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Neuruppin: Ärger mit Autos auf Radwegen

Autofahrer nutzen Fahrrad- und Forstwege als Abkürzung Neuruppin: Ärger mit Autos auf Radwegen

Weil ein Autofahrer bei Neuruppin illegal auf einer Fahrradstraße raste, wurden zwei Fahrradfahrer verletzt. Für den Unfallflüchtigen hat das nun Konsequenzen. Einen Anlass für mehr Kontrollen auf Fahrradstraßen sieht die Polizei aber nicht – obwohl dort regelmäßig Autofahrer unterwegs sind.

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Auf einer Fahrradstraße haben Autos nichts zu suchen, es sei den, die sind Förster oder Landwirte. Von denen schjeint es zwischen Molchow und Krangen jede Menge zu geben.

Quelle: Christian Schmettow

Neuruppin. Harald Becherer aus Neuruppin fährt fast täglich mit dem Fahrrad von Treskow nach Wustrau. Fünf Kilometer asphaltierte Fahrradstraße, gesponsort von der EU, schattig und autofrei – zumindest theoretisch. Denn es vergeht kaum ein Tag, an dem der 70-Jährige auf dem Radweg keinem Auto begegnet. „Wenn sie langsam fahren, habe ich ja nichts dagegen“, sagt der Neuruppiner, „aber wenn sie rasen, dass man zur Seite springen muss ... Und die Antworten, die man sich anhört, wenn man was sagt!“ Schlimm sei das. Jeder habe heute ein Auto, und keiner nehme mehr Rücksicht.

Auch eine Rentnerin aus Wustrau begegnet fast täglich Autos auf der Fahrradstraße. „Einige dürfen da fahren, weil sie eine Wiese oder einen Acker haben“, sagt die 77-Jährige und füllt ihr Eimerchen mit wilden Kirschen.

Auch Jogger werden gefährlich nah von Autos überholt

Jogger berichten, sie würden auf der Fahrradstraße mit nur wenigen Zentimetern Abstand von Autos überholt. Erst am 7. Juli hatte ein Autofahrer zwei Radfahrer auf dem Fahrradweg zu Fall gebracht und verletzt (die MAZ berichtete). Laut Polizei war der 33-Jährige mit dem dunkelgrünen VW Golf seiner Mutter mit hoher Geschwindigkeit auf der Fahrradstraße unterwegs. Um einen Zusammenstoß zu verhindern, wich ein Radfahrer nach rechts aus und prallte dort mit einer anderen Radfahrerin zusammen. Die Frau soll sich ein Bein gebrochen haben und wurde in Krankenhaus gebracht. Der einheimische Autofahrer raste davon. Gegen ihn ermittelt die Polizei nun wegen Unfallflucht und fahrlässiger Körperverletzung.

Vor allem zur Feierabendzeit gegen 16 Uhr herrsche auf der Fahrradstraße reger Autoverkehr, berichten Fahrradfahrer. Viele Wustrauer nutzen die asphaltierte Strecke als illegale Abkürzung. Gebaut wurde die Strecke mit EU-Fördermitteln eigentlich, um Einheimischen und Urlaubern eine stressfreie Fahrt auf autofreier Strecke von Neuruppin ins Zietendorf zu bieten. Auch der Neuruppiner Bürgermeister Jens-Peter Golde benutzt die Strecke regelmäßig für seine Feierabendrunde auf dem Fahrrad rund um den Ruppiner See. Sein Stellvertreter Arne Krohn ist ebenfalls viel mit dem Fahrrad unterwegs. Erfahrungen mit Autofahrern auf dem Radweg habe er dabei aber noch nicht gemacht, sagt Krohn. Auch zwei ältere Paare aus Neuruppin, die den Radweg nach Wustrau regelmäßig benutzen, sagen, Ihnen sei bisher nur einmal ein Auto begegnet.

Die MAZ machte den Test und fuhr mit dem Fahrrad einmal von Treskow nach Wustrau und zurück, wochentags zwischen 15.30 und 17 Uhr. Ergebnis: kein einziges Auto, dafür jede Menge fröhlicher Fahrradfahrer und Jogger, die in 20 Minuten von Neuruppin in Wustrau sind. Vorführeffekt?

Erstaunlich viele Landwirte zwischen Molchow und Krangen

Auf anderen Fahrradstraßen im Landkreis sind mehr Autos anzutreffen: Zum Beispiel auf dem Radweg entlang der Bahnschienen zwischen Lindow und Klosterheide und auf der Fahrradstraße von Molchow nach Krangen. Die ist wie der Radweg nach Wustrau für land- und forstwirtschaftlichen Verkehr freigegeben. In Molchow und Krangen scheint es seitdem erstaunlich viele Land- und Forstwirte zu geben: oft sind die „Förster“ sogar mit Kennzeichen aus anderen Bundesländern unterwegs, und die „Bauern“ fahren gern mit großen weißen Hermes-Lieferwagen oder mit gelben Postautos und mit erstaunlicher Geschwindigkeit – denn eine Tempo-Begrenzung ist auf Fahrradstraßen nicht ausgeschildert. Eine Kurierdienstfahrerin zeigt entgegenkommenden Radlern auch schon mal den Stinkefinger, wenn die ihr nicht Platz machen.

Autofahrer riskieren nicht viel, wenn sie doch mal auf der Fahrradstraße erwischt werden sollten: Fünf Euro Bußgeld kostet das Befahren eines Fahrradweges mit dem Auto laut Polizei. Zum Vergleich: fährt ein Fahrradfahrer auf einer Straße, obwohl es daneben einen beschilderten Radweg gibt, muss er das Dreifache bezahlen. Ist das gerecht? „Ich bin nicht der Gesetzgeber“, sagt der Polizeisprecher Toralf Reinhardt. Kommen Behinderung oder gar Gefährdung hinzu, zahlen Radfahrer ebenfalls deutlich mehr Bußgeld als Autofahrer.

Das Risiko, erwischt zu werden, ist für Autofahrer auf der Fahrradstraße ohnehin nicht groß: Für die Polizei sei der Unfall bei Treskow kein Anlass, nun stärker zu kontrollieren, ob Autofahrer auf der Fahrradstraße unterwegs sind, sagt Toralf Reinhardt auf MAZ-Anfrage. Die Kontrolle der Fahrradstraßen sei zudem Sache des Revierpolizisten, aber der habe eben auch einen größeren Bereich zu kontrollieren, sagt der Polizei-Sprecher. Die Polizei nehme aber gern Hinweise von Bürgern entgegen.

Als die Fahrradstraße zwischen Treskow und Wustrau angelegt wurde, versperrte in Höhe der Buskower Badestelle noch eine Schranke Autofahrern die Zufahrt auf den Radweg. Das Metallgitter wurde aber regelmäßig abgesägt – bis die Behörden vor den Autofahrern kapitulierten und das Gitter nicht mehr ersetzten.

Von Christian Schmettow

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