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Neuer Stadtschreiber arbeitet an Libretto

Rheinsberg Neuer Stadtschreiber arbeitet an Libretto

Schriftsteller Christoph Klimke arbeitet meist an mehreren Werken gleichzeitig. Zurzeit arbeitet er an einer Novelle, einem Theaterstück und einem Libretto für eine Tucholsky-Oper – der 56-jährige Berliner ist der neue Stadtschreiber von Rheinsberg.

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Nicht ohne meine Pfoten: Christoph Klimke hat seine Hündin mit nach Rheinsberg gebracht.

Quelle: Frauke Herweg

Rheinsberg. Als Christoph Klimke die Tür öffnet, bellt in der Etage über ihm ein Hund. Vor einigen Jahren hatte der Schriftsteller eine kleine Hündin aus Malaga mitgebracht. Seitdem begleitet ihn das sandfarben-schwarz gestromte Tier. Auch in die Rheinsberger Stadtschreiberwohnung kam die Hündin mit.

Vor zwei Wochen hatte der 56-Jährige dort sein Quartier aufgeschlagen. Viel Zeit, in Rheinsberg zu arbeiten, hatte der Berliner bislang nicht. Erst im Mai hatte er das Angebot bekommen, für ein halbes Jahr in die Prinzenstadt zu kommen. Eine Menge Termine waren da bereits gemacht. Kein Drama, findet Klimke. Der Vielbeschäftigte arbeitet auch im Zug.

Klimke arbeitet an einem Libretto für eine Tucholsky-Oper

Klimke steht ein wenig unter Druck. Er arbeitet nicht nur an einer Novelle und einem Auftragsstück für das Theater. Zugleich will er auch das Libretto für eine Tucholsky-Oper schreiben, die im kommenden Jahr an der Rheinsberger Kammeroper uraufgeführt werden soll. „Es eilt ein bisschen“, sagt Klimke. Anfang des Jahres muss die Oper fertig geschrieben sein. Zuvor allerdings braucht Komponist James Reynolds das Libretto.

Schon einmal – im Fürst-Pückler-Jubiläumsjahr 2010 – hatten Klimke und Reynolds zusammengearbeitet und gemeinsam mit Johann Kresnik in Cottbus „Fürst Pückler Utopia“ auf die Bühne gebracht. Über die neue Zusammenarbeit haben Klimke und der amerikanische Komponist bereits mehrfach gesprochen. „Es soll eine Oper voller Überraschungen werden“, sagt Klimke. „Nicht so die typische deutsche Traueroper über die Nazizeit.“

Tucholskys politische Haltung, seine Lieben, die Zeitgeschichte – all das will Klimke in der Oper verhandeln. „Ganz viel O-Ton Tucholsky“ soll zu hören sein. Klimke ist vor allem von dem politischen Autor Tucholsky begeistert. „Wenn man nicht wüsste, dass der Text von Tucholsky ist, könnte man einen Text von ihm auch als einen heutigen lesen“, sagt er. „Wie der Kapitalismus uns aufgefressen hat – das hat er damals eigentlich schon beschrieben.“

Der Stadtschreiber mag das Geklapper von Schreibmaschinen

Tippen wird Klimke das Libretto auf einer Schreibmaschine. „Papier ist einfach ein so wunderschöner Stoff“, sagt er. „Außerdem finde ich das Geklapper der Maschine so sympathisch.“ Dass er die Texte korrigieren und möglicherweise immer wieder abschreiben muss, stört ihn nicht. Im Gegenteil. „Dieses Widerständige gefällt mir.“ Für die Arbeit selbst sei das mehrfache Abschreiben vielleicht sogar gut. „Die Fehler sehen einen an“, sagt Klimke mit selbstironischem Grinsen.

Klimke ist ein angenehmer, ein humorvoller Gesprächspartner. Und vermutlich ein Fleißarbeiter. Neben zahlreichen Essays und Gedichten schrieb er Theaterstücke und immer wieder Libretti. Zuletzt hatte er für die Johannes-Kalitzke-Oper „Pym“ – ein Werk nach einem Roman von Edgar Allan Poe – ein Libretto geschrieben. Aus etwa 500 Seiten Roman wurden 28 Seiten Operntext. Die Arbeit an einem Libretto – das sei vor allem „Komprimieren“, sagt Klimke. „Das ist noch viel komprimierter als ein Theaterstück.“

Der 56-Jährige hat mehrere Arbeiten über Pasolini veröffentlicht

Mehrfach hat Klimke zudem Arbeiten über den italienischen Filmregisseur Pier Paolo Pasolini veröffentlicht. In der Abizeit hatte er die „Freibeuterschriften“ des Filmemachers und Schriftstellers entdeckt. Eine Weile lebte er in Rom in einem Zirkel alter Pasolinifreunde. Wie an Tucholsky auch faszinierte ihn das Vielschichtige, das Hochpolitische seines Werkes. „Pasolini war in seinen künstlerischen und politischen Arbeiten fast visionär“, sagt Klimke. Schon in den frühen 70er-Jahren habe Pasolini die Vernichtung der Natur, die Entwertung einer Welt, die nur noch konsumiert, und große Fluchtbewegungen vorausgesehen. „Das sind Themen, die sich heute bewahrheiten“, sagt Klimke. Ihm gefällt, dass Pasolinis Radikalität und seine Kompromisslosigkeit provozieren. „Man muss sich verhalten.“

Ende August will Klimke eine erste Fassung für sein Tucholsky-Libretto vorlegen können. Viel Zeit, Rheinsberg zu erkunden wird er nicht haben. Muss er auch nicht. Er ist bereits viele Male in der Prinzenstadt gewesen. Ein befreundeter Komponist hat eine Datsche am Grienericksee und hat Klimke des Öfteren schon nach Rheinsberg eingeladen.

Klimke schätzt die melancholische Stimmung im winterlichen Rheinsberg. An Entdeckungstouren jedoch ist ihm nicht gelegen. „Ich bin ein schlechter Tourist“, sagt er. Lieber macht er die „Türen einfach zu“. Und arbeitet.

Von Frauke Herweg

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