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Neuruppin: Die Post kommt jetzt elektrisch

Neue Fahrzeuge Neuruppin: Die Post kommt jetzt elektrisch

Die Post setzt immer mehr auf leise und umweltfreundliche Elektrofahrzeuge. Auch in Neuruppin sind die ersten Zusteller mit einem „Streetscooter“ unterwegs. Die Fahrzeuge sind nicht nur Umweltfreundlich – sie habe auch noch andere Effekte.

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Gut vier Kubikmeter fasst der Laderaum der Elektromobile. Er liegt so hoch, dass die Zusteller sich nicht mehr ständig bücken müssen.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Die Post kommt auf Zehenspitzen. Wenn Zusteller Elmar Ludwig mit seinem knallgelben Auto vorfährt, dann klingt das nach nichts. Der Wagen ist so leise, dass man schon ganz genau hinhören muss. Aber auch wenn das Gehör sich erst an die neuen Mobile gewöhnen muss, mit denen Briefe und Pakete jetzt ausgeliefert werden – über mangelnde Aufmerksamkeit braucht sich Elmar Ludwig nicht zu beklagen. Mit seinem Elektroauto bekommt der Mann von der Post überall neugierige Blicke. „Man wird auch immer wieder auf der Straße angesprochen“, sagt Ludwig. Nett angesprochen.

 Die neuen Elektromobile fallen sofort auf

Die neuen Elektromobile fallen sofort auf. Immer wieder werden die Zusteller auf die Fahrzeuge angesprochen.

Quelle: Peter Geisler

Ein bisschen erinnert der „Streetscooter“, mit dem Elmar Ludwig seit ein paar Wochen in Neuruppin unterwegs ist, an einer dieser ­niedlichen kleinen Milchautos, die in alten Filmen gelegentlich zu ­sehen sind. Gemütliche, kleine Fahrzeuge, die einem fast zwangsläufig ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

„Ja, da haben sich die Designer Mühe gegeben“, findet auch Klaus Buchwald. Er leitete die Niederlassung der Post in Neuruppin. Buchwald und seine Kollegen sorgen von 16 Zustellpunkten aus im gesamten Nordwesten des Landes dafür, dass Briefe und Pakete zu den Kunden kommen. Seit Anfang Juni auch mit elektrischen Fahrzeugen.

Zusteller haben die Fahrzeuge mit entwickelt

So nostalgisch die Autos auch aussehen – tatsächlich sind sie die modernste Fahrzeuge in der Flotte der Deutschen Post. Entwickelt wurde der „Streetscooter“ 2012 von einer gleichnamigen Firma in Zusammenarbeit mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Das Auto fährt ausschließlich mit Strom; eine Batterieladung reicht für etwa 50 bis 80 Kilometer. Bei der Entwicklung waren von Anfang an Postzusteller beteiligt. So steckt das Fahrzeug voller Details, die die Arbeit der Zusteller deutlich erleichtern.

Etwa die hohe Ladekante. Der Boden des kastenförmigen Kofferraums befindet sich viel höher über der Straße als bei den anderen Postautos. Für den Laien klingt das wie ein Nachteil: Wie sollen die Postboten die oft schweren Pakete da hochbekommen? Elmar Ludwig winkt ab. „Das ist ein riesiger Vorteil“, sagt er. „Beim Einladen sind immer Kollege da, die mit anfassen können.“ Wenn die Frauen und Männer dann kurz nach 9 Uhr in Neuruppin vom Hof fahren, sind sie auf sich gestellt und froh, sich unterwegs nicht für jedes Paket bücken zu müssen.

 Zusteller Elmar Ludwig hat die Pakete im Kofferraum  und die Briefe gleich neben sich im Führerhaus – dort, wo bei anderen Fahrzeugen der Bei

Zusteller Elmar Ludwig hat die Pakete im Kofferraum und die Briefe gleich neben sich im Führerhaus – dort, wo bei anderen Fahrzeugen der Beifahrersitz montiert ist.

Quelle: Peter Geisler

An den Seiten hat der Frachtraum Schiebetüren, damit die Zusteller schnell an die Pakete herankommen. Hinten gibt es eine extragroße Klappe, die nach oben öffnet. Bei Regen kann man darunter stehen, ohne nass zu werden. „Die Fahrzeuge sind speziell für die Verbundzustellung entwickelt worden“, sagt Postsprecherin Tina Birke – also für die Zusteller in kleineren Städten oder auf dem Land, die Pakete und Briefe gleichzeitig austragen. Im Führerhaus gibt es nur einen Fahrersitz.

Wo sonst der Beifahrer Platz hätte, hält ein Gestell die Plastikkiste mit den Briefen. Der Fahrersitz ist auf der linken Seite etwas niedriger, was den Zustellern das ständige Ein- und Aussteigen viel leichter macht. Drei Kameras sorgen für zusätzliche Sicherheit. Eine zeigt beim Rückwärtsfahren, was sich hinter dem Auto befindet; zwei beobachten beim Abbiegen, ob sich links oder rechts Fußgänger oder Radler nähern, die im Spiegel nicht zu sehen sind.

80 Kilometer Reichweite mit 80 Stundenkilometern Höchsttempo

Bis zu 80 Kilometer schnell ist der „Streetscooter“ und damit auch für Fahrten über Land geeignet. Seit Anfang 2014 wurden 150 Fahrzeuge in ganz Deutschland getestet. Der Versuch war so erfolgreich, dass die Post die neuen Autos nun überall einsetzen will. Den Hersteller der Elektroautos hat der Postkonzern inzwischen gekauft und produziert seine Fahrzeuge jetzt selbst. 2000 sollen allein in diesem Jahr deutschlandweit eingeführt werden. Vier fahren seit Anfang Juni in Neuruppin und den angrenzenden Orten, zwei weitere sollen noch hinzukommen.

Niederlassungsleiter Klaus Buchwald ist froh, dass seine Kollegen die neuen Fahrzeuge so schnell akzeptiert haben. „Am Anfang gab es natürlich Bedenken“, sagt er. „Aber schon nach der ersten Tour waren die ausgeräumt.“ Zumindest bei den Fahrern, die mit den Elektromobilen unterwegs sind.

Erste Skepsis bei den Zustellern war schnell verflogen

Bei anderen Zustellern hält sich die Skepsis etwas länger: Ist der Laderaum überhaupt groß genug, um alle Pakete unterzubekommen? Manchmal müssen die Zusteller ja sogar ganze Fahrräder ausliefern. Buchwald weiß aber, dass der erste Eindruck täuscht: Die elektrischen Lastenesel haben genau so viel Platz wie die meisten der dieselbetriebenen Postautos. Nur, dass die neuen Mobile viel leiser sind und nicht mehr stinken.

Elmar Ludwig wirkt jedenfalls begeistert. Elektroautos sind die Zukunft, davon ist er überzeugt: „In zehn Jahren fahren wir nur noch mit solchen Fahrzeuge.“

Von Reyk Grunow

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