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Ostprignitz-Ruppin Jobcenter zahlt Mutter kein Geld mehr
Lokales Ostprignitz-Ruppin Jobcenter zahlt Mutter kein Geld mehr
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01:15 22.06.2018
Andrea Krause aus Garz erhält kein Geld vom Amt mehr. Quelle: Peter Geisler
Garz/Neuruppin

Das Jobcenter sorgt mit seinem rabiaten Vorgehen erneut für Schlagzeilen. Betroffen ist diesmal Andrea Krause (39). Die Mutter zweier Kinder (zwei und zehn Jahre) erhält seit diesem Monat kein Geld mehr von der Behörde und muss allein mit dem Kindergeld sowie dem Unterhaltsvorschuss auskommen. Denn ohne Vorwarnung hat ihr das Hartz-Amt den bisher gewährten Zuschuss von 360 Euro gestrichen. Dabei hatte Andrea Krause einen Bewilligungsbescheid bis Ende Juni, der auch nicht aufgehoben wurde.

Behörde spricht nicht mit der Betroffenen

Was der Grund für das abrupte Abbrechen der Finanzhilfe durch das Amt ist, das kann die einstige Verkäuferin nur vermuten. Sie hat sich vom Vater ihrer zwei Kinder getrennt und lebt seit Januar im einstigen Konsumgebäude in Garz auf dem Grundstück ihrer Eltern, während ihr Ex weiterhin in Wustrau wohnt. Auslöser ist vermutlich der Besuch der Detektive des Amtes, weil es wohl eine anonyme Anzeige gab. Die Ermittler haben Andrea Krause aber nicht angetroffen und stattdessen wohl mit ihrem Vater gesprochen, der an Demenz leidet.

„Leute mit Demenz leben häufig in der Vergangenheit“, sagte am Dienstag Klaus-Dieter Miesbauer. An den Neuruppiner Rechtsanwalt hat sich Krause gewandt, weil sie einfach nicht mehr weiter weiß. Sie hatte im Mai den Fragebogen des Jobcenters ausgefüllt. Doch seitdem herrscht Stille. Keine Nachfragen, kein Geld, keine Reaktion auf ihr Angebot, dass die Ermittler sofort kommen könnten, um sich in ihrer Bleibe einmal umzusehen.

Rechtsanwalt droht mit Anzeige gegen das Amt

Rechtsanwalt Miesbauer ist entsetzt. Er erwägt, die Behörde wegen Kindeswohlgefährdung zu verklagen. „Wenn es um das Wohl von Kindern geht, verstehe ich keinen Spaß.“ Miesbauer glaubt zu wissen, warum das Hartz-Amt die Zahlung eingestellt hat: Die Behörde geht wegen eines Hinweises davon aus, dass Andrea Krause weiterhin mit ihrem Ex zusammenlebt und damit eine sogenannte Bedarfsgemeinschaft bildet. In dem Fall müsste das Amt beim Berechnen der Hilfe das Einkommen aller Mitglieder der Bedarfsgemeinschaft berücksichtigen.

Andrea Krause bestreitet, dass sie mit ihrem Ex weiter zusammen lebt. Er komme zwar regelmäßig nach Garz, aber wegen der gemeinsamen Kinder. „Sie brauchen doch weiter den Kontakt zu ihm.“

Kreis spricht von einem komplexeren Fall

Die Hartz-Behörde und der Landkreis waren am Dienstag zu keiner Stellungnahme bereit. Kreissprecherin Britta Avantario erklärte lediglich, dass es sich um „einen komplexeren Fall“ handele, der in Bearbeitung sei. Indes hofft Andrea Krause, ab August nicht mehr auf die Behörde angewiesen zu sein. Sie hat demnächst ein Vorstellungsgespräch, um in der Gemeinde Fehrbellin eine sogenannte Einzelfallhilfe für eine ältere Dame zu übernehmen. Wichtig sei aber, dass sie das Amt finanziell unterstütze, bis sie die Arbeit habe.

Das Jobcenter steht immer wieder in der Kritik. So hatte Jes Möller, der Chef des Sozialgerichtes Neuruppin, erst Anfang des Jahres die Sozialbehörden in Ostprignitz-Ruppin für ihr oft „uneinsichtiges“ Verhalten kritisiert. Schlagzeilen machte im November 2016 auch der Fall einer 19-jährigen Mutter aus Rheinsberg mit zwei Kindern. Dieser war ebenfalls die monatliche Stütze entzogen worden, wegen des Verdachtes, dass sie mit dem Vater der zwei Kinder noch zusammenlebt. Das Gericht entschied seinerzeit, dass der Kreis zahlen muss.

Von Andreas Vogel

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