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Neue Fotoausstellung in der Temnitzkirche

Netzeband Neue Fotoausstellung in der Temnitzkirche

Es ist eine gelungene Schau: mehr als 500 Fotos aus den 30er bis 70er Jahren hat Galerist Lutz Kroh in den vergangenen Wochen aus Netzebander Fotoalben abgelichtet und zu einer runden Ausstellung über das Dorf vereint. Netzebander Hans Untersteiner war ihm der Türöffner. Komplettiert wird die Schau mit Arbeiten des Fotografen Jürgen Graetz.

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Das Interesse der Besucher ist groß: Lutz Kroh und Hans Untersteiner (Bildmitte v. l.) freut es.

Quelle: Regine Buddeke

Netzeband. Mitten auf dem Feldrain steht ein weiß gedecktes Tischchen mit Blumenstrauß in der Mitte, dahinter blinzelt eine Bäuerin in die Kamera. Im Hintergrund ist eine Windmühle zu sehen. Es ist eines der vielen Lieblingsfotos von Lutz Kroh, dem Macher der Fotoausstellung. „Mich interessieren solche Themen wie Dorfleben“, sagt der Mann aus Röbel, der am Sonnabend zwanzig Minuten vor dem Beginn der Vernissage noch Schildchen für die vielen Fotos zuschneidet. Und Netzeband sei insbesondere ein Dorf, zu dem er viele gute Erinnerungen habe. Mit Hilfe des Südtirolers Hans Untersteiner, der mit seiner Frau seit 2002 in Netzeband lebt und die „Märkischen Höfe“ betreibt, ist es Kroh gelungen, dass zehn Netzebander ihm ihre Türen und Fotoalben geöffnet haben. „Ich habe mit meiner kleinen Knipse über 700 Fotos abgelichtet.“ Fotografische Notizen nennt er sie. Eine große Hilfe seien der Kneiper Jeetz und der ehemalige Bürgermeister Ernst Steege gewesen, der zu vielen Fotos viel hätte erzählen können. „Das hat mir viele Lücken geschlossen“, freut sich Hans Untersteiner, der als gewesener Südtiroler das Wort Heimat für Netzeband mit allem „Weißte noch“ und „So war’s damals gewesen“ nicht ganz für sich beanspruchen kann. „Jetzt kann ich endlich mitreden.“ Lutz Kroh wiederum schätzt die Authentizität der rund 500 Fotos, die nun in der Temnitzkirche Netzeband zu sehen sind. Gut 30 Gäste sind am Samstag zur Vernissage gekommen. „Beeindruckend“, nennt es Elmo Wesser, ein 1991 zugereister Netzebander, der noch mit dem Visionär Horst Wagenfeld Bier getrunken hat und viele Leute auf den Fotos wiedererkennt.

Lutz Kroh vor einer Fotowand

Lutz Kroh vor einer Fotowand.

Quelle: Regine Buddeke

Wagenfelds, die nach der Wende Netzeband in Pionierarbeit zu einem „Dorf neuen Typs“ umgestalten wollten, sind auch Lutz Kroh in warmer Erinnerung. „Sie wollten einen Mikrokosmos – a la blühende Landschaften“, sagt er über den Landschaftsarchitekten, der maßgeblich dafür sorgte, dass Netzeband jetzt Theatersommer-Dorf ist. Auch 1962 habe es schon einen solchen gegeben, so beweist ein Foto. Eine Seminargruppe, die damals als Erntehelfer in Netzeband war, habe „das Dorf aufgemischt: mit Theater, fröhlichen Festen und harter Arbeit“, so Kroh. Ihn haben die vielen Fotos schwer beeindruckt. „Klar sind das keine tollen Aufnahmen – aber alles ist mit dem Herzen fotografiert“, schwärmt er. Es ginge nicht um Ästhetik, sondern um Inhalte. Und deren gibt es genug – fröhliche und nachdenkliche Momentaufnahmen in Schwarz-Weiß aus den Dreißiger bis Siebziger Jahren. „Ich wollte das Abbild eines Dorfes schaffen, das sich auf den Weg in die Zukunft gemacht hat. „Ich wollte keine DDR-Nostalgie. Ich wollte Leute zeigen, die miteinander ein gutes Leben hatten. Auch wenn es einfacher war.“ „Die Menschen sahen zufriedener aus, je älter die Fotos waren“, hat Hans Untersteiner bemerkt.

Vernissage-Podium

Vernissage-Podium: Hans Untersteiner, Fördervereinschef Frank Matthus, Ex-Bürgermeister Ernst Steege, Lutz Kroh, Jürgen Graetz (v. l.).

Quelle: Regine Buddeke

Die Arbeit habe ihn an seine Grenzen gebracht, bekennt Lutz Kroh. „Hans war so begeistert – ich sollte alles und jedes aufnehmen“, erinnert er sich der Fotoalben-Touren. Er habe indes nur die Bestückung einer Kirchenhälfte geschafft. Die andere hat der Dagower Fotograf Jürgen Graetz gestaltet. „Ich finde seine Fotos sehr schön in ihrer Bescheidenheit – unkompliziert und sehr direkt“, lobt Lutz Kroh.

Die Ausstellung ist noch bis zum Ende der Theatersommersaison Ende August zu sehen.

Von Regine Buddeke

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