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Neues Kleid für Claire

Rheinsberg Neues Kleid für Claire

Ein selbst geschneidertes Kleid für die Roman-Figur Claire, 25 Claire-Illustrationen, ein Claire-Film und viel Hintergrundwissen über Claire-Vorbild Else Weil – das ist das Rezept für eine gelungene Ausstellung, die seit gestern im Rheinsberger Kurt-Tucholsky-Museum gezeigt wird. Zusammengestellt haben die Zutaten drei Schülerinnen aus Neuruppin.

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Lydia Craemer, Charlotte Herzberg und Elisa Krause (v. l.) von der Evangelischen Schule Neuruppin haben die Rheinsberger Ausstellung im Fach „Seminarkurs“ vorbereitet.

Quelle: Celina Aniol

Rheinsberg. Mit dem Stoff des Kleides ist Charlottte Herzberg nicht ganz zufrieden. „Ich habe mir vorgestellt, dass er etwas leichter fällt“, sagt die 18-Jährige, während sie kritisch das Kleidungsstück an der Schneiderpuppe mustert. „Aber vielleicht ist diese einfache Baumwolle doch gar nicht so schlecht: Dadurch kommt die unkomplizierte Art Claires sehr gut rüber.“ Einen Hauch vom Sommer, Leichtigkeit, Unabhängigkeit versprüht das Kleid, das nun Teil einer Ausstellung im Rheinsberger Kurt-Tucholsky-Museum ist. Modisch, aber nicht anbiedernd, verführerisch in seiner Einfachheit – und trotz seiner knielangen Form irgendwie emanzipiert.

Genau diese Eigenschaft ist es, die Charlotte Herzberg und ihre Mitstreiterinnen Lydia Craemer und Elisa Krause dazu bewogen hat, sich mit Else Weil, jüdischen Ärztin und Tucholskys Frau, und ihrem Literaturpendant, der Figur Claire in Tucholskys „Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte“, zu beschäftigen. „Das Leben der jüdischen Ärztin hat uns fasziniert“, sagt Lydia Craemer. Die drei jungen Frauen sind Schülerinnen der Evangelischen Schule Neuruppin und sie haben in ihrem Fach „Seminarkurs“ gemeinsam Museumsleiter Peter Böthig in anderthalb Jahren eine Schau über Else und Claire vorbereitet, die seit Dienstag in dem kleinen Ausstellungsformat „Archivschaufenster“ direkt im Literaturmuseum gezeigt wird.

Neben dem von Charlotte Herzberg geschneiderten Kleid für Claire ist dort auch exemplarisch die Geschichte der Claire-Verwandlungen anhand von 25 Buchillustrationen aus aller Welt seit der Erstveröffentlichung der Erzählung 1912 bis zur letzten Publikation 2012 zu sehen. „Es ist spannend, wie sich der Zeitgeist in der Darstellung der Figur in den vergangenen 100 Jahren widerspiegelt“, sagt Elisa Krause. Da gibt es biedere Darstellungen und die nostalgischen, die artifiziellen und fast schon pornografische. Damit die Ausstellungsbesucher auch einen Eindruck bekommen, wie Else/Claire durch Rheinsberg wandelte, zeigen die Zwölftklässlerinnen einen von ihnen selbst im Schlosspark gedrehten Film. „Das alles vorzubereiten war sehr viel Arbeit und sehr zeitaufwendig“, erzählt Elisa Krause. „Für das selbstständige Arbeiten war es aber super.“ Viele Monate lang durften die Schülerinnen das Archiv, die Bibliothek, das Depot des Museums durchstöbern, ihre Idee frei entwickeln. „Das war toll. Dann kam der Museumseffekt.“ In der Schlussphase ging, als es um die Bestückung des Ausstellungsraums ging, ging es um Details. Nicht nur auf der Tafel zur Biografie Else Weils. „Da musste jedes Bild exakt zehn Zentimeter von der Kante entfernt stehen, alles perfekt ausgerichtet werden.“ Das sei anstrengend gewesen, aber auch sehr gut. „Da haben wie zum ersten Mal gemerkt, wie genau man in einem Museum arbeiten muss“, sagt die 19-Jährige und die anderen nicken zustimmend, Peter Böthig lacht.

Es ist die vierte Ausstellung von insgesamt 16 im Archivschaufenster, die der Museumsleiter gemeinsam mit den Neuruppiner Schülern vorbereitet hat. Und Nachtschichten kurz vor der Eröffnung gehören nun einmal dazu, damit das Ergebnis sich vor den Museumsgästen sehen dann auch sehen lassen kann. Trotz der Anstrengungen findet Böthig aber die Kooperation zwischen seinem Haus und der Schule als sehr wichtig. „So können wir etwas von unserem Wissen weitergeben, aber auch in Kontakt mit der jungen Generation treten, im besten Fall eine neue Perspektive auf Tucholsky erhaschen.“

Wie bei diesem Projekt – oder dem, das im kommenden Jahr verwirklicht werden soll. Eine Schülerin entwickelt dafür derzeit in ihrem Seminarkurs einen Blog. Der Arbeitstitel: „Tucholsky spricht“. Auf dieser Plattform will sie als Quasi-Tucholsky zum aktuellen Zeitgeschehen – und wie der Autor selbst vor 100 Jahren unter verschiedenen Pseudonymen – Stellung beziehen. „Einen Blog, das wollte ich schon immer mal machen“, sagt Museumsleiter Peter Böthig. „Mir fehlt dazu aber die Zeit.“

Von Celina Aniol

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