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Neuruppin: Skelette unterm Rummelplatz

Bauarbeiter finden alten Friedhof Neuruppin: Skelette unterm Rummelplatz

Archäologen haben am Mittwoch zehn Gräber in der Neuruppiner Innenstadt freigelegt. Sie gehören zum einstigen Armenfriedhof, der sich bis zum Stadtbrand 1787 dort befand, wo heute der Bernhard-Brasch-Platz liegt. An dessen Rand entsteht gerade eine neue Trafostation für die Fahrgeschäfte des Martinimarktes, des größten Rummels der Region.

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Die Archäologen legen jedes Grab penibel frei.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Der Zeitplan wird knapp: Bis Ende Oktober soll die neue Trafostation für die großen Fahrgeschäfte des Martinimarktes am Rande des Neuruppiner Braschplatzes fertig sein. Doch schon kurz nach dem Beginn der Bauarbeiten stehen sie wieder still. Genau dort, wo der Trafo sechs Meter tief in der Erde versenkt werden soll, wurden Gräber entdeckt. Jetzt haben erst einmal die Archäologen das Sagen.

Überraschend sind die Funde nicht, sagt Detlef Jakob von den Stadtwerken, die den Bau der Trafostation für den Martinimarkt in Auftrag gegeben haben. „Wir wussten, dass dort etwas ist“, sagt der Betriebsingenieur.

Heutiger Platz entstand erst mit dem Wiederaufbau

Aus alten Aufzeichnungen geht hervor, dass dort, wo die Bauleute jetzt die Grube ausheben müssen, früher der Armenfriedhof der Stadt lag. Der heutige Bernhard-Brasch-Platz entstand erst mit dem Wiederaufbau Neuruppins nach dem Stadtbrand 1787. Vorher lag das Gelände vor der Stadtmauer des alten Neu-Ruppins. Äcker und Gärten gab es dort. Bereits 1433 wird an dieser Stelle das St.-Gertrud-Hospital erwähnt. Außerdem ein Armenfriedhof, auf dem all jene Menschen bestattet wurden, die sich keine ordentliche Beerdigung leisten konnten. Nach dem großen Brand wurde das Gelände für die Erweiterung der Stadt verwendet.

Die Skelette liegen knapp einen Meter unter der Erdoberfläche

Die Skelette liegen knapp einen Meter unter der Erdoberfläche.

Quelle: Peter Geisler

Am Dienstag hat eine Tiefbaufirma damit beginnen, an der Kreuzung von Präsidenten- und Friedrich-Engels-Straße Spundwände in die Erde zu rammen. Diese Wände sind nötig, um die Baugrube zu sichern, die dort für den Bau des neuen Stromanschlusses ausgehoben werden muss.

Die Arbeiter haben nur kurz gegraben, bis sie auf die ersten Skelette stießen. Knapp einen Meter unter der Erdoberfläche legten Archäologen am Mittwoch erste Gräber frei. Bis zum Abend hatten sie etwa zehn Skelette in der Erde entdeckt. Jedes einzelne Grab muss nach und nach vorsichtig gesichert werden. Sämtliche Funde werden dann vermessen, geborgen und später an das Archäologische Landesmuseum in Wünsdorf südlich von Berlin übergeben.

Wie lange das dauert, war am Mittwoch noch unklar. Detlef Jakob von den Stadtwerken hatte ursprünglich gehofft, dass die Archäologen ihre Arbeit noch am Mittwoch oder spätestens am Donnerstag beenden können. Damit sie möglichst schnell vorankommen, hatten die Mitarbeiter der Firma Dressler sogar Kollegen nach Neuruppin geholt, die eigentlich auf der Baustelle für die B 167 in Dabergotz zu tun hatten. Doch die Funde am Braschplatz sind so umfangreich, dass die Bauleute noch etwas Geduld brauchen, bis sie loslegen können.

Munition wird in der Baugrube eher nicht vermutet

Jakob ist immerhin froh, dass den Stadtwerken in Neuruppin Funde wie in Oranienburg erspart bleiben. Dort sind Erdarbeiten fast immer mit einer aufwändigen und teuren Suche nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg verbunden. Neuruppin wurde bei Weitem nicht so oft von Bomben getroffen wie Oranienburg. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst der Polizei hatte deshalb keine Bedenken gegen die Arbeiten.

Am 30. Oktober soll der Martinimarkt in diesem Jahr eröffnet werden. Der neue Stromanschluss müsste eigentlich schon vorher fertig sein. Jakob hofft, dass das zu schaffen ist – garantieren kann er das allerdings nicht: „Man weiß nie, was noch dazwischen kommt.“ Möglicherweise sind die jetzt entdeckten Gräber nicht die einzigen. Auf vielen Friedhöfen wurden Tote früher in mehreren Ebenen übereinander bestattet. Ob das auch an dieser Stelle der Fall war, wird sich wohl erst herausstellen, wenn die Archäologen es geschafft haben, die bisher entdeckten Skelette zu bergen. Neue Funde könnten die Bauarbeiten zusätzlich verzögern.

Gleich nebenan soll noch in diesem Jahr eine weitere Baustelle eröffnet werden: Neuruppin hat mit den Stadtwerken vereinbart, dass zumindest die Tiefbauarbeiten für den nächsten Abschnitt der Friedrich-Enges-Straße noch 2015 beginnen, sagt Vize-Bürgermeister Arne Krohn. Am Dienstag gab es dazu bereits eine Anwohnerversammlung. Wann genau die Arbeiten starten und wann die Friedrich-Engels-Straße wieder gesperrt wird, konnten am Mittwoch aber weder die Stadtverwaltung noch die Stadtwerke sagen.

Von Reyk Grunow

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