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Ostprignitz-Ruppin Neuruppin: Wenn das Heim zum Zuhause wird
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin: Wenn das Heim zum Zuhause wird
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02:17 13.09.2015
Monika Mozarski, Rolf Wessel und Wilhelm Max Georg Papenbrock (r.) fühlen sich wohl in der Obdachlosenunterkunft K 6. Quelle: Frauke Herweg
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Neuruppin

Sie nennen ihn „Käptn“. Weil er so einen schönen weißen Vollbart wie die Werbefigur auf der Fischstäbchenpackung hat. Mit Booten hat Wilhelm Max Georg Papenbrock dabei gar nicht viel am Hut. Er trägt zwar einen blauen Seemannspullover. „Aber das“, so sagt der 66-Jährige mit einem Augenzwinkern, „ist eigentlich nur Show“.

Seit September vergangenen Jahres lebt Papenbrock wieder in Neuruppins Obdachlosenunterkunft K 6. Vorher hatte er es eine Weile mit einer eigenen Wohnung versucht. Doch als er wochenlang nichts mehr von sich hören ließ und die Sozialarbeiterinnen sich ernsthaft Sorgen um den in sich gekehrten Mann machten, kehrte er zurück in die Kommissionsstraße. „Das ist mein Zuhause“, sagt er. „Hier bleibe ich.“

Gemeinsam mit Rolf Wessel, den sie „Rolli“ nennen, bewohnt Papenbrock ein Zweierzimmer. Männerwirtschaft. Manchmal am Sonntag kocht Max Georg Papenbrock für seinen Zimmernachbarn. Die beiden scheinen gut miteinander klarzukommen, auch wenn ihr Ton mitunter rau ist. Rolf Wessel, schlank mit markantem Bart, lebt seit zwölf Jahren im K 6. Nur wenige wohnen schon so lange wie er dort. Auch er hat es mal für einige Jahre mit einer eigenen Wohnung probiert. Es ging nicht gut. Er kam zurück. „Hier sind alle meine Kumpels.“

Bevor Wessel 2003 seine Wohnung in Dessow verlor, war er jahrelang als Wanderschäfer unterwegs. 4000 Tiere, mit denen er im Sommer wie im Winter draußen war. „Bis nach Schwerin hab ich die hochgeführt“, sagt er. „Weihnachten, Ostern, Geburtstag gab es bei mir nicht, ich war kaum zu Hause.“ Als sein Chef ihm keinen Lohn mehr für die harte Arbeit zahlen konnte und sich die Schulden häuften, stand Wessel auf der Straße. Im Rathaus schickten sie ihn mit dem Bauhofauto zur Obdachlosenunterkunft.

Die Sozialarbeiterinnen versuchten, sein Leben neu zu ordnen. Wessel, freundlich und auch ein wenig schüchtern, hatte damals keine Krankenversicherung, keine Rentenversicherung, keine Meldeadresse, kein Geld vom Amt. „Ich war freiläufig“, sagt der 54-Jährige. „So amtlicherseits.“ Sozialarbeiterin Birgit Boerger drückt es anders aus. „Er war nirgendwo registriert“, sagt sie. „Es hat ihn eigentlich gar nicht gegeben.“

Inzwischen ist alles geregelt. „Endlich ist Ruhe“, sagt der ehemalige Traktorist. Rolf Wessel kann sich nicht vorstellen, noch mal in eine eigene Wohnung zu ziehen. „Alles, was ich brauche, ist hier“, sagt er. „Das ist meine Familie.“

32 Plätze könnte die Obdachlosenunterkunft bieten. Etwa zehn von ihnen sind von Dauergästen wie Wessel und Papenbrock belegt. Eigentlich, so Sozialarbeiterin Doris Engel, müsste sie sich mit ihren Kolleginnen darum bemühen, jeden Bewohner auf ein Leben in einer eigenen Wohnung vorzubereiten. Doch die 53-Jährige weiß längst, dass einige Unterkunftsgäste mit einer eigenen Wohnung komplett überfordert wären. Wer Konflikte kaum aushält, Briefe vom Amt nicht öffnet und vielleicht auch zu viel trinkt, kann sich nur schwer um sich selbst kümmern.

Als die Obdachlosenunterkunft vor einigen Jahren selbst in Nöten war und die Jobs der Sozialarbeiterinnen auf der Kippe standen, gingen die Bewohner des K 6 auf die Straße. Vor der Tür der Unterkunft hingen sie ein Protestplakat auf. „Sie hatten Angst um ihre Betreuung“, sagt Birgit Boerger. Wer im K 6 lebt, ist darauf angewiesen, dass jemand hilft, das Leben zu ordnen. Selbst Menschen, die inzwischen in eigenen Wohnungen leben, kommen noch regelmäßig auf einen Plausch vorbei. Einige fast täglich.

Monika Mozarski hatte drei Jahre auf der Straße gelebt, als sie das erste Mal im K 6 aufschlug. Gemeinsam mit einem Kumpel war sie mal durch Hannover, mal durch Dresden, mal durch Potsdam gezogen. Über die Gründe für ihre Obdachlosigkeit redet die 51-Jährige nicht gern. In Tarmow, wo sie einmal verheiratet war, war ihre Ehe zerbrochen. Was später geschah, behält die zierliche kleine Frau lieber für sich.

Als ihr eine ebenfalls obdachlose Bekannte die Unterkunft in der Kommissionsstraße empfahl, versuchte sie damals volltrunken dort einzuziehen. Nach einer Entgiftungskur in Schönbirken bei Lindow kehrte sie vor neun Jahren dorthin zurück. Auch Monika Mozarski wünscht sich, dass sich in ihrem Leben möglichst nichts mehr ändert. Manchmal spielt sie Skat mit den anderen. „Ich kann meine Leute hier sehr gut leiden“, sagt sie. „So könnte es bleiben.“

Von Frauke Herweg

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