Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° Regen

Navigation:
Naturführer für die Heide fitgemacht

Tourismus in Kyritz-Ruppiner Heide Naturführer für die Heide fitgemacht

Wie entsteht eigentlich eine Heidelandschaft? Und warum sollte man in der Kyritz-Ruppiner Heide ja nicht vom Weg abkommen? – Das und vieles mehr lernen 14 angehende Landschafts- und Naturführer gerade in ihrer Ausbildung. Bei ihrer Heidetour mit dem Forstbeamten Rainer Entrup kamen sie am Dienstag ins Staunen und Grübeln.

Neuglienicke 53.0585352 12.7323258
Google Map of 53.0585352,12.7323258
Neuglienicke Mehr Infos
Nächster Artikel
Wohnen im Neuruppiner Plattenbau

Nicht zu porös darf die Heide sein, wenn man sie zum Reddachdecken verwenden will, erklärt Rainer Entrup (Mitte).

Quelle: Christian Bark

Neuglienicke. „Man kann sich das heute kaum noch vorstellen, aber noch vor wenigen Jahrzehnten rollten hier Panzer über Panzer durch die Landschaft“, blickt Rainer Entrup in die Vergangenheit der Kyritz-Ruppiner Heide zurück. „Kampfjets starteten hinter dem Ural, warfen hier eine Bombe ab und flogen in Windeseile wieder zurück.“ Dabei seien auch umliegende Ortschaften in Mitleidenschaft gezogen worden. So wurde Rossow beispielsweise versehentlich bombardiert. Die Geschichten des Leiters des Bundesforst-Betriebsbereichs Nord stoßen bei seinen 14 Zuhörern auf reges Interesse. Und das sollten sie auch, denn was Entrup da erzählt, ist wichtig für ihre Prüfung zum Natur- und Landschaftsführer. Und wenn sie die bestanden haben, können sie die Informationen an Touristen weitergeben.

Es tut sich touristisch was in der Heide. So sollen Urlauber und Einheimische sowie auch die bald frischgebackenen Naturführer die gesamte Heide-Route von Neu­glienicke bis zum Sielmann-Hügel bis zur Ortschaft Rossow ohne Sondergenehmigung passieren dürfen. Ausgenommen seien motorisierte Fahrzeuge als Fortbewegungsmittel, wie Entrup erklärt. „Das wird Anfang April im Kreistag entschieden“, informiert er. Nach der historischen Übersicht in Neuglienicke geht es hinein in die Heide. Die Schranke in das Gebiet öffnet Kursteilnehmer Torsten Stelly aus Storbeck. Er ist einer von drei Kremserfahrern, die die Ausbildung zum Naturführer mitmachen. „Seit vergangenem Jahr haben wir Kutscher die Schlüssel für die Schranken“, sagt er. Zuvor sei die Fahrt nur im Beisein eines Aufsehers gestattete gewesen. Kein Wunder, bei der explosiven Gefahr, die seit Jahrzehnten unter und auf der Heide schlummert.

Über 2000 Hektar Heidelandschaft sind von den ausgewiesenen Routen aus zu erleben

Über 2000 Hektar Heidelandschaft sind von den ausgewiesenen Routen aus zu erleben.

Quelle: Christian Bark

„Die Naturfreunde unter den Touristen nehmen zu“, weiß Torsten Stelly aus Erfahrung. Entsprechend vielfältiger würden deshalb die Fragen. Da wolle er nicht passen müssen. Es sei ja nicht nur die Heidetour mit Rainer Entrup, die zur Ausbildung gehöre, in den vorangegangenen Kurseinheiten hätten die Teilnehmer auch gelernt, wie sie sich gegenüber Gästen optimal artikulieren können. „Du musst die Leute bei Laune halten“, erklärt Stelly. Spätestens nach einer Stunde Kremserfahrt durch die Natur sei Schluss mit der Aufmerksamkeit, gerade bei Großstädtern. „Ich hatte mal einen Berliner, der meinte: die Stille tut ja schon weh“, erinnert sich der Kutscher. Da müsse dann mal Abwechselung her oder die Route anders gelegt werden.

