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Neuruppin: Flüchtlinge als Praktikanten

Hilfe für Asylsuchende Neuruppin: Flüchtlinge als Praktikanten

Die Gesetze und Vorschriften sind kompliziert. Dennoch stellen in Neuruppin erste Unternehmen Flüchtlinge als Praktikanten ein. Mehr als zwei Dutzend Asylsuchende haben bereits Beschäftigung gefunden. Das Arbeitsamt hat sogar zwei Leute eingestellt, die Flüchtlinge gezielt an Betriebe vermitteln sollen.

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Im Treskower Heim melden sich fast täglich Betriebe, die Arbeitskräfte suchen.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Es war ein zähes Ringen mit Gesetzen und Vorschriften. Aber die Neuruppiner Stadtwerke haben es geschafft. Sie haben vier junge Asylbewerber für zwei Monate als Praktikanten eingestellt.

„Ein Jurist hat uns beim Ausarbeiten der Verträge geholfen. Auch der Landkreis und die Arbeitsagentur haben uns unterstützt“, sagt Stadtwerke-Chef Joachim Zindler. Der Geschäftsführer war es leid, darauf zu warten, was Europa macht oder was die Bundesregierung sagt, wie man mit den Flüchtlingen vor Ort am besten umgehen soll. „Wir müssen selbst etwas tun.“ Allerdings hatte Zindler nicht erwartet, dass die Rechtslage so kompliziert ist. „Es gibt keine klare Regeln“ – oder sie sind für juristische Laien einfach nicht überschaubar. „Ein Verein in Berlin hat für Unternehmer, die Flüchtlinge ein Praktikum anbieten oder sie sogar einstellen wollen, schon einen Handzettel erarbeitet“, sagt Ivo Haase von der Neuruppiner Firma Peha. Allerdings umfasse der Handzettel 80 Seiten, weil es unüberschaubar viele verschiedene Aufenthaltstitel für Asylbewerber gebe.

Wer geduldet ist oder aus Kriegsgebieten kommt, darf arbeiten

Je nach Status dürfen die Frauen und Männer arbeiten. Voraussetzung ist, dass sie geduldet sind oder aus anerkannten Kriegsgebieten wie Syrien stammen, die Arbeitsbedingungen in dem jeweiligen Unternehmen stimmen und es keinen anderen Bewerber aus Deutschland oder der Europäischen Union für die Stelle gibt. Diese sogenannte Vorrangprüfung übernimmt auf Anfrage der Ausländerbehörde, an die sich Unternehmer als Erstes wenden müssen, die Arbeitsagentur. „Wir haben in den vergangenen Monaten immer Ja gesagt“, betont Neuruppins Arbeitsamtschefin Cornelie Schlegel. Mehr als zwei Dutzend Flüchtlinge arbeiten demnach bereits in Firmen der Region. Die Zusage dafür gibt es derzeit am schnellsten, wenn es sich um Stellen im Helferbereich handelt. „Komplizierter wird es bei höher qualifizierten Jobs“, so Schlegel.

Arbeitsamt will Flüchtlinge gezielt vermitteln

Das Arbeitsamt hat jetzt sogar zwei Mitarbeiter eingestellt. Diese wollen mit Hilfe der Sozialarbeiter in Heimen und Wohnverbünden die Qualifizierung von Flüchtlingen abfragen, um sie im Bedarfsfall auch schnell vermitteln zu können. Franziska Seidel, Sozialarbeiterin im Treskower Heim, ist über jede Hilfe froh. „Wir erhalten nahezu täglich Anfragen von Unternehmen.“ Denn es hat sich längst herumgesprochen, dass die Flüchtlinge in den meisten Fällen nicht nur jung, sondern auch hoch motiviert sind. Und sie werden gebraucht. Die Ruppiner Kliniken wollen sogar 15 Flüchtlinge in einem Pflegepraktikum unterbringen. Doch einige Asylbewerber versuchen auch selbst, eine Stelle zu finden. „Plötzlich stand einer bei mir vor der Tür und fragte, ob er bei mir anfangen könne“, sagte Dietrich Hecht. Der Neuruppiner Transportunternehmer wünscht sich klare und überschaubare Regeln, was er beachten muss, wenn er einen Flüchtling einstellt. „Wenn ein Asylbewerber im Betrieb arbeitet, dann gibt es auch keinen Ausländerhass unter den Beschäftigten“, sagt Andreas Leske, Chef der Firma Automatisierungssystem Leske (ASL).

Die jungen Unternehmer von den Wirtschaftsjunioren Ostprignitz-Ruppin basteln zudem gerade an einer Internetseite mit Hinweisen, an wen man sich wenden kann, wenn man Geld oder Sachen spenden oder ehrenamtliche Hilfe anbieten will. Diese ist vor allem bei Deutschkursen für die Flüchtlinge gefragt. Zwar gibt es laut Ivo Haase in Potsdam Studenten auf Lehramt, die sich durchaus mehr Praxisstunden wünschen und die in den Heimen in ihren Heimatorten Deutsch als Fremdsprache anbieten könnten. Aber auch hier fehlen klare Regeln, wie das gehändelt werden kann.

Von Andreas Vogel

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