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Naturkundemuseum in Zechlinerhütte

Alles was kreucht und fleucht Naturkundemuseum in Zechlinerhütte

Er sammelt seit Jahrzehnten: Karl-Heinz Jaensch, ehemaliger Revierförster in Zechlinerhütte, hat eine naturkundliche Sammlung vorzuweisen, die ihresgleichen sucht. Alles, was in Deutschland kreucht und fleucht, ist vertreten – ausgestopft und präpariert natürlich. Mit seiner Sammlung möchte er insbesondere den Nachwuchs begeistern und Interesse für Natur wecken.

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Karl-Heinz Jaensch hinter der großen Vitrine mit den Vierbeinern des Waldes.

Quelle: Regine Buddeke

Zechlinerhütte. Wenn Karl-Heinz Jaensch die Tür zu seinem kleinen privaten Naturkunde-Museum öffnet, fühlt man sich im Inneren sofort beobachtet – so viele Augen blinken einen an. Andererseits ist es genau umgekehrt – der Besucher ist hier der Beobachter dessen, was der Zechlinerhütter im Laufe seines Lebens zusammengetragen hat. Und das ist beileibe nicht wenig. 50 Jahre lang hat der gelernte Forstwirt Deutschlands Wälder durchstreift und die Augen offen gehalten – 39 Jahre davon war er Revierförster in Zechlinerhütte. Seine Sammlung, mit der er früh begann, öffnet den Blick in eine Welt, die man einerseits kennt, aber nicht immer gebührend beachtet. Das älteste Exponat ist ein Hirschkäfer – aus dem Jahr 1955. „Wir sollten damals im Rahmen der Lehre eine Käfersammlung anlegen“, erinnert sich der 77-Jährige an seine Ausbildung im Forsthaus Hohenleipisch, später zog es ihn ins mecklenburgische Mirow, bevor er 1965 nach Zechlinerhütte kam.

Schaukasten mit Tierschädeln

Schaukasten mit Tierschädeln.

Quelle: Regine Buddeke

Er sammelte weiter, auch Bekannte und Freunde brachten ihm immer wieder tote Tiere mit, die – präpariert – die Sammlung vervollständigen. Sein Anliegen ist es, die einheimische Tier- und Pflanzenwelt zu dokumentieren. „Die Jugend ist doch völlig weg von der Natur“, bedauert er. Viele, insbesondere Städter, würden die heimischen Tiere und Pflanzen kaum noch kennen. „Die Liebe zur Natur ist verloren gegangen – das ist schlimm.“ Wer sorge sich denn noch um etwas, das er nicht mehr kennt, befürchtet Jaensch weiteren Artenrückgang und Raubbau an der Natur. Insofern sieht er sich in der Pflicht, mithilfe seines Museums die Kinder wieder für das Thema zu sensibilisieren. Regelmäßig führt er Schulklassen, Kindergruppen und auch Feriengäste durch sein Refugium, das er in liebevoller, langwieriger Arbeit selbst ausgebaut hat. In Vitrinen stehen alle Arten, die es in Deutschlands Wäldern und Feldern, Sümpfen und Seen überhaupt gibt. An den Wänden Geweihe und Schädel. „Jagdbare Arten habe ich selbst geschossen“, sagt er. Bei den geschützten Arten seien es stets Totfunde, die er meist von anderen bekomme. Sie auszustellen bedarf einer zusätzlichen Genehmigung. „Damit kein Schindluder damit getrieben wird“, erklärt Jaensch, der ein aktiver Umweltschützer ist.

Akribisch beschriftet Jaensch die verschiedenen Falter

Akribisch beschriftet Jaensch die verschiedenen Falter.

Quelle: Regine Buddeke

„Es ist ein Teufelskreislauf“, erklärt er. „In der Landwirtschaft werden die Kräuter aus den Feldern gespritzt. Dann bleiben zuerst die Schmetterlinge weg. Wenn die Insekten fehlen, fehlt es Vögeln und Fledermäusen an Nahrung, die wiederum Futter für andere Arten sind.“ Auf jeder Pflanze würden durchschnittlich sechs verschiedene Arten leben, sagt er. Und er hat sich die Mühe gemacht, etwa eine komplette Sammlung aller heimischen Schmetterlinge und Falter zusammenzutragen. In Schaukästen sind sie fein säuberlich geordnet und akkurat beschriftet. „Es scheinen inzwischen etliche dieser Arten ausgestorben zu sein“, bedauert er.

Vitrine mit Wasser- und Wiesenvögeln

Vitrine mit Wasser- und Wiesenvögeln.

Quelle: Regine Buddeke

Dicht an dicht reihen sich die Exponate: die Schädelskelette kleiner Nager, Kästen mit Käfern und Libellen oder auch Baumpilzen. Eine große Vitrine mit Waschbär, Fuchs, Dachs, Marder und Iltis, eine mit großen Wasservögeln, viele kleinere Schaukästen – alle selbst gebaut – mit Singvögeln, Spechten, Enten. Es gibt Reptilien und Lurche, sogar Tiere, die aus anderen Kontinenten mittlerweile in Deutschland heimisch geworden sind, wie die Nilgans oder der Silberreiher. Und zu jedem Exponat kann Karl-Heinz Jaensch eine Geschichte erzählen, wie die von dem Kuckuck, den man ihm brachte. „Flügel und Beinchen gelähmt – wahrscheinlich von einem Greifvogel. Den wollte ich durchbringen.“ Jaensch hat ihn mit Larven und Käfern gefüttert, umhegt und gepflegt. „Baden mochte er nicht. Aber wenn ich ihn gefönt habe, wurde er ganz ruhig“, erinnert sich Jaensch, dem es immer erstes Anliegen ist, die Tiere am Leben zu halten. Im Fall des Kuckucks leider umsonst: „Nach 13 Tagen ist er verendet.“ Oder der Wanderfalke: „Das war ein Drama. Der Jungvogel lag krank vor der Tankstelle“, erinnert sich Jaensch. Die Naturschutzstation brachte ihn dann zu ihm.

Fast wie lebendig – Dachsfamilie

Fast wie lebendig – Dachsfamilie.

Quelle: Regine Buddeke

Überhaupt bekam Jaensch viele seiner jetzigen Exponate von den Naturschützern. Und auch von weither – der Grünspecht etwa ist aus Niedersachsen. Auch so seltene Tiere wie den Wachtelkönig oder Wasserrallen kann man bei ihm besichtigen. Mit Daten und Fakten, die der Förster dazu parat hat. Etwa, dass die Eisvogelbrut im Kreis sitzt, Schnabel nach außen und immer einen Tick weiterrückt, damit die Eltern im Rotationsprinzip füttern können. Er erklärt die Gehörnentwicklung beim Rehbock genauso spannend wie die Tatsache, dass Moorfrösche während der Laichzeit blau sind. Und bricht – auch dazu gibt es viele Schautafeln – eine Lanze für die Erhaltung der Lebensräume. „Das ist das A und O“, sagt er und erzählt, dass er im Laufe seiner Tätigkeit bei der Forst Zechlinerhütte 19 Kleingewässer anlegte, einen Kunsthorst für Fischadler und diverse Nistplätze und Überwinterungshilfen errichtet hat, Feuchtwiesen wie die Bikowwiese pflegt und erhält.

Von Regine Buddeke

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