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Ostprignitz-Ruppin Neuer Anlauf für Thermalsohle
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuer Anlauf für Thermalsohle
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00:18 30.07.2016
Rheinsbergs Stadtwerkechef Klaus-Jürgen Siehl geht am 1. August in den Ruhestand. Quelle: Andreas Vogel
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Rheinsberg

Die Stadt Rheinsberg unternimmt einen neuen Anlauf, um zu prüfen, ob und wie die Thermalsohle in Rhinhöhe wirtschaftlich genutzt werden kann. Immerhin befindet sich dort in gut 1700 Metern Tiefe 160 Millionen Jahre altes Wasser, das 66,5 Grad warm ist. „Mittelfristig“ könnte man damit etwas machen, sagte Klaus-Jürgen Siehl, Chef der Stadtwerke Rheinsberg, am Mittwoch. Die Stadt rechnet laut Vize-Bürgermeister Andreas Neubert noch in diesem Jahr mit der Vorlage eines Konzeptes. Dieses wird Siehl allerdings nicht mehr als Geschäftsführer der Stadtwerke begleiten können: Der gebürtige Cottbusser, der in Velten aufgewachsen und in Hennigsdorf zur Schule gegangen ist, hat am Freitag seinen letzten Arbeitstag. Am Montag, 1. August, wechselt der 64-Jährige in den Ruhestand.

Fast 14 Jahre im KKW Rheinsberg gearbeitet

Siehl hat in Hennigsdorf Lok- und Elektromontagebauer gelernt, bevor er in Leipzig technische Kybernetik studierte. In Berlin projektierte er danach mit drei Kollegen drei Jahre lang Kohlekraftwerke und auch das geplante Kernkraftwerk in Stendal. „Es war eine sehr schöne Zeit.“ Wohl auch, weil er damals seine Frau in Dorf Zechlin kennenlernte. Der Liebe wegen fing Siehl im Kernkraftwerk (KKW) in Rheinsberg an zu arbeiten und war dort für die Regelungstechnik zuständig. „Erst war ich nicht begeistert“, bekennt Siehl. Doch die Atmosphäre unter den rund 700 Mitarbeitern im KKW stimmte. „Wir waren eine dufte Truppe und sind sehr harmonisch miteinander umgegangen.“ Das galt ebenfalls für Probleme. „Wenn ein Fehler vorlag, haben wir so lange gearbeitet, bis dieser behoben war.“

Knapp 14 Jahre arbeitete Siehl im KKW Rheinsberg, bevor er nach dessen Stilllegung im April 1992 der erste Chef der Rheinsberger Stadtwerke wurde. Diese versorgen inzwischen rund 80 Prozent der Rheinsberger Haushalte mit Fernwärme, darunter auch die meisten Hotels und öffentlichen Einrichtungen. Ziel der Stadtwerke war von Anfang an, sinnvoll und schonend mit der Energie umzugehen. „Man sollte nur so viel Energie produzieren, wie benötigt wird“, betont Siehl. Schon weil jede Umwandlung Verluste mit sich bringt.

Rheinsberger Stadtwerke setzen auf Holzhackschnitzel

Die Rheinsberger Stadtwerke setzen auf nachwachsende Brennstoffe. Nur zehn Prozent der Energie erzeugen sie mit Hilfe von Erdgas, 90 Prozent durch das Verbrennen von Holzhackschnitzeln. Für Siehl ist das das Normalste der Welt. „Wir wohnen im Wald, und unsere zehn Lieferanten kommen aus der Region.“ Das biete Stabilität und Versorgungssicherheit. Natürlich müssten der Preis und die Qualität der Holzhackschnitzel stimmen. Das scheint zu gelingen: Der Netto-Preis für die Kilowattstunde liegt bei zehn Cent und damit unter dem Durchschnittspreis in Ostdeutschland, so Siehl.

Der Wärmebedarf je Quadratmeter sinkt

Für den Vater eines erwachsenen Sohnes und zweifachen Opa zählt aber noch ein anderes Kriterium, der Verbrauch. Schließlich entscheidet auch dieser mit darüber, wie viel Geld die Fernwärmekunden bezahlen. 2015 lag der durchschnittliche Wärmebedarf in Rheinsberg bei 100 Kilowattstunden je Quadratmeter, in Deutschland lag dieser Wert bei durchschnittlich 120 Kilowattstunde pro Quadratmeter. Der niedrige Wert in Rheinsberg hat nicht allein mit der modernen Technik zu tun, auf die die Stadtwerke setzen. Vielmehr sind inzwischen die meisten Häuser wesentlich besser gedämmt als vor ein paar Jahren. So liegt der durchschnittliche Wärmebedarf bei Häusern, die zwischen 1946 und 1970 entstanden, bei 335 Kilowattstunden je Quadratmeter. Häuser, die zwischen 1986 und 1990 gebaut wurden, haben nur noch einen Wärmebedarf von 150 Kilowattstunden je Quadratmeter.

Vorfreude auf einen Winterurlaub

Siehl freut sich schon auf seinen Ruhestand. Er kann sich dann mehr um seine Aquarien und sein Motorrad, eine Ducati, kümmern – und er hofft auf einen Winterurlaub in den Bergen mit Schnee. Das war ihm in den vergangenen 24 Jahren nicht vergönnt. Grund: Das Gros der insgesamt zehn Stadtwerkemitarbeiter hat zwischen Oktober und April stets Urlaubssperre, um bei Problemen schnell helfen zu können.

Nachfolgerin von Siehl wird übrigens Ute Auricht. Sie arbeitet seit 1994 bei den Stadtwerken.

Von Andreas Vogel

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