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Neuruppin: Hörgeräte werden immer kleiner

40 Jahre Berufserfahrung Neuruppin: Hörgeräte werden immer kleiner

Vor 40 Jahren, am 1. April 1976, begann Gunter Wolf seine Berufslaufbahn als Hörgeräteakustiker in Berlin, heute arbeitet er in Neuruppin. Wolf erlebte mit, wie sich die Technik weiterentwickelte und die Hörhilfen kompakter und moderner wurden. Seinem Geschäft in der Fontanestadt will der 63-Jährige noch lange die Treue halten.

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Gunter Wolf hält ein Innenohr- (links) und ein Hinterohrhörgerät in den Händen.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Das zartrosane Gerät, das Gunter Wolf aus der Vitrine nimmt, ist kaum größer als eine Büroklammer – und fast genauso leicht. Optisch unscheinbar, ermöglicht es dem Träger, die Welt akustisch wieder so wahrzunehmen, wie es mit einem gesunden Gehör der Fall wäre. „Schon irre, diese Technik“, sagt Wolf. Er muss es wissen: Gunter Wolf ist seit 40 Jahren Hörgeräteakustiker und hat den kompletten Wandel seines Gewerbes miterlebt.

Als Wolf am 1. April 1976 in Berlin-Moabit bei der Firma Flemming ins Berufsleben einstieg, waren die Dimensionen der Hörhilfen völlig andere. „Wir haben damals überwiegend Taschenhörgeräte angepasst“, erzählt Wolf. Die großen Geräte mussten extern getragen werden und funktionierten vollständig analog. Die ersten Hinterohrgeräte, die zu jener Zeit aufkamen, waren ebenfalls wuchtig – oder anders gesagt: „Meist waren da die Ohren zu klein, so dass die Ohrmuschel wegklappte“, sagt Wolf und ergänzt: „In den 80ern ging man von schätzungsweise 14 Millionen Schwerhörigen aus, die nicht zu uns kamen, weil die Hemmschwelle zu groß war.“

„Ein Unterschied wie Tag und Nacht“

Anfang der 90er Jahre änderte sich das Bild. Die Geräte wurden kleiner und konnten dank erstmals verbauter Digitaltechnik per Computer programmiert werden. „Das war ein Unterschied wie Tag und Nacht“, erinnert sich Wolf. Der Hörgeräteakustikermeister ging nach Neuruppin, wohin die Berliner Firma, die inzwischen Flemming & Klingbeil hieß, expandierte. Zunächst kam die Filiale in der ehemaligen Poliklinik an der Neustädter Straße unter, über das Ärztezentrum in der Heinrich-Rau-Straße ging es an den Fontaneplatz. Seit Anfang 2014 hat Gunter Wolf sein Geschäft in der Rudolf-Breitscheid-Straße. Wolf war lange Jahre Gesellschafter, mittlerweile ist er selbstständig und konzentriert sich auf seinen Laden. „Das Geschäft in Neuruppin lag mir immer am Herzen, weil ich mit der Mentalität der Menschen sehr zurechtkomme“, sagt Wolf, der in Hohen Neuendorf wohnt und sich dort „sauwohl“ fühlt. „Ich bin in Neuruppin für meine ­Kunden da und das ist das Wichtigste.“

Durch die immer kleineren und unauffälligeren Geräte sei die Hemmschwelle zur Hörhilfe mittlerweile deutlich gesunken. „Früher kamen die Menschen im Rentenalter zu uns, mittlerweile geht es ab 45 los“, sagt Wolf. Steigend sei der Anteil von Hörgeschädigten mit Tinnitus. „Da fallen mir als Erstes die drei Berufsgruppen Lehrer, Erzieher und Selbstständige ein“, sagt Wolf. Sie stünden unter besonderem Stress. Kommunikation sei in der modernen Gesellschaft „das A und O. Wenn ich nicht richtig hören kann, isoliere ich mich.“

Gunter Wolf denkt noch nicht ans Aufhören

Der erste Schritt für Menschen mit Hörproblemen sei der zum HNO-Arzt. Von dort werden die Patienten zum Hörgeräteakustiker geschickt. Zur Wahl stehen dann „versteckte Kosmetik“ und „offene Kosmetik“. „In-Ear-Geräte“ werden direkt im Gehörgang platziert, die Alternative wird außen getragen. Die Krankenkasse übernimmt 700 Euro je Seite. Wer noch mehr Komfort wünscht, kann bis zu 2500 Euro ausgeben. „Dann sind wir im High-Tech-Bereich, da passt sich das Gerät vollautomatisch an die jeweilige Situation an“, so Wolf: Moderne Computertechnik im Mikroformat.

Ans Aufhören denkt der 63-Jährige noch lange nicht. „Was soll ich zu Hause?“, fragt er. „Ich liebe meine Arbeit, der Beruf gibt einem unheimlich viel zurück.“ Bis 70 wolle er auf jeden Fall weitermachen. Unterstützung bekommt er dabei von seiner Frau Malgorzata, die im Verkaufsbereich und in der Werkstatt arbeitet, und von Gesellin Birgit Jürss. Bei der ersten Anpassung seien drei bis fünf Feinabstimmungen notwendig, zwischen denen der Kunde die Technik in gewohnter Umgebung zuhause kann, anschließend müsse das Gerät alle sechs Monate überprüft und gewartet werden. Die Tochter ist ebenfalls Hörgerätetechnikermeisterin geworden, sie arbeitet in Hennigsdorf, der Schwiegersohn in Plauen.

Nicht nur Gunter Wolf will am Ball bleiben. Auch bei der technischen Entwicklung ist kein Ende abzusehen. Neuerdings lassen sich Hörgeräte per App auf dem Smartphone steuern. „Es ist unglaublich, was da inzwischen machbar und möglich ist“, sagt Wolf – und legt das Gerät zurück in die Vitrine.

Von Mischa Karth

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