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Neuruppin: Verdi erhöht den Druck

Mehr als 150 Leute machen bei Warnstreik mit Neuruppin: Verdi erhöht den Druck

Mit einem Warnstreik in Neuruppin hat die Gewerkschaft Verdi am Mittwoch in Neuruppin den Druck auf die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst erhöht. In der Fontanestadt demonstrierten mehr als 150 Leute für mehr Geld und dagegen, dass Mitarbeiter vielfach nur befristet und in Teilzeit eingestellt werden.

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Die Demonstranten zogen ebenfalls am Neuruppiner Rathaus vorbei.

Quelle: Andreas Vogel

Neuruppin. Sie sind nicht zu übersehen – und durch die vielen Trillerpfeifen auch nicht zu überhören: Mehr als 150 Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes sind am Mittwoch in Neuruppin dem Aufruf der Gewerkschaft Verdi zu einem Warnstreik gefolgt. Der Tross zog am Morgen vom Gebäude in der Kreisverwaltung an der Heinrich-Rau-Straße in die Innenstadt zu Sparkasse, Rathaus, Landratsamt und Feuerwehrwache und dann wieder zurück zur Raustraße, stets begleitet von mehreren Polizeifahrzeugen.

Verdi fordert auch mehr Geld für Auszubildende

„Wir wollen den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen und zeigen, dass die Leute bereit sind, für ihre Forderungen auch auf die Straße zu gehen“, sagt Erich Mendroch, Landesbezirksfachbereichsleiter von Verdi. Die Gewerkschaft fordert sechs Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes sowie 100 Euro mehr für die Auszubildenden. Diese sollten zudem eine generelle Übernahmegarantie erhalten, wenn sie ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben. „Der öffentliche Dienst muss attraktiv bleiben, um für die Bürger auch in Zukunft eine gute Dienstleistung anbieten zu können“, so Mendroch. Dazu gehöre, dass Lehrlinge mehr Geld erhalten. Denn angesichts des Geburtenknicks nach der Wende werde auch der öffentliche Dienst künftig immer mehr mit der Industrie, dem Gesundheitsbereich und anderen Ausbildungsgebieten um neue Lehrlinge konkurrieren.

Mitarbeiter erhalten oft nur befristete Verträge

Ramona Sommer macht noch ein ganz anderes Problem zu schaffen. Die Mitarbeiterin des Jobcenters in Ostprignitz-Ruppin kritisiert, dass im öffentlichen Dienst Mitarbeiter immer öfter nur befristet und in Teilzeit eingestellt werden. „Das ist eine große Sauerei.“ Denn aus ihrer Sicht gibt es weder für das Gros der Befristungen noch für die meisten Teilzeitverträge eine akzeptable Begründung. „Die Arbeitsbelastung bei vielen Kollegen ist sehr hoch.“ Gleichwohl blocke der Arbeitgeber in vielen Fällen das gewünschte Aufstocken der Arbeitszeit ab, bestätigt Gewerkschafter Mendroch. Er verweist auf eine bundesweite Studie. Demnach ist die Zahl der befristeten Arbeitsverträge im öffentlichen Dienst von 17,5 Prozent im Jahr 2004 auf fast 36 Prozent im Jahr 2013 gestiegen. Eine ähnliche Tendenz gibt es demnach ebenfalls bei den Teilzeitverträgen.

Neues Angebot der Arbeitgeber erwartet

Ramona Sommer befürchtet zudem, dass die Arbeitgeber künftig weniger in die Betriebsrente einzahlen werden. „Das geht nicht. Das wäre ein falsches Signal“, betont sie. Bislang zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer je die Hälfte für die Altersversorgung ein. Doch gibt es Pläne, dieses System zu Lasten der Arbeitnehmer zu ändern. Auch das will die Gewerkschaft verhindern. Jetzt kämpft Verdi aber zunächst mal für die Lohnerhöhung. Die Arbeitgeber haben die Forderungen nach sechs Prozent mehr Geld zurückgewiesen. Sie sind lediglich zu einem Plus von einem Prozent bereit. „Das ist indiskutabel“, sagt Gewerkschafter Mendroch. Verdi erwartet deshalb für die nächste Verhandlungsrunde am 28. und 29. April in Potsdam ein neues Angebot der Arbeitgeber. Wenn das nicht kommt, droht bundesweit ein Streik im öffentlichen Dienst. Viele Gewerkschafter scheinen dazu bereit zu sein. Beteiligten sich doch in Neuruppin ebenfalls Mitarbeiter aus vielen anderen Verwaltungen am Warnstreik, darunter Beschäftigte aus Lindow, Heiligengrabe, Kyritz, Neustadt und Wittstock. Selbst 20  Beschäftigte des öffentlichen Dienstes aus dem Havelland demonstrierten mit, und die Mitarbeiter des Bauhofes aus Pritzwalk (Prignitz) kamen nahezu komplett, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Entsprechend zufrieden zeigte sich Verdi. „Wir haben einen Warnschuss abgegeben. Nun liegt es an den Arbeitgebern, wohin die Reise geht“, sagt Mendroch.

Anfang der Woche hatte es bereits erste Warnstreiks von Verdi gegeben. In Potsdam beteiligten sich daran etwa 250 Leute, in Prenzlau (Uckermark) waren es 120. Für Donnerstag plant Verdi Warnstreiks in Cottbus und Berlin, nächste Woche auch in Oranienburg.

Von Andreas Vogel

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