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Ostprignitz-Ruppin Seit 16 Jahren Gift im Boden - und jetzt?
Lokales Ostprignitz-Ruppin Seit 16 Jahren Gift im Boden - und jetzt?
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08:35 11.06.2015
Gift im Boden an Trenckmannstraße in Neuruppin. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Heftige Vorwürfe muss sich die Kreisverwaltung von der Bürgerinitiative "Giftskandal 2009" gefallen lassen. "Seit 16 Jahren weiß die Behörde, dass auf dem Areal zwischen Arbeitsamt und Ruppiner See der Boden und das Grundwasser vergiftet sind", sagte Peter Wuttke, Sprecher der Initiative, am Mittwoch.

Doch noch immer sei unklar, ob und wann das Gelände saniert wird. Das widerspreche den Versprechen der Landräte Gilde und Reinhardt, die Angelegenheit zur Chefsache zu machen, betonte Wuttke. Vielmehr scheine das Engagement des Kreises erlahmt zu sein, seitdem klar ist, dass die Anwohner nicht akut gefährdet sind. "Aus einem" so schnell wie möglich" ist ein "so langsam wie in der Öffentlichkeit gerade noch vertretbar" geworden", so Wuttke. Der Sprecher verwies darauf, dass der zuletzt für 2013 angekündigte dritte Zwischenbericht zur Sanierungsuntersuchung nun erst im Herbst vorliegen soll.

"Das ist nicht schön", räumte am Mittwoch Vize-Landrat Werner Nüse (SPD) ein. Zugleich verwies Nüse auf mehrere Probleme. So hätten viele Untersuchungen in dem betroffenen Wohngebiet "sehr diffuse Befunde" ergeben, weshalb weitere Tests folgen mussten. Zudem sei es schwer gewesen, überhaupt Büros für die Untersuchungen zu finden. Das habe auch die Vergaben verzögert. "Leider sind solche Sachen oft sehr langwierig", sagte Nüse. Der Vize-Landrat verwies jedoch darauf, dass keine akute Gefährdung der Anwohner besteht. Das hatten Tests der Innenluft in den Eigenheimen sowie in Räumen des Arbeitsamtes, des Sportcenters und der Evangelischen Schule ergeben (die MAZ berichtete).

Die Bürgerinitiative hat wenig Verständnis für das immer wieder neue Verschieben des Abschlussberichts zur Sanierungsuntersuchung. "Das geht einfach zu langsam voran", sagte Peter Wuttke. Dabei sollte der Bericht schon 2012 vorliegen. Doch die Gutachter sprechen von "komplizierten Standortverhälnissen". Diese sind demnach der Grund dafür, dass die vorhandenen Daten für eine "verlässliche Prognose über die Entwicklung des Grundwasserschadens" nicht ausreichen. Soll heißen: Es ist immer noch weitgehend unklar, ob, wie schnell und in welche Richtung sich die sogenannten Schadstoffwolken in der Erde bewegen. Um das herauszubekommen, waren bereits zahlreiche Wasser- und Bodenproben in dem Gebiet genommen und zusätzliche Grundwassermessstellen eingerichtet worden, darunter an der Evangelischen Schule und auf der Kastanienwiese.

Immerhin will die Behörde den Anwohnern jetzt zusichern, dass die Schadensersatzansprüche von mehr als 80 Anwohnern weitere zwei Jahre nicht verjähren. Kein Entgegenkommen gibt es indes bei der Forderung, das sogenannte Anordnungsgebiet, in dem Gartenbrunnen nicht genutzt werden dürfen, zu verkleinern. Nach den zuletzt veröffentlichten Daten sind die Giftwolken in der Erde zwar deutlich kleiner als das Brunnen-Sperrgebiet. Vize-Landrat Nüse verwies gestern aber darauf, dass laut den Gutachtern auch diese Daten zu diffus seien.

VERSCHÄMT INFORMIERT

  • Spätestens seit 1999, seit dem Bau des Arbeitsamtes an der Trenckmannstraße, wusste das Kreis-Umweltamt, dass das Areal mit krebserregenden, leichtflüchtigen Chlorkohlenwasserstoffen (LCKW) belastet ist. Dennoch hatte die Behörde nichts dagegen, dass dort ein Wohngebiet entsteht.
  • Die Anwohner wurden erst 2009 verschämt darüber informiert: Ihnen wurde untersagt, ihre Gartenbrunnen zu nutzen.
  • Ein Teil des Giftes stammt wohl aus Lösungsmitteln, mit denen sowjetische Soldaten in der Trenckmannstraße jahrelang Panzer gereinigt haben. Das andere Gift soll aus Fässern von Treibstoff und Kerosin sein, die Anfang der 1990er Jahre verkippt wurden.

Von Andreas Vogel

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