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Neuruppin: Mit Kanonen auf Raupen

Sprühaktion gegen Eichenprozessionsspinner Neuruppin: Mit Kanonen auf Raupen

Ab Ende April sollen in Ostprignitz-Ruppin die Raupen des Eichenprozessionsspinners bekämpft werden. Dazu sollen eine Fläche von 441 Hektar aus Luft sowie 3400 einzelne Eichen vom Boden aus mit dem Fraßgift Dipel Es besprüht werden. Die Gesamtkosten für den Einsatz belaufen sich vermutlich auf knapp 150 000 Euro. Gesprüht wird jedoch nicht überall.

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Die Raupen bilden eine Art Prozession an den Eichen.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Beim Kampf gegen die Raupen des Eichenprozessionsspinners vom Boden will der Landkreis in diesem Jahr wieder auf Sprühkanonen setzen, die von einem Traktor aus gesteuert werden. „Traktoren haben mehr Kraft als ein Pickup-Fahrzeug“, sagte Mathias Wittmoser, Ordnungsamtsleiter der Kreisverwaltung in Neuruppin, am Dienstag beim Landwirtschaftsausschuss. Immerhin muss das Fraßgift bis in eine Höhe von 30 bis 35 Metern auf die Blätter der Bäume gesprüht werden. „Wir haben sehr große Eichen“, so Wittmoser.

Im vergangenen Jahr hatte der Kreis das Bekämpfen der Raupen vom Boden aus an eine Firma vergeben, die die Sprühkanone auf einem Auto mit Ladefläche installiert hatte. Der Pickup ist zwar schneller als ein Traktor an den von den Raupen befallenen Eichen. Jedoch erreichte die Sprühkanone mit dem Gift nicht in allen Fällen die Blätter an den oberen Ästen der Bäume. Gleichwohl zeigte sich Amtsleiter Wittmoser mit den Einsätzen im vergangenen Jahr insgesamt zufrieden. Demnach konnten die Fraßschäden in den befallenen Gebieten durch den Einsatz des Fraßgiftes Dipel Es um bis zu 80 Prozent reduziert werden.

255 Patienten meldeten sich wegen der Spinner beim Arzt

„Wir wollen die Raupen nicht ausrotten“, betonte Wittmoser. Das sei trotz des mit den Ämtern, Städten und Gemeinden abgestimmten und einheitlichen Vorgehens im Landkreis auch gar nicht möglich. Es gehe aber darum, dass möglichst wenig Menschen gesundheitliche Probleme durch die giftigen Nesselhaare der Raupen bekommen. Mindestens 255 Patienten hatten sich im vergangenen Jahr in Ostprignitz-Ruppin bei ihrem Arzt gemeldet, weil sie allergisch auf die Nesselhaare reagiert haben. Die Folgen reichen von Juckreiz über Atemwegsbeschwerden bis zu Bindehautentzündungen. Nach Abstimmung mit den Gemeinden, der Forst und dem Landesbetrieb Straßenwesen hat sich der Kreis deshalb entschieden, auch in diesem Jahr mit Gift gegen die Raupen vorzugehen. Allerdings soll lediglich eine Fläche von 441 Hektar aus der Luft besprüht werden. Im Vorjahr war es eine Fläche von 582 Hektar, 2014 sogar 1250 Hektar. Stattdessen wird verstärkt auf das Besprühen befallener Eichen vom Boden aus gesetzt. 3400 Bäume sollen vermutlich ab Ende April mit Sprühkanonen bearbeitet werden. Das sind mehr als doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Damals waren 1400 Eichen mit Dipel Es besprüht worden.

Allein im Amt Neustadt sollen mehr als 1100 Bäume besprüht werden

Schwerpunkt beim Bekämpfen des Eichenprozessionsspinners aus der Luft ist in diesem Jahr das Amt Temnitz. Allein dort sollen fast 144 Hektar besprüht werden. Indes wurden aus dem Amt Neustadt mit mehr als 1100 Eichen die meisten Bäume gemeldet, die mit dem Gift vom Boden aus behandelt werden sollen. Einzig die Stadt Rheinsberg verzichtet in diesem Jahr auf einen mit dem Landkreis abgestimmten Einsatz gegen die Raupen mit den Nesselhaaren. „Wir haben keinen aktiven Befall“, sagte Rheinsbergs Bauamtsleiter Thomas Lilienthal. Um sicher zu gehen, will die Stadt ihre zwei Baumpfleger in vier bis sechs Wochen noch einmal den Eichenbestand kontrollieren lassen. „Wir hatten aber schon im vergangenen Jahr kaum noch Eichenprozessionsspinner“, so Lilienthal.

Bei den Einsätzen müssen strenge Vorgaben eingehalten werden. So dürfen keine Seen, Bäche und Gräben besprüht werden. Vielmehr ist dort ein Abstand von 25 Metern einzuhalten. Bei Vogel- oder anderen Schutzgebieten soll Einzelfallentscheidungen geben.

Von Andreas Vogel

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