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Neben den Heufuhren flanieren erlaubt

Wusterhausen Neben den Heufuhren flanieren erlaubt

Gärtnermeister Reiner Lehmann erinnert sich noch genau an die alte Brücke über die Dosse zwischen Neustadt und Wusterhausen. Fuhrwerke voller Heu und Stroh rumpelten früher über die Bohlen. 1998 wurde die Überführung erneuert, ein Schönheitsfehler blieb indes bis heute: Sie führt auf der einen Seite ins Nichts.

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Das Vorgängermodell um 1920, veröffentlicht von Gerhard Fenske in seinem Buch „Streifzüge durch Wusterhausen an der Dosse“.

Wusterhausen. Die Geschichte über die Dossebrücke „mitten in der Natur“ ist noch nicht ganz zu Ende erzählt. Dieser Meinung war Reiner Lehmann. Dem Gärtnermeister, einem Ur-Wusterhau­sener, fiel beim Lesen sofort ein, dass er noch ein Kapitel hinzufügen könnte. Gedacht – getan. Schon am Freitag kam es zum Ortstermin, also genau da, wo zwischen den Gemarkungen Wusterhausen und Neustadt eine Brücke steht, die man zwar einseitig auch auf vier Rädern gut erreichen kann, wo man nach dem Überqueren aber auf Schusters Rappen umsteigen muss.

„Das war nicht immer so“, erinnert sich der 76-Jährige. Und er stellt in diesem Zusammenhang gleich mal klar: „Wir stehen hier an der ‚Hohen Brücke’, nicht ‚Schinderbrücke’, wie es in der Zeitung stand. Wahrscheinlich kommt die Umbenennung vom nahen Schinderwald, in dem es zu meinen Kindertagen eine Abdeckerei gab.“ Reiner Lehmann meint den Beginn der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Da tat ein weitaus einfacher gezimmertes Vorgängermodell des jetzigen Brückleins treu seinen Dienst. Landwirte trieben ihr Vieh drüber auf die Wiesen. Fuhrwerke voller Heu und Stroh rumpelten über die Bohlen. Und es gab etwas, was 1998 für einen Neubau besonders die Neustädter beflügelte: Breite Wanderwege in Richtung Plänitz, mit Bänken am Rand und Bäumen als Saum. Zum Teil präsentierten sie sich geschottert.

Gärtnermeister Reiner Lehmann auf der „Hohen Brücke“, die gerade mal wieder repariert worden ist

Gärtnermeister Reiner Lehmann auf der „Hohen Brücke“, die gerade mal wieder repariert worden ist.

Quelle: Wolfgang Hörmann

„Wir hatten Bekannte In Plänitz. Mit meinen Eltern bin ich so manches Mal dorthin gepilgert. Den Dossewall in seiner Höhe gab es damals noch nicht. Sommerhochwässer überschwemmten die Wiesen. An der Brücke hatten wir Gören unsere Badestelle, eine von vielen. Im Winter mit viel Frost lud eine riesige Eisfläche zum Schlittschuhlaufen ein.“ Reiner Lehmann kommt ins Schwärmen, als er davon erzählt. „Wusterhausener, die noch älter sind als ich, müssten sich auch noch an den ‚Hexentanzplatz’ erinnern. Ich meine nicht den im Harz, sondern eine Lichtung im Wald bei Plänitz. Hierhin zog es Ausflügler zu Chorkonzerten oder anderen Vergnügungen“, weiß Lehmann.

Buchautor beschäftigt sich mit einstigen Flussübergängen

Im Übrigen verweist er auf ein Büchlein von Gerhard Fenske. In seinen „Streifzügen durch Wusterhausen an der Dosse“, ausleihbar in der Bibliothek, hat sich der zu früh verstorbene Chronist ausführlich auch mit den einstigen Flussübergängen in seiner Heimatstadt beschäftigt. Die „Hohe Brücke“, (wurde errichtet/d.Red.) in den 20er Jahren am Beginn des Dossewalls in Richtung Neustadt, „damit die Sommergäste, hier die Dosse überquerend, durch die Wiesen (von den Anliegern geduldeter Wanderweg) bis zur Lake und schließlich auf der Plänitzer Straße zurück nach Wusterhausen“ gelangen konnten. Die letzte Aufnahme machte ich 1973, dann musste auch diese Brücke Meliorationsmaßnahmen weichen.“ Fenske geht auch auf den Neubau 1998 ein und auf einen „Schönheitsfehler“. „Sie führt zurzeit noch ins Nichts“, schrieb er. Dabei ist es geblieben. „Schade“, sagt Gärtnermeister Lehmann.

Von Wolfgang Hörmann

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