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Ostprignitz-Ruppin Neue Heimat am Klempowsee
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10:46 27.02.2018
Idyllisches Anwesen: das Jugendhaus am See Bantikow beherbergt geflüchtete Jugendliche. Das Haus steht aber auch Kindern und Jugendlichen aus Deutschland offen. Quelle: Sandra Bels
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Bantikow

Das Jugendhaus am See in Bantikow ist ihre neue Heimat. Sie fühlen sich dort wohl. Hermon Sahle (16) und Abel Geremedhin flohen aus ihrer Heimat Eritrea. Abel kam über den Sudan nach Libyen und dann nach Italien. Von dort aus erreichte er Deutschland. „Ich war ein Jahr unterwegs“, sagt der junge Mann.

Bei Hermon war es ähnlich. Er kam über Frankreich nach Deutschland.. Beide hatten den gleichen Plan. Sie verließen zusammen mit ein paar Freunden ihre Heimat, um frei leben zu können. „In Eritrea ist das nicht möglich. Es gibt dort einen Diktator und keine Demokratie“, sagen beide. Abel erklärt, dass er für sich keine Zukunft in Eritrea gesehen hat. Von Deutschland hatte er gehört und fand es interessant.

Das Jugendhaus am See in Bantikow ist neue Heimat auf Zeit

Kennengelernt haben sich die beiden erst in Deutschland. Hermon wohnt seit dem 1. September 2016 in Bantikow. Abel zog im Februar 2017 ins Jugendhaus ein. Beide gehen zur Schule. Hermon in Kyritz. Er besucht eine Regelklasse der Carl-Diercke-Schule und nimmt zusätzlich an einem Deutschkurs teil. In seiner Heimat ging er auch zur Schule, besuchte die 7. Klasse. Heute ist er in der 9. Sein Ziel beschreibt er so: „Erst einmal die Schule beenden und dann einen Beruf lernen.“ Etwas mit Autos oder Tischler schwebt ihm vor.

Abel fährt wochentags mit dem Bus nach Neuruppin. Im Oberstufenzentrum lernt er seit neun Monaten in einer berufsvorbereitenden Klasse. Auch er möchte später gern Autos reparieren. In Eritrea besuchte er die 8. Klasse. Die Fächer sind ähnlich wie in der deutschen Schule. „Man lernt überall auf der Welt Mathe, Physik und Chemie“, sagt Abel. Nur die Klassenstärke war anders. Bis zu 60 Schüler lernen in Eritrea zusammen.

Bereichsleiterin und Sozialpädagogin Dorothea Bothe. Quelle: Sandra Bels

Mit der deutschen Sprache klappt es bei beiden mittlerweile gut. „Als ich herkam, konnte ich kein Wort“, erzählt Abel. Jetzt kann er sich gut unterhalten. Wenn er etwas nicht versteht, fragt er nach.

Mit den anderen Bewohnern, allesamt männlich, verstehen sich die beiden gut. Sie mögen es hinter dem Haus Fußball zu spielen. Dabei können sie sich austoben. Abel erzählt, dass er oft im Gemeinschaftsraum sitzt und liest. „Ich lerne für die Schule“, sagt er. Kontakt zu anderen Jugendlichen haben sie kaum. „Unsere Jungen sind sehr schüchtern“, sagt Dorothea Bothe. Sie ist Sozialpädagogin und Bereichsleiterin beim Elisabethstift, der das Jugendhaus am See betreibt. Ihre Schüchternheit zeigt sich auch darin, dass sie nicht einzeln fotografiert werden wollen.

Neben den normalen Hausarbeiten wie Zimmer putzen und die Küche aufräumen, beteiligen sich die Bewohner auch an Einsätzen rund um das Haus. „Wir haben hier viel Platz, da gibt es immer etwas zu tun“, sagt Dorothea Bothe. Daneben nutzen die jungen Männer ihre Freizeit aber auch, um Freunde zu besuchen. Hermon hat zum Beispiel welche in Hamburg.

