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Ostprignitz-Ruppin Neuruppin: Fontanepreise vergeben
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin: Fontanepreise vergeben
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17:34 13.05.2016
Josef Bierbichler (2. v. r.) wurde mit dem Fontane-Literaturpreis geehrt. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Kunst kann streitbar sein und sie kann sich einmischen – besonders, wenn sie im öffentlichen Raum und nicht verschlossen hinter Galeriefenstern zu sehen ist. Das haben die Neuruppiner schon mehrmals erlebt. Am Parzival erhitzten sich die Gemüter. Die gelben und grauen Fontane-Skulpturen aus Kunststoff beschwören derzeit kontroverse Meinungen herauf.

Mit der Installation wollte der Künstler Ottmar Hörl möglichst viele Menschen zu einem kulturellen Diskurs einladen. Das ist ihm gelungen. Auch am Donnerstag bei der Eröffnung der Fontanefestspiele fand das Projekt Erwähnung, und wer am Abend zur Veranstaltung in die Kulturkirche ging, dessen Weg führte zwangsläufig an den Figuren vorbei.

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Mit den Fontane-Festspielen zu Pfingsten 2016 gibt es in Neuruppin bereits zum vierten Mal ein vielfältiges Programm aus Literatur, Theater, Film und Musik. Am Anfang standen die Verleihung des Fontane-Literaturpreises sowie der Fontane-Kulturpreise.

Günter Rieger, der an diesem Abend für sein 25-jähriges Wirken insbesondere als regionaler Verleger und für sein künstlerisches Engagement mit dem Fontane-Kulturpreis geehrt wurde, sprach bezugnehmend auf die Installation sein Bedauern darüber aus, dass so vieles auf PR-Gags hinauslaufe und die Spaßgesellschaft immer stärker auf dem Vormarsch sei.

Ehre für Kunst- und Kulturschaffende

Die vielen Gäste in der Pfarrkirche waren sich darüber einig, dass die Preisträger, die an diesem Tag geehrt wurden, den Preis verdienen. Das bewies der kräftige Applaus. Mit dem Fontane-Kulturpreis ehrt die Stadt Kunst- und Kulturschaffende, die sich in besonderer Weise um die kulturelle Vielfalt und Neuruppins Position als Fontane­stadt Neuruppin verdient gemacht haben. In diesem Jahr wurden Günter Rieger und der Neuruppiner A-cappella-Chor mit dem Preis geehrt, der mit 1000 Euro dotiert ist. Mit der Verleihung wurden die Fontane-Festspiele feierlich eröffnet. Die Laudatio für den A-cappella-Chor hielt Gabriele Lettow. „Euer Gesang hat uns allen viele schöne Stunden beschert“, sagte sie. Und für die Worte „ohne diesen Chor würde Neuruppin anders klingen“ gab es viel Beifall. 1971 wurde der Chor gegründet, bereits zwei Jahre später erhielt er bei der ersten Wettbewerbsteilnahme das Prädikat „sehr gut“. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Mitglieder des Chores ein wachsendes Publikum mit ihrem Repertoire unterhalten.

Einen wesentlichen Anteil am hohen musikalischen Anspruch hat der Chorgründer Hans-Peter Schurz, der den Chor bereits seit 45 Jahren leitet. „Als ich erfuhr, dass wir für den Preis nominiert wurden, war ich ganz schön stolz“, sagte der Vorsitzende Manfred Raabe, der den Preis entgegennahm. Der Chor bedankte sich im Anschluss mit drei Liedern. Der mit 5000 Euro dotierte Fontane-Literaturpreis ging an diesem Abend nach Bayern. Neuruppin ehrte den Schriftsteller und Schauspieler Josef Bierbichler für sein 2011 erschienenes Werk „Mittelreich“. Der Roman handelt von zwei Weltkriegen, von nachbarschaftlicher Gemeinheit, von Liebe, Mord an den Juden und von der Vertreibung aus Ostpreußen; von sexueller Unterdrückung und dem Aufruhr dagegen. Es ist ein Epos über Krieg und Zerstörung, alte Macht und den Wohlstand der neuen Zeit, die vermeintlich fetten Jahre.

Der Preisträger sieht sich nicht als Fontane-Kenner

Josef Bierbichler, der sich für die freundliche Ehrung bedankte, wurde 1948 am Starnberger See geboren. Seit Anfang der 70er Jahre ist er als Theaterschauspieler auf großen Bühnen unterwegs. Mit 63 Jahren schrieb er seinen ersten Roman, für den er nun ausgezeichnet wurde. „Der Roman zeichnet sich durch eine Sprach- und Bildkraft von großer Intensität aus“, heißt es in der Begründung der Jury. „Mittelreich“ stehe somit in einer Erzähltradition, die im Sinne Fontanes Geschichten von Land und Leuten aus Bayern erzählbar mache. Als Fontane-Kenner sieht sich Bierbichler allerdings nicht und nachdem er Fontanes „Effi Briest“ und „Irrungen und Wirrungen“ gelesen hatte – schließlich wollte er nicht durch Unkenntnis auffallen – freute er sich über die hohe Ehrung. Doch ein leiser Zweifel blieb: „Warum hat man mich auserkoren?“

Der Fontane-Literaturpreis der Stadt Neuruppin wird alle zwei Jahre vergeben. Frühere Preisträger waren unter anderem Christoph Ransmayr, Moritz von Uslar und Lutz Seiler.

Von Cornelia Felsch

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