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Neuruppin: Gericht sucht Kokainhändler

Drogenprozess fortgesetzt Neuruppin: Gericht sucht Kokainhändler

Im Drogenprozess um ein ehemaliges Mitglied der Neuruppiner XY-Bande gerät nun dessen vermeintlicher Komplize in den Fokus: Die Ermittler glauben, dass Torsten S. (34) die 500 Gramm Kokain besorgt und in ein Hotelzimmer in Berlin gebracht hat. Der Neuruppiner will indes lediglich Koffeinpulver zum Strecken des Rauschgiftes besorgt haben.

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Torsten S. mit seinem Verteidiger Ronald Brandes und Marlen Block, der Anwältin von Frank G.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Im Drogenprozess gegen Frank G. (48), einst einer der führenden Köpfe der Neuruppiner XY-Bande, gehen die Ermittler davon aus, dass dessen Komplize Torsten S. (34) die 500 Gramm Kokain besorgt und in ein Hotelzimmer in Berlin geschafft hat. „Das ist unsere Vermutung“, sagte am Mitwoch ein Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) vor dem Landgericht Neuruppin. Der 41-Jährige verwies auf die „Bewegungsprotokolle“, die das mobile Einsatzkommando am 12. März, dem Tag des geplatzten Verkaufs, erstellt hatte. Demnach kämen für das Besorgen des Rauschgiftes weder Frank G. noch eine andere Person infrage.

Allerdings blieb am gestrigen vierten Verhandlungstag offen, ob jenes Hotelzimmer überhaupt den gesamten Tag überwacht wurde. „Da müssen Sie jemand anderen fragen“, sagte der Ermittler. Das will das Gericht unter Vorsitz von Udo Lechtermann auf jeden Fall tun. Denn der Neuruppiner Torsten S., der wie Frank  G. seit seiner Festnahme am 12. März in Untersuchungshaft sitzt, hat bisher gegenüber der Polizei lediglich erklärt, im Keller der Wohnung seiner Mutter Koffeinpulver vorbereitet zu haben. Mit diesem habe er 35 Gramm Kokain strecken wollen.

Bei der Razzia fanden Beamte reines Kokain

Bei der Razzia im Hotel hatte die Polizei allerdings im Zimmer lediglich eine kleine Menge Kokain gefunden, die nicht gestreckt war. Hingegen waren die knapp 500 Gramm, die Frank G. vor dem Hotel an seinen vermeintlichen Käufer übergeben hatte, mit Koffeinpulver gestreckt. Wann das passiert ist und wer das gemacht hat, das blieb ebenfalls offen.

Am nächsten Verhandlungstag soll deshalb der Leiter des mobilen Einsatzteams (MEB) gehört werden, der bei der Razzia im Hotel dabei war. „Wir wollen wissen, wie das Kokain in das Hotelzimmer gekommen ist. Das ist für das Gericht eine zentrale Frage“, betonte Richter Lechtermann.

Verteidigerin beantragt, das Verfahren einzustellen

Indes beantragte die Verteidigung, dass das Verfahren eingestellt wird. Anwältin Marlen Block ist überzeugt davon, dass der Kokaindeal „eine unzulässige Tatprovokation durch die Ankläger“ gewesen ist. Laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes seien deshalb das Verfahren einzustellen und die Haftbefehle aufzuheben, so die Verteidigerin.

Block verwies darauf, dass der Kronzeuge der Anklage, Tommy M., den Kokainhandel eingefädelt habe. Der 34-Jährige hatte wegen räuberischer Erpressung eine mehrjährige Haftstrafe verbüßt und dabei viele Mitglieder der Neuruppiner XY-Bande kennengelernt. Er hatte vor Gericht eingeräumt, dass er sich deshalb im Spätherbst 2014 an die Staatsanwaltschaft Neuruppin gewandt hatte, um einer weiteren Haftstrafe zu entgehen. Denn zu der Zeit saß er in Aachen in Untersuchungshaft. Der Verdacht: erneute räuberische Erpressung. Nachdem ihn Ermittler des LKA mehrfach in Aachen besucht hatten, wurde Tommy M. Anfang 2015 entlassen – ohne dass es bisher einen Prozess gegen ihn gegeben hat. „Es ist offen, warum der Zeuge aus der U-Haft entlassen wurde“, so Verteidigerin Block.

Das Gericht ging auf ihren Antrag, das Verfahren einzustellen, jedoch nicht ein. Stattdessen wurden die mitgeschnittenen Telefonate zwischen Frank G. und Torsten S. sowie die Gespräche bei den Treffen von Frank G. und dem Kronzeugen Tommy M. gehört. Diese brachten jedoch keine neuen Erkenntnisse für das Verfahren.

Von Andreas Vogel

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