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Neuruppin: Debatte über Zukunft der Pflege

Staatssekretär kündigt Reformen an Neuruppin: Debatte über Zukunft der Pflege

Bis zu drei Wochen müssen ambulante Pflegedienste in Ostprignitz-Ruppin darauf warten, bis ihre Klienten eine neue Matratze oder ein spezielles Pflegebett erhalten. Karl-Josef Laumann (CDU) will das ändern. Der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium sprach am Dienstagabend in Neuruppin über die Zukunft der Pflege.

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Karl-Josef Laumann (r.) sprach mit CDU-Abgeordneten von Bund und Land über Reformen bei der Pflege. Florian Duwe (l.) ist skeptisch.

Quelle: Andreas Vogel

Neuruppin. „Wie lange müssen sie auf ein spezielles Pflegebett warten?“ Karl-Josef Laumann, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, glaubte am Dienstagabend, sich verhört zu haben. „Bis zu drei Wochen“, wiederholte Monika Förster, Chefin des ambulanten „Pflegedienstes mit Gefühl“ aus Barenthin (Gemeinde Gumtow). So lange Wartezeiten will Laumann nicht hinnehmen. Denn wenn das Bett nicht höhenverstellbar ist, bedeutet das nicht nur für die Angehörigen von Pflegebedürftigen viel Kraft und zusätzliche Arbeit, sondern auch für die Mitarbeiter des Pflegedienstes.

Laumann, der bei einem Forum der CDU in den Ruppiner Kliniken über die Zukunft der Pflege sprach, glaubt, den Grund für die Wartezeiten zu kennen. Denn der Pflegedienst darf Hilfsmittel, wie spezielle Matratzen oder Betten für Pflegebedürftige, nicht selbst bestellen. Vielmehr müssen diese erst von einem Arzt verschrieben und von der Pflegeversicherung abgesegnet werden. „Das ist doch irre“, sagte Laumann, der seit Dezember 2013 Bevollmächtigter des Bundes für Patienten und Pflege ist. Der CDU-Politiker setzt deshalb auf weitere Reformen bei der Pflegeversicherung.

Clemens Kuhne von der IKK diskutierte in Neuruppin ebenfalls mit

Clemens Kuhne von der IKK diskutierte in Neuruppin ebenfalls mit.

Quelle: Andreas Vogel

Diese steht vor gewaltigen Herausforderungen. Zwar gibt es derzeit 1,2 Millionen Pflegekräfte in Deutschland, von denen 700 000 in Seniorenheimen und 500 000 in Krankenhäusern arbeiten. Doch diese reichen bei Weitem nicht aus, weil die Leute immer älter werden und weniger Junge als bisher nachwachsen. „Wir brauchen jährlich 20 000 neue Pflegefachkräfte in Deutschland“, betonte Karl-Josef Laumann. Zudem müsse sich die häusliche Pflege stabilisieren. „Ohne diese bräuchten wir schon heute eine Million Pflegekräfte mehr.“ Zwar könnten Pfleger aus dem Ausland die Situation lindern, aber nicht das Problem lösen, so Laumann. Dazu müsse die Pflege einen höheren Stellenwert als jetzt erhalten. Dazu gehöre neben einer besseren Bezahlung auch die Entscheidung, wann ein Pflegebedürftiger eine neue Matratze oder ein spezielles Bett benötigt. „Der letzte Lebensabschnitt der Menschen ist keine tolle Lebensphase. Das ist Leid.“ Ziel müsse deshalb sein, die Pflege für die Klienten „mit Achtung und Würde zu gestalten“. Dazu brauchen die Pflegekräfte jedoch Zeit – Zeit, die sie derzeit nicht haben. Sie müssen innerhalb weniger Minuten Pflegebedürftige ausziehen, waschen, kämmen. Gespräche untereinander sind bei der sogenannten „Minutenpflege“ nicht vorgesehen. „Das ist falsches Denken“, sagte Laumann. Der gelernte Maschinenschlosser plädiert dafür, dass der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) die Pflegebedürftigen danach beurteilt, wie selbstständig sie ihren Tag noch selbst gestalten können und dementsprechend die Pflegeleistungen honoriert. Laumann rechnet damit, dass dies die Lage in den stationären Einrichtungen entschärfen wird. Zudem soll der MDK bei den Anträgen auf Pflegegeld auch gleich prüfen, ob ein Reha-Bedarf besteht. Denn je länger Senioren fit sind, desto geringer ist der Pflegebedarf. Die von Laumann vorangetriebenen Reformen kosten vermutlich drei Milliarden Euro. „Auch Demenzkranke kommen dadurch besser weg“, meint er.

Gleichwohl gibt es Kritik an den Plänen. Denn das neue Gesetz zu den Pflegeberufen sieht auch vor, dass bei der Ausbildung die Zahl der Praxisstunden von 2000 auf 1000 reduziert und die Lehre von Alten- und Krankenpflegern zusammengelegt wird. Florian Duwe, Regionalleiter der Marseille-Kliniken von Berlin-Brandenburg, sieht das kritisch: Duwe befürchtet, dass dann viele Altenpfleger aus den Pflegeheimen in die Krankenhäuser wechseln, weil die Arbeit dort häufig als besser bezahlt gilt.

Von Andreas Vogel

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