Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° Nebel

Navigation:
Neu-Amerika ist kein Trump-Land

Hohenofen Neu-Amerika ist kein Trump-Land

Groß war der Jubel im Jahr 2012 im Hohenofener Ortsteil Neu-Amerika, als Barack Obama erneut Präsident der USA wurde. In einer spaßigen Aktion hatten damals Bewohner auch umliegender Dörfer die Wahl dort nachgespielt. Dass der künftige Präsident nun Donald Trump heißt, sorgt in der Siedlung, die eine interessante Geschichte hat, für weniger gute Laune.

Voriger Artikel
Genossenschaft präsentiert neuen Kalender
Nächster Artikel
Bürgerforum geht in zweite Runde

Fritz Horn war in die USA ausgewandert, kehrte aber nach Deutschland zurück und hatte bei Hohenofen mit einem Ausflugslokal Erfolg.

Quelle: Repro MAZ

Neu-Amerika. Etwas neugierig sei sie am Ende ja doch gewesen, gibt Regine Beythien zu. „Also habe ich in der Nacht noch Mal in den Fernseher geguckt.“ Die für sie „schockierende Nachricht“ erreichte die Tierärztin aber erst am nächsten Morgen: Donald Trump gewann die Wahl zum Präsidenten der USA. Ein „Spiel mit dem Feuer“ ist das Ergebnis in den Augen dieser Bewohnerin der Ortslage mit dem so eigenartigen Namen Neu-Amerika. Das Gehöft, bestehend aus Tierarztpraxis und Pferdehof, liegt schließlich nicht in Übersee, sondern am Fluss Dosse in Sichtweite zur Stadt Neustadt und doch aber schon zur Gemeinde Sieversdorf-Hohenofen gehörend.

Ein Schild an der Bundesstraße zwischen Neustadt und Hohenofen markiert noch heute die einst wegen Fritz Horn so benannte Ortslage

Ein Schild an der Bundesstraße zwischen Neustadt und Hohenofen markiert noch heute die einst wegen Fritz Horn so benannte Ortslage.

Quelle: Matthias Anke

Vor vier Jahren war die Stimmung dort eine viel heitere. Ein Radiosender hatte spaßeshalber eine Wahl-Aktion ins Leben gerufen in mehreren solcher Brandenburger Orte mit amerikanischem Namen. So kamen via Übertragungswagen neben Neu-Amerika auch (Neu) Boston und Philadelphia live ins Radio. Zur Wahl standen – wie damals eben auch in Amerika – Barack Obama und Mitt Romney. Angesichts der nur vier Einwohner von Neu-Amerika jedoch durften dort auch die Nachbarn aus Sieversdorf und Hohenofen mitmachen. Ihr Votum war am Ende noch deutlicher als in den echten USA: 95 Prozent von ihnen stimmten für Obama. Der alte Präsident sollte auch der neue sein, jener Obama also, der nun bekanntlich Donald Trumps Gegnerin Hillary Clinton unterstützte – vergeblich.

Von einem Übertragungswagen war bei Regine Beythien, deren Terrasse 2012 noch als Wahllokal diente, dieses Mal nichts zu sehen. „Ich muss sagen, bei diesem Wahlausgang ist mir auch nicht weiter nach Späßen zumute“, erklärt sie am Telefon und fügt an: „Schade jedenfalls, dass gegen Dummheit kein Kraut gewachsen ist.“

Den Neuanfang in Neu-Amerika machte ein ehemaliger Auswanderer

Wer für das Land und für die Welt besser ist, ein Demokrat oder nun doch ein Republikaner, dazu hätte bestimmt auch jemand anderes eine Meinung gehabt. Es ist jener Mann, dem dieser Platz an der Dosse seinen Namen verdankt: Fritz Horn.

Horn war im 19. Jahrhundert in die USA ausgewandert. Dort soll er als Unternehmer allerdings keinen Erfolg gehabt haben. Er kehrte nach Deutschland zurück, hatte noch etwas Geld übrig und erwarb damit das Grundstück an der Dosse zwischen Neustadt und Hohenofen. Zu der Zeit verlief der Weg zwischen beiden Orten noch nicht über die heutige Bundesstraße, sondern unmittelbar an der Dosse vorbei. „Horn errichtete einen Biergarten samt Spielplatz, ein Geschäft, das an dieser Stelle gut lief“, erklärt der Sieversdorf-Hohenofener Heimatforscher Michael Deylitz.

Fritz Horn soll die Idee dafür aus Amerika mitgebracht haben, wo er wohl auf solche Ausflugs- und Erlebnislokale gestoßen war. Kurzerhand benannte er dieses Fleckchen an der Dosse dann auch „Kurort Neu-Amerika“. Doch nur alte Postkarten erinnern noch an diese Zeit. Sie sind neben Kurort auch mit Ausflugsort betitelt. Denn mit dem Tod des Gastwirts erledigte sich das gesellige Treiben inmitten der Natur. „Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es dort so etwas nicht mehr, und seit dem Bau der neuen Straße liegt Neu-Amerika ohnehin etwas abseits“, sagt Michael Deylitz.

Blick in den Biergarten

Blick in den Biergarten: Diese Postkarte aus den 1930er Jahren ist betitelt mit „Neu-Amerika, Ausflugsort bei Neustadt Dosse“.

Quelle: Repro MAZ

Die Besitzer des Areals sollen dann mehrfach gewechselt haben. Geblieben ist jedoch stets der Name, wenngleich die eigentliche Adresse Dossewall 10, Hohenofen, lautet. Zuletzt etablierte sich dort neben der Tierarztpraxis mit einem Pferdehof aber auch wieder etwas, bei dem der Aspekt der Erholung einmal mehr im Vordergrund steht. Unter anderem beim Internetportal „Reiseland Brandenburg“ heißt es schließlich: „Unser Landgut mit Tierarztpraxis liegt in herrlicher Alleinlage direkt an Dosse und Gestütswald. Unter alten Bäumen laden ein artgerechter Stall, große Koppeln und stilvolle Ferienhäuser zur Erholung für Pferd und Mensch ein.“ Dank einer hölzernen Brücke über die dort dahinplätschernde Dosse sind von der Wanderreitstation aus die Neustädter Gestüte zu Pferd oder auch zu Fuß noch gut erreichbar.

Es ist ein überaus ruhiger, idyllischer Landstrich. Und Nachrichten von jenseits des großen Teiches spielen dort normalerweise die geringste Rolle.

Von Matthias Anke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg