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Neuruppin: Mehr illegale Abfälle im Wald

Ferkelei im Wald Neuruppin: Mehr illegale Abfälle im Wald

Viele Gartenbesitzer entsorgen ihre Gartenabfälle in der Natur. Der Garten ist wie geleckt, aber an den Waldrändern häufen sich die Abfallberge. Die Entsorgung im Wald ist illegal und kann teuer zu stehen kommen. Die Neuruppiner Oberförsterei will die Schmutzfinken jetzt umerziehen.

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Annett Engelmann findet am Waldrand die Reste von Thuja-Hecken, die dort entsorgt wurden.

Quelle: Cornelia Felsch

Neuruppin. Die Kleingärtner haben ihre Herbstarbeiten beendet, viele Gärten am Stadtrand sind vorbildlich gesäubert. Der Rasen ist vom Herbstlaub befreit; alle Stauden wurden sorgsam abgeschnitten. Doch nur wenige Meter von der Kleingartenanlage am Neuruppiner Stadtpark entfernt sieht es keineswegs so ordentlich aus. Dort häufen sich Schuttberge; die Reste von Baumschnitt, Thuja-Hecken und das vom Rasen entfernte Laub überdecken die illegal entsorgten Müllberge.

Viele Gartenbesitzer sind fälschlicherweise der Meinung, dass Pflanzenabfälle in der Natur entsorgt werden können. Eigentlich ist es doch Bio-Müll beziehungsweise Kompost, und den bringen ja auch die Nachbarn in den Wald. Vereinzelt blühen dort Ringelblumen und Brennnesseln breiten sich aus.„Das ist ein Hinweis auf erhöhte Nährstoffanreicherungen im Boden“, sagt Annett Engelmann. So harmlos, wie es den Anschein haben mag, ist das Entsorgen von Pflanzenabfällen im Wald also keineswegs. „Grünabfälle sind Müll und schädigen den Naturhaushalt“, fügt die Leiterin der Oberförsterei Neuruppin hinzu. Der Wald ist eine genau aufeinander abgestimmte Lebensgemeinschaft, die durch verrottende Gartenabfälle empfindlich gestört wird: Sie können Wurzeln, Zwiebeln, Knollen und Samen von nicht einheimischen Pflanzen enthalten, wie kanadische Goldrute, Riesen-Bärenklau, das Indische Springkraut oder den Japanischen Staudenknöterich. Sie wurden als Zierpflanzen eingeführt, breiten sich nun aus und verdrängen einheimische Pflanzen. Bei der Ablagerung von Rasenschnitt sind die Mikroorganismen und Kleinstlebewesen nicht mehr in der Lage, die zusätzlich anfallende Biomasse in Humus umzusetzen. Schimmel-, Gärungs- und Fäulnisprozesse führen zum Absterben der Organismen. Durch Gehölze, die zum Beispiel beim Obstbaumschnitt anfallen, können Pilzkrankheiten übertragen werden.

Kühlschränke, Möbel, Bauschutt – alles im Wald

Für den Landesforstbetrieb ist es eine endlose Geschichte. „Wenn unsere Waldarbeiter zum Müllsammeln aufbrechen, finden sie immer etwas“, sagt Hoheitsförsterin Birgit Salzwedel. Neben Kühlschränken, Möbeln oder Bauschutt entdecken sie in der Nähe von Eigenheim- und Gartensiedlungen dann auch große Berge von Gartenabfällen. Diese entsorgt die Forst allerdings nicht, denn auf Grund der Mengen und des häufig angefaulten Zustands lässt sich das kaum bewerkstelligen. Das Resultat dieser Misere sind oftmals ständig wachsende Müllkippen, denn dort, wo bereits Unrat vorhanden ist, kommen schnell gefüllte Müllsäcke hinzu. Zwischen 70 und 90 Kubikmeter Müll sammelt die Neuruppiner Oberförsterei pro Jahr ein und entsorgt diesen vorschriftsmäßig. Das geschieht auf Kosten der Steuerzahler, denn die Ausgaben muss der Landkreis übernehmen, der sie wiederum auf die Müllgebühren umlegt.

Der Forstbetrieb hofft nun auf ein Umdenken bei den Gartenbesitzern. „Schließlich sind Gartenliebhaber doch eigentlich Naturfreunde, die auch vom Garten leben. Also müsste es doch möglich sein, dass sie einen Komposthaufen anlegen“, sagt Birgit Salzwedel. „Doch dazu sind viele oft zu faul.“ Das Entsorgen in der Landschaft macht weniger Mühe, es kann allerdings auch teuer werden. Wenn man erwischt wird, kann das bis zu 20 000 Euro kosten, denn illegale Müllentsorgung ist kein Kavaliersdelikt. „Allerdings ist es sehr schwierig, den Leuten etwas nachzuweisen“, sagt Sabine Leske von der Unteren Abfallwirtschaftsbehörde. Mit lustigen farbigen Hinweisschildern, die in den kommenden Wochen aufgestellt werden sollen, wollen die Förster nun die Bürger motivieren, ihre Grünabfälle auf legalem Weg zu entsorgen. Da Grünschnitt nicht verbrannt werden darf, bleibt den Grundstückseigentümern nur der Weg zur öffentlichen Grünabfallsammelstelle auf dem Neuruppiner Flugplatz, in Linow sowie in Heinrichsfelde. Jährlich einmal im Herbst stellt der Landkreis zusätzlich an 300 Standorten Grüngutcontainer auf. Wer es einfacher haben will und nur kleinere Mengen sammelt, kann beim Landkreis eine eigene Biotonne bestellen. Ab Januar 2016 gibt es die neuen Bio-Tonnen, von denen jeder Grundstückseigentümer einen Behälter kostenlos bestellen kann. Pro Leerung, die 14-tägig erfolgt, werden nach aktuellem Stand der Dinge 4,58 Euro berechnet. Neu an den Bio-Tonnen ist der Deckel, der mit einer Gummidichtung und einem eingebauten Bio- Filter versehen ist, der Geruchsbelästigungen verhindert. Die Bioabfälle werden in einer Vergärungsanlage verwertet.

Von Cornelia Felsch

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