Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin Neues Angebot für Analphabeten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neues Angebot für Analphabeten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:28 14.09.2017
Iris Spad (l.), Leiterin des Grundbildungszentrums in Neuruppin, bedankt sich bei Sibylle Redlich mit einem Buch. Quelle: Andreas Vogel
Anzeige
Neuruppin

Wie viele Erwachsene es in Ostprignitz-Ruppin gibt, die nicht richtig lesen, rechnen und schreiben können, das weiß niemand so genau. Fachleute schätzen, dass bundesweit etwa 7,5 Millionen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren leben, die davon betroffen sind. Runtergerechnet auf den Landkreis wären das mehr als 9000 Frauen und Männer, sagt Iris Spad. Sie ist Projektleiterin des neu gegründeten Regionalen Grundbildungszentrums, das bei der Kreisvolkshochschule angesiedelt ist und das diesen Erwachsenen helfen will, durch das Lernen von Lesen, Rechnen und Schreiben ihr Leben besser gestalten zu können.

Für viele ist schon die Sprache eine Barriere

Dass das keine leichte Aufgabe ist, machte am Mittwoch Carsten Ablaß klar, als das neue Projekt in Neuruppin vorgestellt wurde. Ablaß leitet seit zwei Jahren das Grundbildungszentrum in der Uckermark. Dort gibt es, geschätzt, 12 000 Betroffene. Zwölf Teilnehmer nahmen 2015 an den zwei Kursen teil, um vor allem richtig Lesen und Schreiben zu lernen. Ende dieses Jahres werden es wohl 40 Teilnehmer sein, hofft Ablaß. „Jeder Kontakt ist mühsam.“ Haben sich doch die meisten damit abgefunden und ihr Leben darauf eingestellt, dass sie Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben. Warum sollten sie also diese Schwächen einem Fremden offenbaren? Hinzu kommt, dass „für viele schon die Sprache eine Barriere“ darstelle, sagte Ablaß. In der uckermärkischen Kreisstadt Prenzlau wurde deshalb ein Lerncafé eingerichtet, in dem jeder zweimal in der Woche für je drei Stunden mit Hilfe spezieller Programme seine Lese- und Schreibfähigkeiten trainieren kann. Zwei Drittel der Besucher waren bisher Flüchtlinge sowie Menschen, die in Deutschland leben, aber aus Polen oder der Ukraine stammen und ihre Deutschkenntnisse verbessern wollen. Ein Drittel der Hilfesuchenden sind auch gebürtige Deutsche.

Alphabetisierung braucht viel Zeit

Sibylle Redlich gehört dazu. Sie hat in der Schule aus verschiedenen Gründen nicht richtig Lesen und Schreiben gelernt – weil erst der Bruder sie abhielt, er kann das auch nicht; weil der Lehrer „gemein zu mir“ war und ihr keiner geholfen habe. Inzwischen hat sie bereits einige Bücher gelesen, darunter das „Tagebuch der Anne Frank“, das es auch in leicht verständlicher Sprache gibt. „Lesen macht Spaß. Es ist mal lustig und mal traurig“, so Redlich. Sie hat schon Einkaufszettel für ihren Mann schreiben können, der ihr das Gewünschte dann auch mitgebracht hat. Sie freut sich darüber und liest sogar noch einen kurzen Text vor, den sie selbst geschrieben hat.

Carsten Ablaß leitet das Grundbildungszentrum in der Uckermark, das schon seit zwei Jahren besteht. Quelle: Andreas Vogel

Gleichwohl warnte Ablaß vor zu großen Erwartungen. Wer 30 Jahre seine Lese- und Schreibschwäche versteckt habe, warte nicht auf einen Kurs, diese Schwächen zu beheben. „Alphabetisierung braucht viel Zeit.“

Das Grundbildungszentrum in Neuruppin befindet sich im Haus D des Oberstufenzentrums an der Alt Ruppiner Allee 39. Die Beratungszeiten sind montags bis donnerstags von 9 bis 13 Uhr sowie nach Vereinbarung. Auf Wunsch kann die Beratung auch in Kyritz und Wittstock erfolgen. Telefon: 03391/76 91 37, Mail: grundbildungszentrum@opr.de.

Von Andreas Vogel

Corvin Drößler will für die Partei in den Bundestag ziehen. Der 18-jährige Walslebener schätzt den ironischen Ansatz der Partei. Eine bloße Spaßpartei ist sie für ihn jedoch nicht.

14.09.2017

Bei der Bürgermeisterwahl 2010 war dem CDU-Mann Jan-Pieter Rau ein Durchmarsch gelungen. Am 24. September stellt er sich erneut zur Wahl.

14.09.2017

Übrig ist heute nur noch der Wohnturm der einst dreiflügeligen alten Schlossanlage in Freyenstein. Dennoch gehört selbst dieser heute zu den wohl schönsten Renaissancebauten der Region. Doch sein langfristiger Erhalt ist in Gefahr, heißt es vom Förderverein Freyenstein. Er wirbt für eine rasche Sanierung und ein kulturelles Nutzungskonzept des Gebäudes.

14.09.2017
Anzeige