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Neuruppin: Frühling oder Schnee zu Ostern?

Donald Bäcker: Kälte bleibt Neuruppin: Frühling oder Schnee zu Ostern?

Ist der Frühling im Anmarsch? Mitnichten. Das glaubt zumindest der ARD-Wetterexperte Donald Bäcker. Er kann sich vielmehr vorstellen, dass es Schnee zu Ostern gibt – auch wenn Kraniche längst die Brutgebiete besetzt haben, Amphibien fatalerweise aus der Winterstarre erwacht und die ersten Störche in der Region angekommen sind.

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Krokusse blühen schon.

Quelle: Foto: Aniol

Neuruppin. Die Eistüten in den Händen der Schulkinder werden groß und größer, die Schar der Spaziergänger wächst, und immer mehr Stühle vor den Cafés sind besetzt. Donald Bäcker, der ARD-Meteorologe aus Walsleben, war letztens ebenfalls bemüßigt, sich ins Freie zu setzen – auch wenn die Temperaturen dazu noch nicht ernsthaft einladen und er erst ein dickes Plaid hervorholte, das Pflicht-Accessoire für Vorfrühling-Genießer. „Für die meisten Menschen ist der Sonnenschein wichtiger als das, wie warm es draußen wirklich ist“, sagt Bäcker. „Wenn sie dann bei Sonnenschein eine windgeschützte Ecke finden, dann meinen sie, das Frühjahr wäre da.“

Die Aussichten für die nächsten Tage: beständig unbeständig

Das stimmt zwar – aber nur zum Teil. Zwar sind die Krokusse längst aufgeblüht, die Amseln singen laut und auch meteorologisch hat der Frühling bereits am 1. März begonnen. Die Wetteraussichten allerdings besagen etwas anderes. Bis Mitte nächster Woche werde es „beständig unbeständig“ bleiben mit Schauern und Schneeregen, so Bäcker – und eigentlich zu kalt für die Jahreszeit. Auch danach ist eine stabile Hochdrucklage vorerst nicht in Sicht.

ARD-Meteorologe Donald Bäcker spekuliert auf Schnee zu Ostern

Die hätte den Wetterexperten, der seine Winterjacke noch auf keinen Fall einmotten will, aber auch verwundert. „Ich fürchte, wir werden eher langsam in den Frühling starten.“ Bäcker kann es sich sogar gut vorstellen, dass es Ende März noch einmal schneit. „Wir haben eine sehr hohe Chance auf weiße Ostern.“ Zumindest, wenn man den Bauernregeln glaubt, die der 47-Jährige oft bestätigt sieht. Denn diese gehen von Schnee im März aus, wenn der Winter um Weihnachten ausbleibt – wie es im vergangenen Jahr der Fall war. „Da hatte ich sogar eine blühende Zierkirsche vor der Schule in Walsleben fotografiert. Mit einem Schmetterling drauf. So was habe ich noch nie erlebt“, erzählt Bäcker. Dennoch hält er es für möglich, dass die schon in Richtung Neuanfang schielende Natur zwischendurch einen Kick durch wärmere Temperaturen kriegt. „Die Natur guckt ja nicht aufs Datum, sondern hält sich ans Wetter.“

Amphibien sind viel zu früh aus ihrer Winterstarre aufgewacht

Genau in diese Falle getappt sind vor einigen Tagen viele Amphibien in der Region, als es für die Jahreszeit ungewöhnlich lange hintereinander warm und regnerisch war. Etwa drei Wochen zu früh sind sie da aus der Winterstarre erwacht und haben sich auf den Weg zu ihren Laichplätzen gemacht, berichtet Norbert Schneeweiß, Leiter der Linumer Naturschutzstation Rhinluch. Das Fatale: Die Naturschützer waren auf den jähen Aufbruch nicht vorbereitet und haben noch keine Krötenzäune errichtet; das holen sie jetzt nach. Dadurch seien sehr viele Amphibien überfahren worden, die durch den ersten Wärmeimpuls voreilig rausgelockt wurden. Aber auch diejenigen, die mehr Glück im Straßenverkehr hatten, sind vermutlich aufgrund der wieder einsetzenden Kälte elend verendet. „Bei ihrer Wanderung kommen sie nicht so schnell wieder an geschützte Räume, in denen sie den Winter verbracht haben, und erfrieren dann, weil sie schutzlos dem Frost ausgeliefert sind“, erklärt Schneeweiß. „Die, die ganz früh nach der Kälteperiode rauskommen, sind oft die Verlierer.“ Auch der Laich, falls es schon welchen gibt, ist durch den Frost gefährdet, weil nur eine Gelatineschicht das Gelege isoliert.

