sie ist der nasse Spaß nicht nur Pflichtprogramm, sie kommen auch in ihrer Freizeit ins Bad und einige verarbeiten so aus der Erfahrung bestehende Ängste vor dem Wasser.

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Die jungen Flüchtlinge haben sichtlich Spaß beim Schwimmkurs mit Frank Möller. Viele von ihnen gehen auch in der Freizeit in die Schwimmhalle.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Es sind nur wenige Schritte von der Wittstocker Erstaufnahmestelle zur Schwimmhalle nebenan – trotzdem ist die Badelandschaft für so manchen der jungen Flüchtlinge eine ganz andere Welt. „Die Jungs kannten so klares Wasser kaum, mussten sich erstmal an unsere deutsche Badekultur gewöhnen“, erinnert sich Badleiter und Schwimmlehrer Frank Möller. Als der erste Schwimmkurs für die Jugendlichen Anfang Januar startete, konnten sich einige gerade so über Wasser halten, andere konnten überhaupt nicht schwimmen.

Schwimmen hält fit und bringt Ausdauer

Schwimmen hält fit und bringt Ausdauer.

Quelle: Christian Bark

So wie Herman Sahle. Der 15-Jährige ist der Jüngste im Kurs, in seiner afrikanischen Heimat Eritrea hat er das Schwimmen nie beigebracht bekommen, wie er berichtet. In den zwei Monaten, die er bereits in der Clearingstelle lebt, hat er einiges gelernt – darunter seit Januar das Schwimmen. „Und es macht richtig Spaß“, sagt er. Viel Wasser hat sein Altersgenosse Omar Hassan Omar bislang geschluckt, wie er sagt. Aber Aufgeben ist für den jungen Somalier nichts. Das schätzt auch Frank Möller. „Die meisten Jungs sind mit viel Elan dabei“, so der Schwimmlehrer. Brauchten sie anfangs noch eine Schaumstoffnudel oder ein Brett, können sie sich nun ganz allein im Wasser bewegen, schwimmen und tauchen.

Lernen, Leben zu retten

Das ist nicht nur für die Jugendlichen selbst gut, es könnte auch anderen Menschen mal das Leben retten, wie Frank Möller bemerkt. Und damit die Jungs in Notsituationen Ertrinkende auch unter Wasser finden können, trainiere er gezielt das Tauchen mit offenen Augen.

Trocken werden die Armbewegungen geübt

Trocken werden die Armbewegungen geübt.

Quelle: Christian Bark

Potenzial zum Rettungsschwimmer hat besonders einer – der 17-jährige Algerier Ahmad Ali. In seiner Heimat konnte er bereits schwimmen. Frank Möller plant, ihm nach Ende des zwölfstündigen Schwimmkurses die Prüfung für das Silberabzeichen machen zu lassen. Bis dahin sind es aber noch zwei Einheiten. Diesmal stand Rückenschwimmen auf dem Programm. Dazu verteilte Möller Schwimmbretter an die Jungs, die sie gestreckt in den Händen halten mussten. „Dadurch ist der Körper angespannt und die Beine sacken nicht nach unten“, erklärt der Schwimmlehrer.

Schlechte Erfahrungen mit dem Wasser auf der Flucht

Danach ist etwas Spaß angesagt. Die Jugendlichen tauchen durch am Grund stehende Reifen und lesen dort liegende Ringe auf. Im Anschluss werfen sie sich die Ringe im Kreis zu – doch das ist gar nicht so einfach, denn der Ring wiegt fünf Kilogramm und sinkt bei missglückten Fangversuchen unaufhaltsam auf den Beckengrund. Kein Problem für Ahmad, dann taucht er eben hinterher. Es war die zehnte Einheit für die jungen Flüchtlinge, aber bis kommende Woche wollen sie nicht warten, um wieder ins Becken steigen zu dürfen. „Wir kommen heute Nachmittag wieder“, freut sich Herman jetzt schon.

Nach dem Rückenschwimmen wurde es spaßig beim Ringzuwerfen

Nach dem Rückenschwimmen wurde es spaßig beim Ringzuwerfen. Allerdings wog der fünf Kilogramm und verschwand deshalb einige Male auf dem Beckengrund.

Quelle: Christian Bark

Um einen weiteren Kurs für neue Flüchtlinge bemüht sich die Clearingstelle unterdessen, wie Betreuer Bijan Nockzey informiert. Er findet es toll, dass die Jugendlichen ihre Freizeit in der Schwimmhalle verbringen. „Für einige Jungs ist es die Möglichkeit, negative Erfahrungen mit dem Wasser zu verarbeiten“, erklärt er. Dabei verweist er auf jene Jugendliche, die in überfüllten Booten das Mittelmeer überquert haben, um nach Europa zu fliehen. So wie der 17-jährige Mohamed Hassan. Er lebt seit einem Monat in Wittstock, kam zuvor aus seiner Heimat Sudan nach Libyen und von dort über das Mittelmeer nach Italien. „Das Boot war nicht gut, es war sehr beengt und ich hatte Angst, dass wir untergehen“, erinnert er sich. Damals hätte er im Wasser wohl keine Chance gehabt, erst in Wittstock hat er nämlich Schwimmen gelernt.

Von Christian Bark

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