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Neuruppin: Neue Ampeln bleiben aus

Teure Anlagen werden wohl gar nicht gebraucht Neuruppin: Neue Ampeln bleiben aus

Ein Jahr nach dem Bau teurer Lichtsignalanlagen an der Autobahnabfahrt Neuruppin Süd prüft der Landkreis Ostprignitz-Ruppin jetzt, ob sie überhaupt gebraucht werden. Rund 100 000 Euro haben die Ampeln gekostet. Bezahlt hat sie das Land, weil der Kreis den Ampelbau angeordnet hatte.

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Erst im Sommer 2014 wurden die Ampeln aufgebaut.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Gut ein Jahr ist es her, dass die alte Brücke an der Autobahnabfahrt Neuruppin Süd durch eine neue ersetzt wurde. Der Neubau war notwendig geworden, weil die alte Brücke in die Jahre gekommen war und beim avisierten sechsspurigen Ausbau der A 24 mehr Platz für die Fahrspuren benötigt wird. Der Landesstraßenbetrieb ließ die Autobahnabfahrt Neuruppin Süd innerhalb von anderthalb Jahren großzügig umgestalten. Dabei wurden auch mehrere Ampeln installiert. Seit Ende August sind genau diese Ampeln aber abgeschaltet. Nicht einmal mehr ein gelbes Blinken weist auf den Kreuzungsbereich hin, die Vorfahrt wird wie früher durch Schilder geregelt.

Kaputt sind die Ampeln nicht. Stattdessen sah sich die Untere Straßenverkehrsbehörde des Kreises veranlasst, die Ampeln außer Betrieb zu nehmen. Es seien Beschwerden von Autofahrern eingegangen, teilte der Kreis mit. Zu beobachten waren lange Rotphasen ohne nennenswerten Verkehr.

Anordnung kam vom Straßenverkehrsamt des Kreises

Fraglich ist, wieso dann überhaupt Ampeln aufgestellt wurden – und wer dafür verantwortlich ist. Angeordnet hat deren Aufbau auf jeden Fall das Straßenverkehrsamt des Landkreises Ostprignitz-Ruppin. Das ist für sämtliche Schilder und Lichtsignalanlagen an den Straßen zwischen Kleinzerlang und Königshorst zuständig, auch an denen des Landes. Wenn das Amt darauf besteht, muss der Landesstraßenbetrieb Ampeln bauen.

Billig waren die nicht. Alle Ampeln zusammen haben rund 100 000 Euro verschlungen, rechnet Cornelia Mitschka vom Landesbetrieb für Straßenwesen in Dahlwitz-Hoppegarten vor. Bezahlt wurden die vom Land Brandenburg, das auch für die laufenden Kosten aufkommen muss.

Anwalt hält die Anlagen für unnötig

Volker Krane hat sich von Anfang an gefragt, was die Ampeln dort sollen. Der Neuruppiner Rechtsanwalt ist Mitglied im Vorstand des ADAC Berlin-Brandenburg, zuständig für alle Verkehrsfragen. „Aus meiner Sicht sind die Ampeln dort nicht notwendig“, sagt Krane. „Besonders aus Richtung Fehrbellin ist das Verkehrsaufkommen so gering, dass Autos sich eigentlich problemlos einordnen können.“

Aber warum wollte der Landkreis dann überhaupt Ampelanlagen? Das lässt sich im Nachhinein offenbar so einfach nicht klären. Der Landesstraßenbetrieb habe auf den Bau der Ampeln gedrängt, teilt Kreissprecherin Britta Avantario auf Nachfrage mit. Das Amt habe sich davon überzeugen lassen und dem deshalb zugestimmt.

Landesbetrieb schiebt dem Kreis den Schwarzen Peter zu

Das weist Cornelia Mitschka zurück: „Der Landesbetrieb bearbeitet nur die baulichen Anlagen. Der Verkehr darauf ist nicht unser Bier.“ Heißt übersetzt: Der Landesbetrieb sorgt dafür, dass Straßen und Schilder gebaut werden – wie sie gebaut werden müssen, entscheiden aber andere. Der Schwarze Peter liegt für Mitschka bei der Kreisverwaltung in Neuruppin und nicht beim landeseigenen Straßenbetrieb: „Wir haben mit dem Verkehr nichts zu tun. Darum sind wir auch nicht interessiert an solchen Lichtsignalanlagen.“

Ob die Ampel wirklich gebraucht wird oder nicht, will der Kreis nun in den nächsten Monaten prüfen. Der Verkehr soll überwacht werden. Bis Februar 2016 soll diese Phase dauern. Danach soll entschieden werden „wie weiter zu verfahren ist“, so Kreissprecherin Britta Avantario.

Und was, wenn sich herausstellt, dass die Ampel völlig unnötig ist? Vielleicht kann das Land sie ja im Internet versteigern: Lichtzeichenanlage abzugeben, kaum benutzt, leicht angestaubt.

Von Mischa Karth

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