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Neue Bestattungskultur hält Einzug

Wittstock Neue Bestattungskultur hält Einzug

Auf dem Friedhof im Rote-Mühle-Weg wurde jetzt die erste Erdgemeinschaftsanlage in Wittstock eingerichtet. Da klassische Erdbestattungen immer seltener vollzogen werden, ist die Stadt dabei, neue Wege zu gehen.

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Lothar Müller vom Bauhof mäht den Rasen auf dem neu angelegten Bereich des Friedhofes im Rote-Mühle-Weg.

Quelle: Björn Wagener

Wittstock. Wenn die Bepflanzung auf einem Grab gepflegt aussehen soll, gibt es einiges zu tun. An heißen Tagen wie diesen sollte zum Beispiel regelmäßig gegossen werden. Aber auch das Laub will entfernt und das Umfeld geharkt und in Ordnung gehalten werden. Doch dort, wo es keine Angehörigen mehr gibt oder sie nicht mehr vor Ort wohnen, wird das zum Problem. Zwar kann ein Gartenbetrieb mit der Pflege beauftragt werden, aber wer sich das nicht leisten kann oder will, steht vor einer Herausforderung.

Immer weniger klassische Erdbestattungen

Dass sich solche Situationen immer öfter ergeben, zeigt die Statistik deutlich. Gab es in Wittstock und den Ortsteilen 2005 noch 48 Erdbestattungen, so waren es im vergangenen Jahr nur noch 22. Auf der anderen Seite stieg die Zahl der Urnenbestattungen im genannten Zeitraum von 51 auf 89, im Jahr 2014 waren es sogar 113 und 2015 insgesamt 106. Verstorbene, die in Urnengemeinschaftsanlagen die letzte Ruhe finden, können mit oder ohne Namensnennung bestattet werden. Die Stadt habe dafür entsprechende Tafeln entworfen, die im gesamten Stadtgebiet und den Ortsteilen in gleicher Gestaltung verwendet werden, sagt Ordnungsamtsleiter Holger Schönberg.

Doch jetzt gibt es neben Urnengemeinschaftsanlagen auf dem Friedhof im Rote-Mühle-Weg auch das erste Bestattungsfeld für Erdgemeinschaftsanlagen. Das heißt, dort sind Erdbestattungen auf der grünen Wiese – also ohne Grabstein oder Bepflanzung – möglich, allerdings mit Namensnennung. Damit will die Stadt Wittstock ein breit gefächertes Angebot an Varianten anbieten. Denn nicht jeder, der eine herkömmliche Erdgrabstelle wegen des hohen Pflegeaufwandes ablehnt, möchte sich für eine Feuerbestattung entscheiden.

Rund 50 Bestattungen seien auf der Erdgemeinschaftsanlage möglich, sagt Holger Schönberg. Diese Zahl könne jedoch leicht abweichen, denn sie sei von der konkreten Anordnung abhängig. Die Kosten seien mit denen für eine herkömmliche Erdgrabstelle vergleichbar, allerdings kämen noch städtische Aufwendungen für die Pflege hinzu – zum Beispiel das Rasenmähen oder Heckeschneiden. Auch müsse dafür gesorgt werden, dass die Grabstellen nicht betreten werden.

Erdgemeinschaftsanlagen vorerst nicht in den Ortsteilen

In den Ortsteilen werde es solche Erdgemeinschaftsanlagen vorerst nicht geben – aus Kostengründen, wie Holger Schönberg sagt. Allerdings bescheinigt er den Menschen in den Dörfern ein großes Engagement, wenn es um die jeweilige Friedhofsgestaltung geht. Ganz weit vorn sei dabei Zootzen, wo bereits 2011 eine Urnengemeinschaftsanlage entstand. Mittlerweile habe auch eine Reihe weiterer Ortsteile nachgezogen. Außer in Wittstock gebe es zurzeit solche Anlagen in Freyenstein, Zootzen, Eichenfelde, Dossow, Dranse, Wulfersdorf, Biesen und Sewekow, teilt Holger Schönberg dazu mit. „Es ist unser Ziel, in den nächsten Jahren in allen Ortsteilen Urnengemeinschaftsanlagen einzurichten.“

Friedhöfe müssten sich, ähnlich wie die gesamte Stadtentwicklung, aktuellen Trends und einer sich verändernden Bestattungskultur anpassen, da stimmt Holger Schönberg auch mit Bürgermeister Jörg Gehrmann überein. Letzterer wünscht sich, dass für Hinterbliebene nicht nur einzelne Grabstellen, sondern die gesamten Friedhöfe zu Orten des Gedenkens werden.

Von Björn Wagener

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