Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 10 ° wolkig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Neuer Wanderweg in die Kyritz-Ruppiner Heide

Rossow Neuer Wanderweg in die Kyritz-Ruppiner Heide

Zur offiziellen Freigabe eines zweiten Wanderweges in die Kyritz-Ruppiner Heide sind am Freitag knapp 100 Wanderer nach Rossow gekommen. Er komplettiert den Weg, der genau vor einem Jahr in Pfalzheim eröffnet wurde. Damit kann die Heide nun auf 13 Kilometern erkundet werden. Ansonsten ist das Gebiet wegen unzähliger Blindgänger weiter gesperrt.

Voriger Artikel
ARD-Literaturexperte plaudert über Bücher
Nächster Artikel
Exklusiver Blick in die Fahrräder-Ausstellung

Mario Schrumpf, Hannes Petrischak und Landrat Ralf Reinhardt (v. l.) öffneten gestern die Schranke in die Heide.

Quelle: Andreas Vogel

Rossow. Nun ist der sechs Kilometer lange Wanderweg von Rossow zum sogenannten Sielmannhügel in die Kyritz-Ruppiner Heide auch offiziell frei gegeben: Gemeinsam mit Mario Schrumpf, dem Leiter des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land, und dem Naturschutzexperten Hannes Petrischak von der Heinz-Sielmann-Stiftung öffnete am Freitag Landrat Ralf Reinhardt  (SPD) die Schranke in die Heide – zur Freude der knapp 100 Wanderer. Sie hatten sich auch durch die Hitze und den rund zwei Kilometer langen Sandweg nicht abhalten lassen, die Heide zu erkunden.

Der rund zwei Kilometer lange Weg von Rossow zur Heide soll noch hergerichtet werden

Der rund zwei Kilometer lange Weg von Rossow zur Heide soll noch hergerichtet werden. Geplant sind dabei auch Bäume, die Schatten für die Wanderer spenden.

Quelle: Andreas Vogel

„Wir wollen die größte Heidelandschaft Deutschlands noch mehr in die Öffentlichkeit rücken“, sagte Reinhardt. Das ist wohl auch dringend notwendig. Laut dem Biologen Petrischak sind große, unzerschnittene Naturräume wie die rund 12 000 Hektar große Heide enorm wichtig für den Erhalt vieler Arten. Demnach gibt es seit den 1980er-Jahren allein in Deutschland rund 80 Prozent weniger Insekten. Die Folge ist ein massiver Rückgang in der Vogelwelt. Das betrifft nicht allein Deutschland. Laut einer Studie der Bundesregierung ist die Zahl der Brutpaare in der Europäischen Union (EU) zwischen 1980 und 2010 um 300 Millionen zurückgegangen, das ist ein Minus von 57 Prozent.

In der Heide, die von 1952 bis 1993 von der sowjetischen Armee für Panzerschießübungen und dem Trainieren von Bombenabwürfen aus der Luft genutzt wurde und sich seitdem zu einer Art Paradies für die Pflanzen- und Tierwelt entwickelt hat, fühlen sich viele Tiere wohl. Dazu gehört der Ziegenmelker. Rund 500 Brutpaare gibt es von dem drosselgroßen Vogel, der dämmerungs- und nachtaktiv ist und sich vornehmlich von schwärmenden Insekten wie Schmetterlingen ernährt, auf dem einstigen Bombodrom. Das ist die größte Population in Deutschland. Seinen eigentümlichen Namen verdankt der Vogel der irrigen Annahme, dass er nachts an den Eutern von Ziegen saugen würde.

Im vergangenen Jahr wurden 2000 Besucher gezählt

Das Interesse an einem Ausflug in die Heide ist schon jetzt groß. So wurden im vergangenen Jahr, als der Wanderweg von Pfalzheim zum Sielmannshügel eröffnet wurde, bei geführten Touren gut 2000 Besucher gezählt. Hinzu kommen die Wanderer, die sich ohne einen Landschafts- und Naturführer in der Heide umgesehen haben. Das geht allerdings nur auf den jetzt zwei eigens ausgeschilderten Wegen. Allein diese sind intensiv nach Blindgängern abgesucht worden. Abseits dieser Wege können indes weiterhin scharfe Bomben, Granaten und Minen in der Erde liegen.

Gleichwohl hoffen der Landkreis und die Sielmannstiftung, dass das Interesse für die Heide zwischen Kyritz, Wittstock und Rheinsberg steigen wird. Immerhin soll auf dem Sielmannshügel ein 15 Meter hoher Aussichtsturm entstehen, von dem Besucher eine weite Sicht auf die Landschaft haben werden. Landrat Reinhardt ging am Freitag davon aus, dass die Arbeiten für den Turm spätestens im nächsten Jahr beginnen werden. Mit etwas Glück könnte der Turm sogar im Herbst 2018 schon fertig sein. „Wir hoffen, dass das Land den Fördermittelantrag schnell bewilligt“, so Reinhardt.

Auch an den jahrelange Kampf gegen eine weitere militärische Nutzung der Heide durch die Bundeswehr wurde am Freitag erinnert

Auch an den jahrelange Kampf gegen eine weitere militärische Nutzung der Heide durch die Bundeswehr wurde am Freitag erinnert.

Quelle: Andreas Vogel

Darauf setzt ebenfalls Nicole Rösler, die Ortsvorsteherin von Rossow. „Viele Rossower hatten hier Ländereien. Sie sind neugierig und wollen wissen, wie sich das Gebiet entwickelt hat“, sagte die ausgebildete Natur- und Landschaftsführerin. Dank einer Ausnahmegenehmigung haben gut 50 Rossower schon im vergangenen Jahr einen ersten Ausflug in die Heide machen dürfen. Die Kutschtour kam so gut an, dass sie in diesem Jahr wiederholt werden soll, und zwar Anfang September. Zuvor will die Sielmannstiftung noch zweimal in die Heide einladen: am 11. Juni zu einem sogenannten Familiensonntag auf dem Sielmannhügel und im August zu einer Sternschnuppennacht.

Von Andreas Vogel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg