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Ostprignitz-Ruppin Windkraft: Planer sagen Sitzung ab
Lokales Ostprignitz-Ruppin Windkraft: Planer sagen Sitzung ab
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18:00 26.07.2018
Mehr als 900 Windräder stehen bereits in der Region. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Das Kippen des Regionalplanes Havelland-Fläming durch das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat erste Auswirkungen auf die Planungen für den sogenannten Windplan in der Region Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel.

Denn die für Dienstag, 31. Juli, geplante Sitzung des Regionalvorstandes in Neuruppin wurde kurzfristig abgesagt. „Wir wollen erst die schriftlichen Begründungen für die acht Urteile zum Regionalplan Havelland-Fläming sehen“, sagte am Donnerstag Ansgar Kuschel, der Leiter der Planungsstelle in Neuruppin. Demnach wird die Sitzung vermutlich erst Ende August nachgeholt. Bis dahin sollen die schriftlichen Urteile vorliegen und ausgewertet sein.

Luftholen in Rohrlack

Für Leonhard Schuster bedeutet das ein Luftholen. Schuster lebt und arbeitet seit 18 Jahren in einer sozialtherapeutischen Lebenswerkgemeinschaft, die in den Dörfern Rohrlack und Vichel im Amt Temnitz 39 Wohnheimplätze sowie 40 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung betreibt. Obwohl die Heim- und Arbeitsplätze in der Region seit Langem anerkannt sind, sind sie laut Schuster nun gefährdet – denn es gibt Pläne, dass in der Nähe 23 Windkraftanlagen entstehen, die bis zu 240 Meter hoch sind und bis zu einer Nähe von 1000 Metern an die Wohnungen heranreichen können.

„Die Windräder werden als Bedrohung empfunden“, sagt Schuster. Denn viele Menschen mit Behinderungen seien sehr sensibel und reagierten auch besonders auf Veränderungen in ihrer Umgebung wie Lautstärke, Lärm, Bewegungen und Blinklichter.

Ein Abstand von 3000 Metern gefordert

Schuster hat deshalb so ziemlich vieles versucht, damit das Windradprojekt nicht in den neuen Windplan der Regionalen Planungsgemeinschaft aufgenommen wird und umgesetzt werden kann.

Er hat mit Regionalräten, mit Planern, mit Landtags- und Bundestagsabgeordneten verschiedener Parteien gesprochen. Es sei ein Mindestabstand von 3000 Metern notwendig, damit die Bewohner der Werkstätten nicht beeinträchtigt werden, sagt Leonhard Schuster.

Leonhard Schuster (r.), Bäcker Volker Apitz und der CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke (l.) prüfen die Windradpläne für Rohrlack. Quelle: Andreas Vogel

Dennoch sind die Pläne für die Windriesen bei Rohrlack weiterhin im neuen Windplan enthalten, der im September von der Regionalversammlung verabschiedet werden soll. „Das ist in Rohrlack kein Klinikstandort, sondern von der Gemeinde als dörfliches Mischgebiet ausgewiesen“, sagt der Planungschef Kuschel. Deshalb könne nur ein Mindestabstand von 1000 Metern ausgewiesen werden.

Schuster ist entsetzt darüber. Habe doch der Trägerverein der Werkstätten Anfang der 1990-er Jahre bewusst entschieden, die Einrichtung in ein bestehendes Dorf zu integrieren und damit die Voraussetzungen zu schaffen, die Bewohner bestmöglich einzugliedern. „Ich habe das Gefühl, wir sind einfach von den Planern übersehen worden“, sagt Schuster.

Petitionsausschuss verlangt Antworten

In seiner Not hat er sich Anfang Juli auch an den Petitionsausschuss des Landtages um Hilfe gewandt. In dem Brief, welcher der MAZ vorliegt, fordert er einen Mindestabstand von 3000 Metern zu den 240 Meter hohen Windrädern. Das Schreiben scheint beim Petitionsausschuss Eindruck hinterlassen zu haben. Denn das Gremium verlangt in einem 20-seitigem Brief von der Regionalen Planungsgemeinschaft in Neuruppin genaue Auskunft. Planungschef Kuschel hat sich den Brief zwar noch nicht genau angeschaut, doch er glaubt nicht, dass deshalb der Entwurf des Regionalplanes nochmal geändert wird. „Wir müssen vergleichbare Entscheidungen treffen“, sagt Ansgar Kuschel. Ansonsten werde das Verwaltungsgericht den gesamten Plan kippen.

Das wollen wohl weder die Planer noch die vielen Bürgerinitiativen in der Region, die gegen den weiteren Bau von Windrädern kämpfen. Denn würde das Gericht den neuen Windplan kassieren, dürften überall außerhalb von Ortschaften Windräder gebaut werden. Grund: Laut Bundesbaugesetz handelt es sich beim Bau von Windrädern um sogenannte privilegierte Anlagen.

Schuster lässt sich von dieser Argumentation nicht abschrecken. Er hofft, dass wenigstens die Höhe der geplanten Anlagen auf 140 oder 150 Meter begrenzt werden kann – auch weil es noch gar keine Schallmessungen für 240 Meter hohe Windräder gebe.

Von Andreas Vogel

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