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Neue Ideen für die Entwicklung Freyensteins

Einwohner sollen befragt werden Neue Ideen für die Entwicklung Freyensteins

Die Entwicklung Freyensteins wurde auf der jüngsten Ortsbeiratssitzung ein weiteres Mal diskutiert. Im ehemaligen Schulgebäude wird beispielsweise gutes Potenzial für ein Altenheim gesehen. Was noch verändert werden müsste, das soll jetzt eine Befragung der Einwohner ans Licht bringen.

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Der ehemalige Center-Kauf spielt bei den Überlegungen zur Stadtentwicklung auch eine zentrale Rolle.

Quelle: Björn Wagener

Freyenstein. Demnächst wird eine Liste in Freyenstein verteilt, in die Einwohner ihre Ideen für die Entwicklung des Wittstocker Ortsteiles eintragen können. Verteilen will sie Andrea Müllenberg, die sich auf der jüngsten Ortsbeiratssitzung am Montagabend entschieden gegen Resignation und Rückzug stemmte, wenn es um die Entwicklung Freyensteins geht. „Jammern nutzt nichts. Wir sollten uns darauf konzentrieren, was wir tun können, nicht darauf, was wir nicht können“, sagte sie. Immer wieder höre sie in Gesprächen mit Einwohnern, dass es viele gute Vorschläge gebe, die es wert seien, zusammengefasst zu werden – deshalb die Ideenliste. Wenn nur eine Idee fruchten würde, wäre es schon ein Gewinn, meinte sie und schlug selbst vor, Hausfassaden in der Marktstraße mit Efeu oder wildem Wein zu begrünen. Eine noch zu gründende Initiativgruppe könne sich darum kümmern.

Andrea Müllenberg regte eine Ideensammlung in Freyenstein an

Andrea Müllenberg regte eine Ideensammlung in Freyenstein an.

Quelle: Björn Wagener

Leerstand, Abwanderung, Überalterung: Ein weiteres Mal ging es am Montagabend im Ortsbeirat darum, was Freyenstein diesen Problemen entgegensetzen könnte. Mit im Boot war diesmal auch Stadtplaner Henrik Michalski, der derzeit der Stadt Wittstock bei der Vorbereitung auf eine mögliche Ausrichtung der Landesgartenschau (Laga) 2019 zur Seite steht und sich vor der Sitzung in Freyenstein vor Ort umsah. Seinen Gesamteindruck beschrieb er mit „Bauchschmerzen und Begeisterung“. Die Sache mit der Ideensammlung fand er „richtig gut“, wandte sich gleichzeitig aber auch gegen vorschnelle Abrisspläne. Vielmehr solle man sich auf noch zu bestimmende Themen wie etwa das Wohnen konzentrieren. Dann müssten die Stärken definiert werden. „Ist das womöglich das Wohnen an der Landschaft, also direkt an der Stadtmauer? Ist das das Wohnen mit eigenem Garten oder auch in einem Fachwerkhaus?“, stellte Michalski in den Raum. Dann müsse man herausfinden, ob es für diese Stärken eine Nachfrage gibt. Wäre das der Fall, müsse man schauen, ob für diesen speziellen Zweck geeignete Immobilien im Ort vorhanden sind, und wenn nicht, ob durch punktuellen Abriss einzelner ruinöser Objekte die gewünschten Voraussetzungen erreicht werden könnten.

Abriss soll das letzte Mittel sein

Abriss sieht Michalski dabei aber nur als letztes Mittel, nämlich dann, wenn damit ein Mehrwert und eine potenzielle Entwicklung verbunden wäre. Denn Freyensteins großes Potenzial sei das geschlossene Stadtbild, die direkt aneinandergereihten Häuser. „Wenn ich mir vorstelle, dass dieses Bild durch Abriss einzelner Häuser durchlöchert würde, dann habe ich da große Bedenken“, meinte er. Grundsätzlich solle die Entwicklung allmählich aus „kleinen Keimzellen“ heraus geschehen. Das sei besser als große und teure Vorhaben anzugehen, die kaum durchsetzbar wären und letztlich nur zu Frustration führten.

Der Wittstocker Stadtplaner Henrik Michalski (Mitte) bei der Ortsbeiratssitzung in Freyenstein

Der Wittstocker Stadtplaner Henrik Michalski (Mitte) bei der Ortsbeiratssitzung in Freyenstein.

Quelle: Björn Wagener

Etwas offener steht Horst Hildebrandt einem möglichen Abriss von Problem-Objekten gegenüber. Er schlug vor, Besitzer solcher Häuser zu fragen, ob sie einen Abriss in Erwägung zögen, um Grundstücke zusammenzulegen und sich so zu „verbreitern“, wenn das denn möglich wäre. Denn schließlich ist beim Flächendenkmal Innenstadt auf jeden Fall der Denkmalschutz mit im Boot. Das brachte Stefan Lischnewski auf die Idee, die Sache andersherum anzugehen, und zwar zunächst mit der Denkmalschutzbehörde zu klären, was in Sachen Abriss und Umbau zugunsten der Stadtentwicklung grundsätzlich möglich wäre. Auch schlug Lischnewski vor, die ehemalige Schule als Gebäude für ein Altenheim anzubieten. Ähnliches war in der Runde zuvor auch für das Haus am Marktplatz angedacht worden, in dem sich bis Ende April der Center-Kauf-Laden befand. Allerdings könnten dort die Platzverhältnisse zu eng sein, hieß es. Die ehemalige Schule hingegen böte Platz genug. Die bisher dort untergebrachten Büros, Sprechzimmer und Vereinsräume hätten auch in der Gebäudezeile am Markt Platz.

Schloss für einen Privatinvestor schmackhaft machen

Grundsätzlich wollen die Freyensteiner künftig mehr auf Privatinitiativen und -investoren setzen. Denn ihnen ist klar, dass die Stadt Wittstock im Freyensteiner Innenstadtbereich keine großen Vorhaben mehr realisieren wird. So könnte sich Horst Hildebrandt auch vorstellen, die bei der Sanierung des Schlosses aus Kostengründen außen vor gelassene Etage einem Privatinvestor schmackhaft zu machen. Möglicherweise könnte dort ein Café oder ähnliches entstehen. Tatsächlich wird das Schloss nach seiner Sanierung künftig ein zentraler Anlaufpunkt in Freyenstein werden. Auch Michalski sieht Potenzial: „Es ist ein Ort, wo ich mich gern hinsetzen und viellelicht ein Buch über Freyenstein kaufen möchte.“ Bodo Hergaß nannte fürs Schloss auch noch weitere Ideen, etwa es als Ort zum Heiraten zu entwickeln oder auch Geisterwanderungen anzubieten.

Da die Ideen und Vorschläge insgesamt als sehr komplex eingeschätzt werden, wurde am Montag in Erwägung gezogen, statt nur einer einzigen Initiativgruppe mehrere kleine und themenbezogene Gruppen auf die Beine zu stellen. Henrik Michalski kündigte an, nach dem Abgabetermin für Wittstocks Laga-Bewerbung am 31. August mit der Arbeit an einem Konzept für Freyenstein beginnen zu wollen.

Von Björn Wagener

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