Kraniche haben ihre Brutplätze im Ruppiner Land längst bezogen

Bei den Vögeln sieht die Situation anders aus. Ihnen können Kälte und Schnee nicht so viel anhaben. Schneeweiß geht davon aus, dass zum Beispiel manche Seeadler jetzt schon brüten. Selbst eine Kälteperiode stellt für deren Eier kaum eine Gefahr dar. Dasselbe gilt für die Kraniche. Die sind längst in der Region angekommen. Die ersten Rückkehrer waren dabei etwa 14 Tage früher als sonst dran. Jene, die weiter in den Norden ziehen, sind in der vergangenen Woche bereits ebenfalls in Tausenderformationen über den größten Kranichrastplatz Europas bei Linum hinweggezogen.„Der Frühjahrszug ist im vollen Gange und unsere Brutgebiete sind schon besetzt“, berichtet der Kranichschützer Ekkehard Hinke. Eier gebe es zwar noch keine, schätzt er. „Aber pünktliches Erscheinen sichert nun mal die besten Brutplätze.“ Damit diese von anderen gefiederten „Wohnungssuchenden“ nicht weggeschnappt werden, haben einige Kraniche schon um Weihnachten herum die vielversprechendsten Standorte besetzt. Ab Mitte März werden dann für gewöhnlich Eier gelegt – und zwar unabhängig davon, ob Schnee die Landschaft bedeckt oder die Sonne scheint. „Wenn die Kraniche anfangen zu balzen, dann machen sie nicht viel Faxen“, sagt Hinke.

Störche sind in der Region noch rar

Störche hingegen machen sich noch rar. „Bei uns entfaltet sich deshalb im Moment noch überhaupt keine Hektik“, sagt Peter Stallknecht, einer von fünf Weißstorchenbetreuern im Altkreis Neuruppin. „Was getan werden sollte, ist getan – jetzt warten wir in aller Ruhe auf die Vögel.“ Dass die Störche demnächst massenhaft in die Region einfliegen, erwartet der frühere Biologielehrer aus Fehrbellin nicht. „Wenn die Störche Ende März kommen, dann ist das etwas ganz Normales“, sagt Stallknecht. „Die, die früher da sind, das sind eher Vögel, die irgendwo in der Nähe überwintern.“ Ein solches Exemplar ist vermutlich vor Kurzem auch in der Kremmener Altstadt angekommen.

Trödeliger Start ins Frühjahr kann für Tier und Pflanze von Vorteil sein

Auch in der sonstigen Natur gibt es laut Peter Stallknecht kaum Anhaltspunkte für einen frühen Frühling. Zwar gibt es hier und da schon Knospen an den Bäumen. Aufblühen werden diese aber erst, wenn es mindestens fünf Tage lang richtig warm ist – und das werde so bald nicht der Fall sein, glaubt der Fehrbelliner. „Es gibt keine Anzeichen für ein besonderes Jahr. Auch Kröten und Wasserfrösche habe ich noch nicht gesichtet“, so der passionierte Biologe. „Der Einzige, der sich jetzt draußen wohlfühlt, ist der Frosch – in meinem Gewächshausteich.“ Ein Gutes hat ein trödeliger Start in die grüne Jahreszeit für die Natur aber auf jeden Fall, findet Stallknecht: „Wer nicht früh geboren wird, der stirbt auch nicht zu früh.“

Von Celina Aniol

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