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Ostprignitz-Ruppin Neuruppin erinnert an seine Retter
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin erinnert an seine Retter
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00:17 04.05.2016
Die Mutter von Kirsten Mahling half vor 71 Jahren mit, Neuruppin vor der Zerstörung zu retten. Daran erinnert nun eine Gedenktafel . Quelle: Andreas Vogel
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Neuruppin

Mit einer Gedenktafel an der Uferpromenade erinnert Neuruppin seit Sonntag an die mutigen Einwohner, die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges die Stadt vor der Zerstörung bewahrt haben. Sowjetische Truppen hatten bereits mit schwerer Artillerie Stellung am gegenüberliegenden Ufer in Höhe der heutigen Lindenallee bezogen und per Lautsprecher ein Ultimatum gestellt: Sollte die Stadt nicht bis zum anderen Morgen kampflos übergeben werden, würde Neuruppin von Kanonen in Schutt und Asche gelegt werden. Elfriede Kuhl, spätere Mahling, Hans Solf und Rudi Knolleisen gehörten zu den Mutigen: Die drei kaperten ein Ruderboot und setzten mit einer weißen Fahne als Zeichen der Kapitulation zu den Soldaten über. Weitere Neuruppiner hissten weiße Laken an den Türmen der Kloster- und der Pfarrkirche sowie anderen hohen Gebäuden der Stadt. Dank dieses Engagements wurde die Stadt am 1. Mai 1945 vor der Zerstörung gerettet.

Golde: Der Charme der Stadt wäre verloren gegangen

Daran erinnert die kleine Tafel, die nun am Ufer zwischen Seehotel und Therme steht. Die Idee dafür hatte der Neuruppiner Kreistagsabgeordnete Wolfgang Freese vor gut einem Jahr. Der Bündnisgrüne hätte jedoch nicht gedacht, wie viel Arbeit darin stecken würde. Sind doch bis heute längst nicht die Namen aller Neuruppiner bekannt, die beim Hissen von weißen Laken halfen. „Die Tür der Klosterkirche war verschlossen und musste aufgebrochen werden“, hat der Heimatforscher Siegfried Schwanz aus Karwe in Erfahrung gebracht. Verbürgt ist, dass Pfarrer Reinhold Bittkau, Hermann Jerx, Erich Dieckhoff und Herbert Vick weiße Fahnen am Turm der Klosterkirche angebracht haben. Auch am Gebäude der heutigen Montessorischule hingen weiße Laken. „Der Charme der Stadt wäre ohne das Engagement dieser Leute verloren gegangen“, betonte Bürgermeister Jens-Peter Golde. Denn der sowjetischen Armee war nicht bekannt, dass die Wehrmacht Neuruppin kurz zuvor verlassen hatte.

Gedenktafel wird mit QR-Code ergänzt

Seitdem sich Freese und seine Helfer mit den Geschehnissen vor inzwischen 71 Jahren beschäftigen, melden sich immer wieder Zeitzeugen, am Sonnabend erst eine 96-Jährige. Längst nicht alle Hinweise konnten auf der Tafel berücksichtigt werden. Deshalb erhält diese noch einen sogenannten QR-Code. In diesem werden weitere Informationen verschlüsselt, die mit Hilfe eines Smartphones oder eines Tablet-Computers abgerufen werden können.

Zwei Frauen schauten sich am Sonntag besonders genau die Gedenktafel an: Manuela Güldenpfennig-Usurelu und Kirsten Mahling sind die Töchter von Elfriede Kuhl, die vor 71 Jahren mit über den Ruppiner See zu den Soldaten gerudert war.

Von Andreas Vogel

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