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10 Stunden Kultur gegen Neonazis

Großes Fest am Samstag in Neuruppin 10 Stunden Kultur gegen Neonazis

Für Sonnabend haben sich rund 500 Neonazis in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) angesagt. Doch die Stadt will lieber "schöner leben ohne Neonazis" und zeigt das mit zwei Demos und einem zehnstündigen Kulturprogramm auf dem Schulplatz. Zu hören und zu sehen gibt's unter anderem Blasmusik, Poetry Slam, israelischen Tanz - und die Rainbirds.

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Neuruppin feiert ein großes Fest und trotzt so den Neonazis, die sich für Sonnabend in der Stadt angemeldet haben.

Quelle: MAZ

Neuruppin. Kommunalpolitiker aus Wittstock wollen in einem Bus der Feuerwehr anreisen. Vom Kirchentag in Stuttgart soll eine Videobotschaft nach Neuruppin gesandt werden. Zwei Frauen haben noch schnell ein Lied komponiert. Wenige Tage vor dem für Sonnabend geplanten Großaufmarsch von Neonazis läuft bei Walter Pauly das Telefon heiß.

Pauly hat ein zehnstündiges Bühnenprogramm auf dem Schulplatz organisiert – ein Fest, mit dem die Neuruppiner laut und fröhlich für positive Schlagzeilen sorgen und einen Zeichen gegen Neonazis setzen wollen. „Es ist unglaublich, was für einen Ansturm an Leuten es gibt, die sich alle einbringen wollen“, sagt Walter Pauly.

Hilfe kommt auch ganz spontan. Pauly war auf der Suche nach einem Moderator für das Bühnenprogramm, als er spätabends bei einer Zugfahrt nach Neuruppin Jörg Krywkow kennen lernte. Krywkow arbeitet eigentlich an der Osnabrücker Uni. Doch er kommt aus der Region und ist offensichtlich betroffen, dass mehr als 500 Neonazis aus ganz Deutschland durch Neuruppin marschieren wollen. Spontan bot er an, einen Teil des Mammut-Bühnenprogrammes von „Schöner leben ohne Nazis“ zu moderieren. „Glück“, nennt Pauly das. Gemeinsam mit RBB-Moderator Tim Jäger wird Krykow ein ganztägiges Bühnenprogramm präsentieren, das mit einem ökumenischen Gottesdienst um 10 Uhr auf dem Schulplatz beginnt.

Bis zum frühen Nachmittag hat Pauly ein eng getaktetes Programm aufgelegt – im Viertelstundentakt wechseln sich Chöre, Schülergruppen und Orchestergruppen der Region auf der Bühne ab. Ab etwa 14.15 Uhr dann das Konzert von Katharina Franck und den Rainbirds. Musikalisch geht es anschließend weiter – unter anderem mit der Neuruppiner Band Unerhört, die Musikschul-Big Band Big Brass und Lord Bishop.

Bühnenprogramm auf dem Schulplatz

Unter dem Motto „Schöner Leben ohne Nazis“ findet am Sonnabend auf dem Neuruppiner Schulplatz ein buntes Fest statt.

  • 10 Uhr: Ökumenischer Gottesdienst
  • 10.30 Uhr: Begrüßung durch Bürgermeister Jens-Peter Golde
  • 10.45 Uhr: Märkischer Jugendchor
  • 11 Uhr: Landtagspräsidentin Britta Stark
  • 11.15 Uhr: Ruppiner Kantorei
  • 11.30 Uhr: Chorisma
  • 11.45 Uhr: Redebeiträge
  • 12 Uhr: Storch Heinar, Kabarett
  • 12.15 Uhr: Musik-AG Fontaneschule
  • 12.30 Uhr: Justizminister Helmuth Markov
  • 12.45 Uhr: Jugendblasorchester Toaster
  • 13 Uhr: Talkrunde Sport
  • 13.45 Uhr: Chorus Mirus und Akrobatikgruppe
  • 13.30 Uhr: Poetry Slam, Evangelische Schule
  • 13.45 Uhr: Kammerchor, Evangelische Schule
  • 14 Uhr: Talkrunde
  • 14.15 Uhr: Katharina Franck und die Rainbirds
  • 15.15 Uhr: Redebeiträge
  • 15.30 Uhr: Unerhört, Neuruppiner Band
  • 16.15 Uhr: Israelischer Tanz
  • 16.30 Uhr: Zickenalarm, Neuruppiner Mädchenband
  • 17 Uhr: Jetlag, Band der Evangelischen Schule
  • 17.30 Uhr: retarded
  • 18 Uhr: Big Brass, Big Band der Musikschule
  • 19 Uhr: Lord Bishop, Heavy Rock mit Funk

Zahlreiche Redner haben sich von Pauly aufs Bühnenprgramm setzen lassen. Landtagspräsidentin Britta Stark, Justizminister Helmuth Markov, Bundestagsabgeordnete aus der Region und Vertreter aus Sport oder Kommunalpolitik wollen sich solidarisch mit Neuruppin zeigen und sich gegen Neonazis bekennen. Eine Absage allerdings musste Pauly kassieren: Das Landespolizei, das mit seiner Jazzcombo zunächst eine Zusage gemacht hatte, musste dann doch einen Rückzieher machen. Ein Auftritt bei „Schöner leben ohne Nazis“ könne als Verstoß gegen das Neutralitätsgebot gewertet werden, hatte das Land argumentiert.

Mit zwei Demos wollen die Neuruppiner auch ein Zeichen gegen Neonazis setzen. Jeweils um 10 Uhr sollen zwei Protestzüge vom Neubaugebiet und der Altstadt zum Schulplatz starten. Die Teilnehmer der Demozüge treffen sich in der Bruno-Salvat-Straße und am Rheinsberger Tor und laufen dann in Richtung Stadtzentrum.

Von Frauke Herweg

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2000 Menschen haben am Samstag gegen einen Neonazi-Aufmarsch in Neuruppin protestiert. Sitzblockaden versperrten den Teilnehmern aus der rechten Szene den Weg. Wenig später beendete die Polizei den Aufmarsch. Es gab einige Verhaftungen. Aber der "schwierige" Polizeieinsatz war dann noch lange nicht beendet.

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