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Ostprignitz-Ruppin Neuruppin droht Großtreffen von Neonazis
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin droht Großtreffen von Neonazis
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00:32 12.03.2015
Im Juni soll es in Neuruppin einen Neonazi-Aufmarsch geben Quelle: MAZ
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Neuruppin

Fontane muss herhalten: Kopf und Zitat von Neuruppins berühmtem Sohn schmücken die Werbung für den sogenannten Tag der deutschen Zukunft, der am 6. Juni in Neuruppin stattfinden soll. Rund 500 Neonazis aus der gesamten Bundesrepublik werden an diesem Tag in der Fontanestadt erwartet. Der größte Aufmarsch von Rechtsextremen in Brandenburg seit Jahren droht in Neuruppin stattzufinden.

In den vergangenen Jahren waren Neonazis beim sogenannten Tag der deutschen Zukunft durch Dresden, Wolfsburg und Hamburg marschiert. Jetzt ziehen sie ins ungleich kleinere Neuruppin. Für die Freien Kräfte Neuruppin/Osthavelland, die Organisator des Aufmarsches sind, eine Art Ritterschlag der neonazistischen Szene. "Eine relativ kleine Gruppe ist so angesehen, dass man ihr ein bundesweites Projekt anvertraut", sagt Gabriele Schlamann vom Mobilen Beratungsteam in Neuruppin. "Jetzt stehen sie unter Druck, dass die Veranstaltung auch etwas wird."

Innenministerium warnt vor den Rechtsextremen

Aktive Szene

In Ostprignitz-Ruppin agiert nach Einschätzung des brandenburgischen Verfassungsschutzes "eine aktive rechtsextremistische Szene". Die meisten Aktivisten sind den Freien Kräften Neuruppin/Osthavelland zuzurechen.

Sie gelten als eine der aktivsten rechtsextremistischen Gruppen in Brandenburg. Die Freien Kräfte Neuruppin/Osthavelland nehmen an Aufmärschen im gesamten Bundesgebiet teil und organisieren regelmäßig eigene Veranstaltungen.

Laut ihrer Selbstdarstellung sind sie "eine ständig wachsende Gruppe junger Revolutionäre ..., welche sozial wie ebenso nationalistisch ist". Die Gruppe existiert seit 2009, ihre Köpfe sind vermutlich schon länger in der rechtsextremen Szene aktiv.

In Neuruppin veranstalteten die Freien Kräfte Neuruppin/Osthavelland 2009 erstmals einen Aufmarsch. Seit 2011 blockierten Gegendemonstranten die Aufmärsche.

Unter dem Motto "Unser Signal gegen Überfremdung" soll beim sogenannten Tag der deutschen Zukunft gegen Zuwanderung und Globalisierung gehetzt werden.

In ihrem Aufruf zum Großaufmarsch warnen die Rechtsextremen vor der vermeintlichen "Verschlechterung ... der wirtschaftlichen Lage der einheimischen Bevölkerung" und dem "kulturellen und geistigen Verfall" des deutschen Volkes. Dahinter steckt die Idee einer völkisch-homogenen Gemeinschaft, die durch fremde Einflüsse bedroht ist.

Schon jetzt laufen Planungen zu Gegenveranstaltungen. Drei größere Gesprächsrunden mit Vertretern der Stadt, der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft hat es nach Auskunft des Aktionsbündnisses "Neuruppin bleibt bunt" schon gegeben. Ziel soll es sein, möglichst viele Orte in der Stadt mit Gegenveranstaltungen zu besetzen.

Nach Einschätzung des Innenministeriums gehören die Freien Kräfte Neuruppin/Osthavelland zu den "aktivsten" rechtsextremistischen Gruppen in ganz Brandenburg". Etwa 15 Rechtsextreme, die bei Veranstaltungen deutlich mehr Leute mobilisieren können, gehören nach Ministeriumsangaben dazu. "Eine führende Person ist der NPD-Stadtverordnete Dave Trick", sagt Ministeriumssprecherin Susann Fischer. Der Neuruppiner soll den Tag der deutschen Zukunft in Neuruppin angemeldet haben. Beobachter der Szene beschreiben Trick und seine braunen Mitstreiter übereinstimmend als "sehr reisefreudig". Die rechtsextreme Szene ist bundesweit gut vernetzt. Veranstaltungen wie der Aufmarsch zum Tag der deutschen Zukunft dienen auch dazu, Kontakte aufzubauen und, so das Innenministerium, "die Szene zusammenzuschweißen".

In Ostprignitz-Ruppin gibt es eine Kultur des Widerstands

Dass die Fontanestadt Neuruppin bislang von rechtsextrem motivierten Abendspaziergängen wie in Oranienburg verschont blieb, ist nach Einschätzung des Mobilen Beratungsteams kein Zufall. "In Ostprignitz-Ruppin gibt es eine Kultur des Widerstands", sagt Gabriele Schlamann. In den vergangenen Monaten hatten Schüler zwei Montagsdemos gegen Fremdenfeindlichkeit organisiert mit bis zu 300 Teilnehmern. Weitere Demonstrationen sollen bis Juni folgen.

Von Frauke Herweg

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