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Ostprignitz-Ruppin Neuruppin: Teurer Schutz für Nachtigallen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin: Teurer Schutz für Nachtigallen
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02:17 06.12.2015
Die Stadtwerke haben keine Verwendung mehr für ihre Grundstücke am alten Wasserwerk – die Stadt allerdings auch nicht. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Für den Schutz von Nachtigallen soll die Stadt Neuruppin knapp 200 000 Euro ausgeben. So viel soll die Fläche rund um das ehemalige Wasserwerk an der Trenckmannstraße kosten, die die Stadtwerke Neuruppin an die Stadt verkaufen wollen.

Der städtische Bauausschuss hatte den Deal vor zwei Wochen abgelehnt – auch weil dort unklar war, was Neuruppin mit dem Grundstück eigentlich anfangen soll. Der Hauptausschuss stimmte jetzt in dieser Woche überraschend dafür, dass Neuruppin den Stadtwerken das Stückchen Wald abkauft, obwohl noch immer entscheidende Fragen offen sind. Eine davon: Warum soll die Fläche eigentlich so teuer sein? Das konnte auch Neuruppins Liegenschaftsamtsleiter Tobias Schäfer auf Nachfrage im Ausschuss nicht genau klären.

Das umstritten Areal ist im Bebauungsplan für das Wohngebiet Sonnenufer eigentlich als eine Art Stadtteilpark vorgesehen. Tatsächlich handelt es sich um eine mehr oder weniger verwilderte Fläche, durch die sich einige unbefestigte Fußwege ziehen. Die Fläche gehört den Stadtwerken seit Langem, doch die können damit nichts mehr anfangen. Weil das Land als Grünfläche definiert ist, darf es nicht bebaut werden.

Stadt und Stadtwerke hatten vor Jahren einen möglichen Kaufpreis für das Areal ausgehandelt: 7,50 Euro pro Quadratmeter. Das Geschäft kam allerdings nie zustande. Jetzt hat Bürgermeister Jens-Peter Golde laut Amtsleiter Schäfer entschieden, dass Neuruppin der Forderung der Stadtwerke nachgeben und der städtische Tochterfirma die Grünfläche abkaufen soll. Inzwischen wollen die Stadtwerke allerdings 15 Euro pro Quadratmeter.

Weder Stadtwerke noch Stadt können mit dem Areal etwas anfangen

Im Bauausschuss gab es arge Zweifel am Sinn des Geschäftes. Zumal auch Neuruppin mit der Fläche nichts anfangen kann. Das Areal soll „so bleiben, wie es ist“, erklärte Baudezernent Arne Krohn auf Nachfrage noch einmal. Zum einen würden die Anwohner gar nicht wollen, dass die natürliche Fläche zu einem ordentlichen Park umgestaltet wird. Zum anderen wären Veränderungen auch aus Gründen des Vogelschutzes nicht gut: In den Bäumen am alten Wasserwerk nisten Nachtigallen und die seien in Siedlungsgebieten sehr selten und sollten deshalb geschützt werden.

Warum Neuruppin jetzt doppelt so viel zahlen will, als einst vereinbart, blieb im Hauptausschuss aber unklar. „Dieser Preis ist zulässig“, hatte Amtsleiter Schäfer lediglich erklärt und sich auf eine Festlegung des Landkreises berufen: Der habe ausgerechnet, dass für Grünfläche fünf bis zehn Prozent des Preises von Bauland anzusetzen sind. Die Parzellen im Wohngebiet Sonnenufer haben rund 150 Euro pro Quadratmeter gekostet – für die Grünflächen wären damit 15 Euro durchaus zulässig. 7,50 Euro allerdings auch.

Fragen bleiben auch bei einem zweiten Grundstücksgeschäft, dem der Bauausschuss erst abgelehnt, der Hauptausschuss jetzt aber zugestimmt hat. Die Stadtwerke haben sich bereiterklärt, nördlich der Panzerkaserne 72 Hektar Land von der Stadt zu kaufen und dafür 734 000 Euro zu zahlen. Umgerechnet sind das etwa 1,01 Euro pro Quadratmeter.

Das klingt zwar nach einem Schnäppchen – doch sind die tatsächlichen Kosten für das Geschäft offenbar noch gar nicht absehbar sein. Die Stadtwerke wollen auf dem Areal sogenanntes Energieholz anpflanzen. Alledings gilt das Gebiet des einstigen Panzerübungsplatzes als belastet mit Munition und eventuell auch anderen Altlasten. Was und wie viel dort liegt, weiß so ganz genau niemand. Noch weniger ist bekannt, wie teuer die Beseitigung der Altlasten ist. Konkrete Zahlen hat weder die Stadtverwaltung, noch kennen sie die Stadtwerke-Geschäftsführer. Die Kosten für die Altlasten sollen aber die Neuruppiner Stadtwerke bezahlen, zusätzlich zum Kaufpreis.

Von Reyk Grunow

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