Kursteilnehmer tauschen untereinander Ideen aus

Während der Tour durch die Heide machen Entrup und die Kursteilnehmer immer mal wieder Halt. Dann verweist der Forstbeamte öfter mal auf die Gefahren, die abseits der Wege drohen. „Am besten, Sie lassen sich vor der Führung ihre Belehrung von den Gästen schriftlich bestätigen“, empfiehlt Entrup. Dann erklärt er, wie seine Kollegen die Heide abbrennen, um für deren natürliche Regeneration zu sorgen. Anfang März sei dafür die beste Zeit, da die Tiere, insbesondere Vögel, den noch kalten Boden meiden würden.

Die Ausbildung

Es ist der dritte Kurs zum Natur- und Landschaftsführer. Erstmalig liegt hierbei nun der Fokus auf der Heide.

Das Landesamt für Umwelt ist Träger der Ausbildung. Ihm ist es mit zu verdanken, dass die Teilnahmegebühren nur bei 100 Euro liegen.

Sechs Teilmodule mit Themenschwerpunkten wie Recht und Marketing oder naturkundliche Grundlagen bilden das Programm der zweiwöchigen Ausbildung. Am Ende stehen drei Prüfungsteile, der letzte Anfang April.

Brennen sei eine Methode, mähen bei kleineren Flurstücken jedoch effektiver. Allein schon, weil das Heidekraut für den Bau von Reddächern genutzt werde. „Was ist mit Heidschnucken?“, will Kursteilnehmerin Ursula Wackrow wissen. Die Beweidung durch Schafe habe sich nicht rentiert, da diese das alte Kraut nicht fressen würden, so Entrups Antwort. „Ich lebe schon fast 40 Jahre in Rheinsberg und staune hier den ganzen Tag immer wieder“, lobt Wackrow die Ausbildung. Auch Nicole Rösler aus Rossow ist zufrieden mit den Kursen. „Freitag ist die schriftliche Prüfung“, blickt sie voraus. Das sei aber alles „machbar“, auch wenn etwas gesundes Lampenfieber natürlich dazugehöre. Danach hätten die Teilnehmer Zeit, einen Tourenplan auszuarbeiten, den sie dann in der praktischen Prüfung Anfang April in die Tat umsetzen und präsentieren können. Besonders freut sich Rösler aber, dass sie mit den andern Teilnehmern so gut klar kommt und Ideen austauschen kann. Sie kann sich vorstellen, bald geführte Fahrradtouren durch die Heide anzubieten.

Hinweisschilder warnen entlang der Wege vor Munitionsresten in der Heide

Hinweisschilder warnen entlang der Wege vor Munitionsresten in der Heide.

Quelle: Christian Bark

Das entstehende Netzwerk ist auch für Jürgen Paul aus Wittstock von Interesse. „Als Vorsitzender des Tourismusvereins Wittstocker Land kann die Ausbildung nur zum Vorteil für mich sein“, sagt er. Auch er möchte bald geführte Radtouren in dem Gebiet anbieten. Auf Schusters Rappen verschlägt es eher Elke Kopf aus Neuruppin. „Ich habe nur noch wenige Jahre bis zur Rente“, sagt sie. Danach wolle sie als Naturführerin Tageswanderungen durchs Moor und über Stadt und Land veranstalten.

Nasser geht es in den Vorstellungen von Andree Kienast vor. Der Kyritzer will sich mit Wasserwandertouren an der Kyritzer Seenkette selbstständig machen. Als Alternative zur Arbeitslosigkeit. Die 120 Euro Teilnahme- und Prüfungsgebühren müsse er allerdings selbst zahlen. „Das ist es aber wert“, betont Kienast. So gar nichts mit der Heide wird Regina Schannowske aus Wandlitz als Naturführer zu tun haben. „Ich lerne hier aber das Handwerkszeug, um bei mir im Barnim Touren anbieten zu können“, erklärt sie. Außerdem könne sie dann auch in Wandlitz Touristen die Schönheit der Kyritz-Ruppiner Heide empfehlen.

Die Route zwischen Neuglienicke und Rossow soll demnächst auch ohne Sondergenehmigung für Jedermann passierbar sein

Die Route zwischen Neuglienicke und Rossow soll demnächst auch ohne Sondergenehmigung für Jedermann passierbar sein.

Quelle: Landkreis

Von Christian Bark

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg