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Neue Töne in Rheinsberg

Akademie-Chefin stellt sich vor Neue Töne in Rheinsberg

Was nützt es, wenn man die ganze Bühne voller Musiker-Profis hat – und im Saal sitzt kein Publikum? Gar nichts, findet Juliane Wandel, die neue Chefin der Bundes-Musikakademie in Rheinsberg. Sie stellte sich jetzt der Öffentlichkeit vor. Die Neue will eine Akademie für alle.

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Juliane Wandel will eine Musikakademie, die für alle da ist.

Quelle: Reyk Grunow

Rheinsberg. Bildung ist für Juliane Wandel der Schlüssel. „Bildung ist das Wichtigste, was ein Mensch braucht“, findet die neue Leiterin der Musikakademie Rheinsberg. „Wer sich musikalisch bildet, der bildet den ganzen Menschen.“ Davon ist Juliane Wandel zutiefst überzeugt.

Für sie ist die Musikakademie Rheinsberg vor allem eine Bildungseinrichtung. Eine für junge Musiker, die Profis werden wollen. Aber genau so eine für Laien.

Seit Ende Juli leitet die 51-jährige Musikwissenschaftlerin die Bundes- und Landesakademie am Schloss. Beim ersten Amtsstuben-Gespräch in den frisch sanierten Räumen der einstigen Touristinformation am Markt in Rheinsberg hat sie sich jetzt vorgestellt.

Noch ist Juliane Wandel dabei, sich in ihr neues Amt einzuarbeiten. Noch kann sie gar nicht genau sagen, was alles wie weitergehen wird, was bleibt, was sich verändert.

Ihr Vater war ein bekannter Solo-Klarinettist

50 Bewerber gab es, die die Nachfolge von Ulrike Liedtke antreten wollten, nachdem sich die langjährige Leiterin der Musikakademie 2014 für die Arbeit im Landtag entschieden hat. Zehn Bewerber wurden zum Gespräch nach Rheinsberg eingeladen. Schnell sei klar gewesen, dass nur Juliane Wandel für den Posten als künstlerische Leiterin infrage kommt, sagt René Serge Mund, der Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft Musikkultur Rheinsberg, zu der die Kammeroper gehört.

Musik hat Juliane Wandel von klein auf begleitet. Ihr Vater war ein bekannter Solo-Klarinettist. Mit Musik hatte sie so schon als Kind viel Kontakt. Als es darum ging, was sie studieren würde, war die Wahl deshalb klar, sagt die gebürtige Hamburgerin: „Ich kannte gar nichts anders als Musik.“ Nur auf der Bühne sah sie sich selbst eher nicht. Also wurde es Musikwissenschaft, die Theorie zur Musik. Als ihr Professor sie und die vielen anderen Erstsemester mit ihr am ersten Tag im musikalischen Seminar sitzen sah, habe er die Hände über den Kopf zusammengeschlagen. Sein Urteil war ernüchternd: „60 Leute – das sind 60 zu viel.“ Juliane Wandel ließ sich nicht abschrecken.

Schon als Studentin hat sie als Assistentin für das Fernsehen des NDR gearbeitet und war an vielen Filmen über wichtige Musikthemen beteiligt.

Sie hat gelernt, anderen Menschen die Musik zu vermitteln, sie dafür zu begeistern. Lange Zeit war die Geschäftsführerin der Orchesterakademie der Berliner Philharmoniker. Der große Dirigent Herbert von Karajan hat die Orchesterakademie vor 40 Jahren ins Leben gerufen, um jungen, besonders begabten Musiker während ihres Studiums schon die Chance zu geben, mit einem der besten Orchester der Welt zusammenzuarbeiten. Die Orchesterakademie ist eine Mischung aus Bildungseinrichtung und Nachwuchsschmiede für die Berliner Philharmoniker.

Sie musste Geld auftreiben für die musikalische Arbeit

Auch in Berlin hatte Juliane Wandel schon mit einem Problem zu kämpfen, das sie auch weiter bewegen wird: Sie musste Geld auftreiben für die musikalische Arbeit. Förderer und Sponsoren zu finden sieht sie als eine der besonderen Herausforderungen für die Kultur – eine, die noch größer werden wird, je mehr Menschen von Kultur leben wollen.

Bund, Land, Kreis und Stadt geben Geld für die Einrichtung in Rheinsberg. Trotzdem reicht es hinten und vorne nicht. In den vergangenen Jahren hat die Musikakademie immer versucht, zu Ostern eine alte, vergesse Oper wieder auf die Bühne zu bringen. „Wir werden es versuchen“, sagt Juliane Wandel. „Aber wir werden nichts tun, was uns verschuldet.“

Ob das Konzept der Osteropern fortgeführt werden kann, ist offen. In diesem Jahr gab es keine und auch 2016 wird es keine geben, sagt Brigitte Kruse, die die Musikakademie in der Zeit zwischen dem Weggang von Ulrike Liedtke und Juliane Wandels Antritt souverän geleitet hat. Wenigstens 100 000 bis 150 000 Euro hat die Akademie in den vergangenen Jahren für jede Opernproduktion ausgegeben. Das ging aber nur, weil zum einen der Bund das Projekt gefördert hat und zum anderen viele Musiker mit Mini-Honoraren einverstanden waren. Bei einer angemessenen Bezahlung hätte die Oper wohl eher 200 000 Euro gekostet.

Die Arbeit in der Region ist Juliane Wandel sehr wichtig

Der Bund hat seine Förderung für dieses Projekt 2013 eingestellt. Die Musikakademie könnte die Reihe trotzdem mit aller Kraft fortsetzen. „Aber dann fehlt uns das Geld für den Rest des Jahres“, sagt Brigitte Kruse. Da scheinen andere Projekte doch wichtiger.

Im nächstem Jahr soll es stattdessen ein Oster-Musik-Erkundungsprojekt für die ganze Familie geben. Etwas, das jeden mit Musik in Kontakt bringt, egal ob er sich damit schon beschäftigt hat oder überhaupt noch nicht.

Ohnehin sieht Juliane Wandel die Aufgabe der Musikakademie so: Sie soll für alle da sein. Die Arbeit in der Region ist Juliane Wandel sehr wichtig. „Das gehört ganz klar zu unserem Auftrag“, sagt sie. Die Musikakademie will auch weiterhin Ensembles und Chören die Gelegenheit geben, mit exzellenten Musikern aus ganz Deutschland ausführlich, konzentriert und in Ruhe zu arbeiten. Sie ist aber auch ein Ort, an dem Menschen die Musik von Grund auf kennenlernen können. Wem hilft es, wenn alle beschließen, Profis zu werden und auf der Bühne zu stehen? Sie brauchen schließlich auch ein Publikum. Eines, das ihre Arbeit wertschätzen und nachvollziehen kann, sagt Juliane Wandel: „Das ist unsere Auftrag und das ist auch das Schöne an unserer Arbeit: da zu sein für alle Repertoires, alle Stufen und alle Generationen.“

Von Reyk Grunow

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