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Neue Aufgabe für Jugendamt in Neuruppin

Jugendliche Flüchtlinge Neue Aufgabe für Jugendamt in Neuruppin

Ab Januar muss sich das Jugendamt in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) wohl auch um minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge kümmern. Um wie viele, das ist unklar. Das Land geht von bis zu 1700 jugendlichen Flüchtlingen aus, die ohne Eltern unterwegs sind und in Brandenburg aufgenommen und betreut werden müssen. Die Zahl kann auch noch steigen.

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Das Land rechnet mit zahlreichen Flüchtlingen, die ohne Eltern unterwegs sind.

Quelle: dpa

Neuruppin. Um zwei minderjährige Flüchtlinge, die ohne Begleitung in Ostprignitz-Ruppin aufgetaucht sind, kümmert sich das Jugendamt des Landkreis bereits ganz selbstverständlich. Die Jugendlichen benötigen nicht allein eine Unterkunft, sondern ebenfalls einen Vormund, der für sie verantwortlich ist. Außerdem muss geklärt werden, ob die jugendlichen Flüchtlinge an einem Trauma leiden und deshalb auf eine bestimmte Behandlung angewiesen sind, sagt Jugendamtsleiter Andreas Liedtke.

Sein Amt könnte mit dieser besonderen Arbeit schon bald überfordert sein. Denn entgegen den bisherigen Planungen des Landes sollen minderjährige Flüchtlinge, die ohne Eltern und Verwandte in Brandenburg landen, nicht von vier sogenannten Schwerpunkt-Jugendämtern im Speckgürtel von Berlin betreut werden. Dazu kommen einfach zu viele. „Bisher wurden die Jugendlichen dort untergebracht, wo sie aufgegriffen wurden“, sagt Sozialdezernentin Waltraud Kuhne. Das war meist in Bayern und Baden-Württemberg. Doch wegen des anhaltenden Flüchtlingsstromes ist nun auch Hilfe in Brandenburg gefragt.

Die ersten Landkreise haben bereits die weiße Fahne gehisst

Allerdings hat „das Jugendamt in Oder-Spree bereits die weiße Fahne gehisst“, so Liedtke. Deshalb sollten sich ab März 2016 alle 18 Jugendämter in der Mark um minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge kümmern. So hieß es jedenfalls noch bei einer Beratung am 9. September in Potsdam. Bis März sollten die Ämter die notwendigen Strukturen für die neue Aufgabe aufbauen.

Aber auch dieser Zeitplan ist inzwischen hinfällig. Nun sollen die neuen Strukturen schon ab Januar funktionieren. Denn das Land geht nicht mehr von 400 minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlingen aus, sondern von bis zu 1700, die in Brandenburg untergebracht und betreut werden müssen. Und keiner weiß, ob nicht noch mehr jugendliche Flüchtlinge ohne Eltern kommen.

Sozialer Dienst im Jugendamt ist jetzt schon überfordert

Amtsleiter Liedtke rechnet damit, dass sich Ostprignitz-Ruppin um knapp 100 jugendliche Flüchtlinge kümmern soll. Das ist mit der jetzigen Struktur nicht zu schaffen. Denn der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) im Jugendamt ist jetzt schon überfordert. Die Mitarbeiter müssen im Schnitt 63 Fälle bearbeiten. Das sind fast 30 mehr, als Experten der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement für vertretbar halten (die MAZ berichtete). Zwar wurden für den ASD inzwischen drei weitere Stellen geschaffen, so dass sich nun 18 Mitarbeiter um besonders komplizierte Probleme von Jugendlichen in Ostprignitz-Ruppin kümmern. Doch die neuen Mitarbeiter sind noch in der Einarbeitungsphase.

Hinzu kommt, dass die jugendlichen, unbegleiteten Flüchtlinge laut Gesetz drei Monate lang in einer sogenannten Clearingstelle verbringen müssen. Dort soll geklärt werden, ob sie unter einem Trauma leiden und eine spezielle Behandlung benötigen. So eine Clearingstelle hat der Landkreis bisher aber nicht. In Neuruppin gibt es lediglich sechs Plätze, in der Kinder und Jugendliche in Obhut genommen werden, bevor sie in ein Heim oder zu Pflegeeltern kommen oder zurück zu ihren eigenen Eltern gehen. Zwar existieren in Kyritz und Wittstock jeweils zwei weitere dieser speziellen Unterkünfte. Doch das wird kaum reichen. Bei 100 jugendlichen Flüchtlingen rechnet Amtsleiter Liedtke damit, dass etwa 30 neue Plätze geschaffen werden müssen. „Das ist eine Herausforderung.“

Von Andreas Vogel

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