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Neuer Nutzer fürs Schloss Bantikow

Kinderpflegeeinrichtung geplant Neuer Nutzer fürs Schloss Bantikow

Das Schlosshotel Bantikow ist Geschichte. Demnächst übernimmt ein neuer Betreiber das Gebäude am Untersee: das Elisabeth-Stift. Die Rede ist von einer Betreuungseinrichtung für Kinder und Jugendliche. Weil die Dorfbewohner alle Pläne nur vom Hörensagen kennen, wird ihr Ruf nach mehr Informationen lauter.

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Der markante Mittelrisalit prägt die Fassade des Bantikower Schlosses.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Bantikow. Das als Schloss Bantikow bekannte und von 1905 bis 1906 errichtete Gutshaus in der Dorfstraße des Ortes bekommt neue Nutzer. Kurt Glass, Inhaber des noch bis zum Sommer geöffneten „Schlosshotel“, überlässt den Großteil der Immobilie einem anderen Betreiber. Es ist der Teil mit dem prächtigen Gebäude in Seenähe, der einladenden Grünfläche davor und einigen Skulpturen. „Wir sind nur Mieter“, sagt Helmut Wegner, Geschäftsführer des Elisabeth-Stifts, „allerdings auf unbegrenzte Zeit“.

Kurt Glass, über 80 Jahre alt und erfolgreicher Unternehmer in der Prignitz, äußert sich zum Wechsel nur spärlich. Er habe kein Interesse, sich in diesem Fall an die Öffentlichkeit zu wenden, sei sich aber sicher, sein Eigentum Leuten anvertraut zu haben, die „eine sehr ordentliche Arbeit mit jungen Menschen machen“.

Der Abschied von Bantikow und den Wellnessangeboten habe keine wirtschaftlichen Gründe. „Das Hotel lief gut. Ich habe aber noch etliche andere Aufgaben, die mich stark in Anspruch nehmen“, sagt der Senior. Er verweist auch auf sein Alter.

Immobilie war bereits vor drei Jahren zum Verkauf ausgeschrieben

Die Immobilie schrieb Glass bereits vor gut drei Jahren zum Verkauf aus zu einem Preis zwischen einer Million und eineinhalb Millionen Euro. Insgesamt sollte es dafür 31 Zimmer geben, verteilt über zwei Etagen mit einer Wohnfläche von mehr als 1000 Quadratmetern auf einem 6000 Quadratmeter großen Grundstück in bester Seelage. Mit Steg, versteht sich. Glass glaubte seinerzeit noch an eine Zukunft als Schlosshotel auch nach einem Besitzerwechsel (die MAZ berichtete).

Nun zieht das Elisabeth-Stift ein. Es ist Mitglied im Diakonischen Werk und betreibt Einrichtungen in Berlin sowie in den brandenburgischen Landkreisen Märkisch-Oderland, Oberhavel und demnächst eben auch im Ostprignitz-Ruppiner Bantikow. Auf seiner Internetseite und in Zeitungsanzeigen sind Stellenausschreibungen geschaltet. So werden „zum August eine Bereichsleitung für den Aufbau eines neuen Bereiches in der Ostprignitz/Bantikow und mehrere Erzieher/innen für jeweils eine Wohngruppe mit neun Jugendlichen“ gesucht.

Umbau im Inneren geplant

Drei solcher Gruppen könnte es geben. Auf diese Zahl ausgerichtet ist ein notwendiger Umbau im Innern des denkmalgeschützten Gebäudes. Dabei kommt alles raus, was gegenwärtig noch mit Wellness zu tun hat. Einzurichten sind stattdessen Ein- und Zweibettzimmer, Verwaltungs- und Aufenthaltsräume. Je nach Alter besuchen die Mädchen und Jungen die Schulen beziehungsweise Kindertagesstätten in der Region, vorwiegend wohl in Wusterhausen und Kyritz.

Beim Zeitplan für den Neuanfang im Schloss legt sich Helmut Wegner nicht fest. „Alles hängt davon ab, ob wir bis zum Frühherbst baulich fertig sind, über das notwendige Fachpersonal verfügen und vom Jugendamt des Landkreises in Neuruppin Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren zugewiesen bekommen“, sagt der Geschäftsführer. „Bei den Schützlingen des Elisabeth-Stifts handelt es sich um Kinder und Jugendliche, deren Eltern nicht in der Lage sind, ihren Erziehungsauftrag zu erfüllen“, erläutert Helmut Wegner, um festzustellen: „Wir sind keine Spezialeinrichtung für auffällig gewordenes Klientel.“

Teenager und Jugendliche bilden die Zielgruppe

In einer Stellenausschreibung heißt es dazu weiterhin: „Die Zielgruppen dieses Jugendhilfeangebotes sind Teenager und Jugendliche, gegebenenfalls auch unbegleitete, minderjährige Ausländer aus Flüchtlings- und Krisengebieten, die Hilfe zur Erziehung benötigen und die sich im Übergang von Schule in Beruf befinden. Wir wollen sie in der Vorbereitung auf ein selbstständiges Leben gezielt fördern und begleiten und mit ihnen gemeinsam sinnvolle Perspektiven entwickeln.“ Die Betreuung erfolgt im Schichtdienst rund um die Uhr.

Unterdessen sprach sich im Dorf schon herum, dass es im Schloss bald zu Neuerungen kommt. Aufgrund der Tragweite wird der Ruf nach einer Einwohnerversammlung laut. Der Betreiber solle sein Vorhaben erläutern. Auch Bantikows Ortsvorsteher Nico Alwin hörte von den Plänen, wusste bislang jedoch nicht, wie weit sie schon gediehen sind. Wie er auf Nachfrage erklärt, wäre eine Versammlung auch in seinem Sinne.

Eines der ältesten Kinderheime Berlins

Das Elisabeth-Stift ist eine Kinder- und Jugendeinrichtung in Berlin-Brandenburg mit ambulanten, teilstationären und stationären Angeboten zur Hilfe zur Erziehung.

Gegründet 1826, ist es eines der ältesten Kinderheime Berlins, aktuell mit 168 Plätzen für Kinder und Jugendliche von 0 bis 18 Jahren in verschiedensten Wohnformen und in zwei Tagesgruppen sowie einer Mutter-Kind-Gruppe. Es ist Träger der Elisabethstift-Schule, von zwei Kindertagesstätten und der Familienfarm Lübars. Das Stift hat derzeit etwa 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in verschiedensten Professionen.

Der Hauptsitz befindet sich in Berlin-Hermsdorf. Außenstellen arbeiten in verschiedenen Berliner Stadtbezirken sowie in Brandenburg.

Schloss Bantikow entstand anstelle eines der alten Rittersitze in neubarocker Form in den Baujahren 1905/06. Es ist denkmalgeschützt. Seit den 1950er Jahren und bis 1990 unterhielt darin die LDPD der DDR ihre zentrale Parteischule. 1991 übernahm die Bundesanstalt für Arbeit das Gebäude und nutzte es bis 1999 als Ausbildungsstätte. Danach kaufte es der Unternehmer Kurt Glass aus Sigrön bei Bad Wilsnack und baute es zum Wellness-Schlosshotel um.

Von Wolfgang Hörmann

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