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Neuruppin: Kinderfreundlich – ohne Siegel?

Zertifikat zu teuer Neuruppin: Kinderfreundlich – ohne Siegel?

Neuruppins SPD will, dass sich die Fontanestadt als „kinderfreundliche Kommune“ bewirbt, doch den meisten Abgeordneten ist das zu teuer. Die meisten Stadtverordneten sind sich einig, dass Neuruppin kinderfreundlich ist. Aber was wäre, wenn das gar nicht stimmt?

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Wie kinderfreundlich ist Neuruppin? Für die Stadtverordneten ist die Antwort klar. Von externen Gutachtern wollen sie sich das aber nicht bestätigen lassen.

Quelle: Peter Geisler/Archiv

Neuruppin. In einem Punkt sind sich fast alle Stadtverordneten einig: Neuruppin ist ganz klar eine kinderfreundliche Stadt. Aber sollte sich die Fontanestadt das auch noch von externen Prüfern mit einem Zertifikat bestätigen lassen? Die meisten Stadtverordneten halten das für überflüssig.

Seit Montag ist klar: Neuruppin wird sich nicht um den offiziellen Titel „kinderfreundliche Kommune“ bewerben. Die 22 000 Euro, die dafür nötig wären, halten viele Stadtpolitiker für Geldverschwendung. Die SPD-Fraktion hatte die Idee der Zertifizierung aufgebracht und musste dafür in den vergangenen Wochen schon heftige Kritik einstecken.

Sechs Städte in Deutschland tragen den Titel bisher

Der gleichnamige Verein vergibt das Siegel seit 2012 an Städte, die sich ganz besonders um die Umsetzung der Kinderrechte verdient machen. Der Verein begleitet und berät die Städte wenigstens vier Jahre lang, bis sie das Zertifikat erhalten können. Ziel soll es unter anderem sein, Kindern mehr Mitbestimmung bei der Gestaltung ihrer Städte und ganz besonders bei allen Fragen zu ihren eigenen Belangen einzuräumen.

Der Verein verlangt von den Kommunen für seine Beratung einen jährlichen Zuschuss, abhängig von der Größe der Stadt. Für Neuruppin wären es je 4000 Euro in vier Jahren, weitere drei Jahre nach der Zertifizierung müsste die Stadt jeweils 2000 Euro zahlen. Sechs Städte haben den Titel bisher bekommen, darunter Senftenberg in Südbrandenburg. Sieben haben ihn beantragt, auch Potsdam.

Formulierungen im SPD-Antrag machen Abgeordnete sauer

Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde hält davon nichts. Mehr noch: Schon durch die Formulierung des SPD-Antrages fühlte er sich provoziert. Niemand wolle unterstellen, dass Neuruppin „besonders kinderfeindlich“ sei, heißt es da. Doch für Golde scheint genau das der Hintergrund der Idee zu sein: Und Kinderfeindlichkeit müsse sich Neuruppin wirklich nicht unterstellen lassen. Die Stadt tue viel für ihre jüngsten Bürger, sei es mit dem Netzwerk gesunde Kinder oder mit dem Jugendbeirat.

CDU-Fraktionschef Heinz Stawitzki findet so ein Zertifikat dagegen gar nicht schlecht. Auch er sei sich sicher, dass Neuruppin kinderfreundlich ist: „Aber warum, sich das nicht auch einmal von außen bestätigen lassen?“

Helmut Kolar will lieber Projekte fördern als für ein Siegel zahlen

Golde warnte vor Folgekosten: 22 000 Euro für das Zertifikat seien das eine. „Allen muss aber klar sein, dass es dabei nicht bleiben wird“, so der Rathauschef. Sollte sich in den vier Jahren herausstellen, dass es doch Defizite gibt, dann müsse die Stadt auch Geld ausgeben, um sie zu beheben.

Grundsätzlich finden die meisten Abgeordneten nichts dabei, die Rechte von Kindern zu stärken. Das Wort „Kinderparlament“ fiel mehrfach. Aber muss die Stadt dafür so viel Geld an einen Verein zahlen? Helmut Kolar von der Fraktion der Bündnisgrünen lehnte das ab. Sein Vorschlag: Neuruppin sollte die 22 000 Euro lieber in Projekte für Kinder stecken, als sie für ein Siegel auszugeben, das letztlich niemanden interessieren wird. Die meisten Stadtverordneten stimmten ihm zu.

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Von Reyk Grunow

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