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Neuer Vorstand sichert Gruppenexistenz

Wittstock Neuer Vorstand sichert Gruppenexistenz

Nach einer Krebserkrankung ändert sich vieles im Leben – schön, wenn man darüber mit Gleichgesinnten sprechen kann. In der Selbsthilfegruppe nach Krebs in Wittstock können das betroffene Frauen jeden Monat. Doch der Gruppe hätte beinahe das Aus gedroht, wenn sie kein neues drittes Vorstandsmitglied gefunden hätte. Bei der Vorstandswahl gab es aber Erleichterung.

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Annelie Blocksdorf (v. l.) gehört neben Elsbeth Fröhlich und Christa Müller nun dem Vorstand an.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Vier Jahre lang haben Elsbeth Fröhlich, Christa Müller und Lilli Bünger als Vorstand der Frauenselbsthilfegruppe nach Krebs Veranstaltungen organisiert, Abrechnungen gemacht und den Mitgliedern immer mit einem offenen Ohr zur Seite gestanden. Nun musste ein neuer Vorstand gewählt werden – ohne Lilli Bünger. Sie steht aus persönlichen Gründen für die Aufgabe als stellvertretende Gruppenvorsitzende nicht mehr zur Verfügung.

Ein Problem, denn laut Satzung des Landesverbands, dem die Gruppe seit fast 20 Jahren angehört, benötigt sie drei Vorstandsmitglieder. Und die dürften auch nicht älter als 70 Jahre alt sein. „Wir hatten schon eine Sondergenehmigung eingeholt, dass Christa Müller im Vorstand bleiben darf“, informiert Elsbeth Fröhlich. Die werde nämlich bald 70.

Lilli Bünger (r) erhielt für ihre Arbeit ein kleines Dankeschön

Lilli Bünger (r.) erhielt für ihre Arbeit ein kleines Dankeschön.

Quelle: Christian Bark

Bei Elsbeth Fröhlich ist es in vier Jahren soweit. Sie verweist darauf, dass sich in Brandenburg schon einige Selbsthilfegruppen hätten auflösen müssen. Entweder, weil Vorstandswillige zu alt gewesen seien oder weil sich kein Interessent gefunden hätte. „Glücklicherweise lockern sich die Regeln allmählich“, sagt Elsbeth Fröhlich. Denn die Jüngeren hätten oft beruflich noch viel zu tun und wenn 70-Jährige noch fit wären, könnten sie die Aufgaben doch gut übernehmen.

Probleme mit dem Alter hatte es in der Wittstocker Gruppe nicht gegeben, eher mit der Bereitschaft, den zweiten Vorsitz zu übernehmen. Weil der Gruppe satzungsgemäß der Ausschluss aus dem Landesverband gedroht hätte, waren die Mitglieder bei ihrer Versammlung am Mittwoch auch besonders erleichtert, dass sich eine Mutige gefunden hatte. Annelie Blocksdorf sowie Elsbeth Fröhlich und Christa Müller wurden einstimmig zum neuen Vorstandsteam gewählt.

Mehr als nur Gespräche über die Krankheit

1993 wurde die Selbsthilfegruppe in Wittstock gegründet. 1998 trat sie dem „Landesverband Frauenselbsthilfe nach Krebs“ Berlin-Brandenburg bei. Damit ist Wittstock eine von 17 Gruppen im Landesverband.

25 Mitglieder , ausschließlich Frauen, zählt die Selbsthilfegruppe in Wittstock. Die Frauen hatten und haben alle mit einer Krebserkrankung zu kämpfen. In der Gruppe können sie sich unter Gleichgesinnten austauschen und gemeinsam Spaß haben. Sie treffen sich in der Regel jeden zweiten Mittwochnachmittag im Monat.

Neben dem Konferenzraum im KMG-Klinikum der Dossestadt finden die Treffen auch außerhalb, zum Beispiel bei Exkursionen oder Kulturveranstaltungen, statt. So gibt es regelmäßig medizinische Fachvorträge, aber auch Kinobesuche oder Spaziergänge.