Fußball ist eine beliebte Freizeitbeschäftigung der Bewohner auf Zeit. Quelle: Sandra Bels

Das Jugendhaus am See ist derzeit noch im Aufbau. „Wir konnten bisher nur eine Gruppe eröffnen“, sagt die Sozialpädagogin. Von den zehn Plätzen darin sind aktuell sieben belegt. Die jungen Männer aus Eritrea, Äthiopien und Somalia sind zwischen 16 und 18 Jahre alt. Drei von ihnen gehören noch zur ersten Belegung. Alle anderen sind dazu gekommen. Zugewiesen werden sie jeweils vom Landkreis.

„Wir sind aber nicht nur ein Haus für Flüchtlinge“, sagt Dorothea Bothe. Aufgenommen werden auch Jugendliche aus der Region und aus ganz Deutschland. Kinder ab sechs Jahren können im Haus wohnen, die aufgrund von sozialen Schwierigkeiten oder häuslicher Gewalt nicht daheim leben können.

Die aktuelle Wohngruppe wird von vier Erziehern in Vollzeit rund um die Uhr betreut. Ziel ist es, die jungen Männer in ein selbstständiges Leben zu führen. „Wir entwickeln zum Beispiel gemeinsam berufliche Perspektiven“, so die Bereichsleiterin. So wurde im vergangenen Jahr einem Bewohner eine Lehrstelle in Neustadt vermittelt.

Das Haus hat eine bewegte Geschichte

„Wir sind derzeit noch mitten im Aufbau“, so die Bereichsleiterin. Es brauche eine Weile, bis sich eine neue Einrichtung etabliert hat. Einen Ruf müsse man sich erst erarbeiten, so Dorothea Bothe. Ein gutes Jahr gibt es das Haus am See jetzt. Die Bereichsleiterin denkt, dass es zwei bis drei Jahre dauern kann, „bis wir uns unsere Sporen verdient haben.“

Für die Bewohner gibt es unterschiedlichste Angebote: einen Sportraum mit Tischtennisplatte, Fitnessgeräte, Internet, WLAN, Fernsehen und Playstation für die Freizeit. „Zwei Jungen gehen in Wusterhausen zum Fußball“, sagt Dorothea Bothe. Alle Bewohner haben ihre Anhörung bereits hinter sich und wurden dabei von Mitarbeitern des Hauses und vom Jugendamt, bei den Minderjährigen der Vormund, begleitet.

Das Haus hat eine bewegte Geschichte. Das Elisabethstift mit Sitz in Berlin hat es derzeit von einem privaten Eigentümer gemietet. Zuvor war es ein Wellness-Hotel. Unternehmer Kurt Glass aus Sigrön bei Bad Wilsnack hatte es gekauft und dazu umgebaut. Hotel war es bis Herbst 2016.

Mit den Betreuern werden berufliche Perspektiven entwickelt

Bevor das Schloss in Bantikow entstand, gab es an der Stelle einen alten Rittersitz. Elisabeth Amelung, Gutsfrau von 1893 bis 1907, veranlasste dann den Neubau des Gebäudes am Ufer des Untersees. Ihr folgten einige Gutsherren. Einer davon verdient besondere Erwähnung: Paul de Gruyter. Er kam 1920 nach Bantikow und starb 1939. Damals führte seine Frau die Geschäfte bis 1945 weiter. Seitdem gilt sie jedoch als vermisst.

Von den 1950er Jahren und bis 1990 unterhielt die LDPD der DDR in dem Haus in Bantikow ihre zentrale Parteischule. 1991 übernahm die Bundesanstalt für Arbeit das Gebäude und nutzte es bis 1999 als Schulungsstätte.

Heute ist es offen für jedermann. Dorothea Bothe zeigt die Räume, die vom Ort und seinen Bewohnern genutzt werden können, sei es für Versammlungen oder Treffen zum Kartenspielen oder zum Feiern. Derzeit sei das Interesse daran jedoch noch nicht so groß, so die Bereichsleiterin.

Von Sandra Bels

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