Im Mai wird es einen Vortrag über Naturheilkunde geben. Im September ist ein Erlebnisspaziergang durch das Viertel Röbeler Vorstadt mit anschließender Überraschung und im Oktober eine Pilzsammlung im Wald geplant. Im November wird Internist Ronald Schäfer in der Gruppe über Krebsvorsorge sprechen.

Vor drei Jahren war Annelie Blocksdorf der Gruppe beigetreten. „Ich hatte 2012 Brustkrebs, über eine Broschüre habe ich erfahren, dass es die Gruppe gibt“, sagt die 66-Jährige. Sozialer Halt sei nach einer solchen Erkrankung wichtig für die Betroffenen. In einer Selbsthilfegruppe unter Gleichgesinnten könne man über die Krankheit und das Erlebte viel freier sprechen als mit Freuden und Bekannten. Darüber hinaus entwickelten sich in einer solchen Schicksalsgemeinschaft auch Freundschaften und eine Ablenkung von den Alltagsproblemen. Denn, so sagt Elsbeth Fröhlich: „Wir sprechen nicht nur über Krankheiten, sondern auch über das Schöne im Leben.“ Und daraus könne Annelie Blocksdorf Kraft ziehen, wie sie sagt.

Neues Vorstandsmitglied hat Pläne für die Zukunft

Als sie mitbekommen hatte, dass die Gruppe ohne drittes Vorstandsmitglied nicht fortbestehen könnte, hatte sie sich die 66-Jährige dazu bereit erklärt, den Posten zu übernehmen. Zudem habe sie so eine Aufgabe gebraucht, wie sie sagt. „Besser, als zu Hause auf der Couch zu verkümmern“, so die pensionierte Köchin. Als solche kann sich Annelie Blocksdorf auch gut ein gemeinsames Kochen mit der Gruppe vorstellen. Ansonsten steht ein Grillabend im Garten ganz oben auf ihrem Plan. Was auf sie als zweite Vorsitzende sonst noch zukommt, darüber will sie sich von ihren zwei Mitvorständlern informieren und einarbeiten lassen.

Zusammengeknotete Tücher symbolisierten den Zusammenhalt in der Gruppe

Zusammengeknotete Tücher symbolisierten den Zusammenhalt in der Gruppe.

Quelle: Christian Bark

Glückwünsche für den neuen und den alten Vorstand gab es am Mittwoch auch von Marianne Link. Sie ist Vorstandsmitglied im Landesverband und von diesem überbrachte sie die besten Grüße. „Schön, dass sich ein neuer Vorstand gefunden hat“, sagte sie. Andere Gruppen seien an dieser Herausforderung gescheitert. Insgesamt hat der Landesvorstand 17 Gruppen im Blick, wie Marianne Link sagt. Die Wittstocker beobachte und unterstütze sie besonders gern, weil dort ein „wunderschönes Gruppenleben“ herrsche. Den alten Vorstand lobte Link mit den Worten: „Ihr habt bewiesen, mit wie viel Herz man sich für seine Mitmenschen einsetzen kann.“ Der Dank ging auch an Lilli Bünger, die diesen an die Gruppenmitglieder weitergab. „Danke, dass ihr mich gehen lasst, obwohl ich bleibe“, sagte sie. Andere Mitglieder konnten im vergangenen Jahr nicht bleiben. So gedachte die Gruppe während des Treffens der zuletzt gestorbenen Mitglieder mit einer Schweigeminute und einer Kerze.

„Das gehört leider zum Leben dazu“, sagte Elsbeth Fröhlich. Wichtig sei, dass trotz Krankheit immer die Lebensfreude in der Gruppe die Oberhand gewinne. Zum Beispiel in komischen Momenten, wie bei der geplanten Pilzsammlung im vergangenen September. „Pilze waren keine zu finden, da haben wir Eierlauf gemacht“, erinnerte sie sich amüsiert. Für dieses Jahr hofft sie aber auf Pilze – der Waldausflug ist für Oktober geplant.

Von Christian Bark

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