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Neuruppin geht auf Nummer sicher

Standtests für Straßenbäume Neuruppin geht auf Nummer sicher

Die Fontanestadt Neuruppin lässt für 25 000 Euro die Standfestigkeit von 19 alten Bäumen an der Fehrbelliner Straßen prüfen. Gutachter sollen ermitteln, welche Bäume sicher sind und welche vielleicht nicht. Im vergangenen Jahr war vor den Ruppiner Kliniken ein großer Baum nach einem Unwetter umgestürzt.

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Oliver Wendt installiert Messgeräte,die kleinste Bewegungen im Holz des Stammes registrieren.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Oliver Wendt bläst in seine Trillerpfeife. Das Seil, das ein paar Meter über seinem Kopf um den Stamm der mächtigen Eiche gelegt ist, spannt sich. Konzen­triert notiert Wendt die Werte, die auf seinem Computerbildschirm erscheinen. Die Daten werden per Funk von kleinen Messgeräten gesendet, die die Fachleute rund um den Stamm des alten Baumes installiert haben. Die Geräte ermitteln bei jedem Seilzug, wie sehr sich der Baum neigt und welche Spannungen im Holz des Stammes entstehen. Aus diesen Daten lässt sich später errechnen, wie standsicher die Eiche noch ist.

19 Bäume an der Fehrbelliner Straße lässt die Stadt Neuruppin seit Montag untersuchen. Das Verfahren ist aufwändig und teuer. Rund 25 000 Euro kosten die Tests insgesamt, sagt Neuruppins Stadtsprecherin Michaela Ott. Doch Prüfungen sind wichtig, um feststellen zu können, ob Autofahrern oder Fußgängern eine Gefahr durch die Bäume droht.

Für Gutachterin Tanja Sachs sind solche Tests Alltag. Die Sachverständige aus der Nähe von Heilbronn in Baden-Württemberg und ihre Kollegen haben sich auf solche und ähnliche Prüfverfahren spezialisiert. Nicht viele Sachverständigenbüros können das, schon allein wegen der Kosten: Die hochsensiblen Messgeräte kosten Zehntausende Euro. Dafür registrieren sie Bewegungen des Wurzeltellers oder des Stammes im Tausendstel-Millimeter-Bereich.

Gutachterin Tanja Sachs prüft mit einem Seilzug, wie sehr sich der Baum neigt

Gutachterin Tanja Sachs prüft mit einem Seilzug, wie sehr sich der Baum neigt.

Quelle: Peter Geisler

19 Bäume lässt die Stadt prüfen, 16 davon stehen vor dem Gelände der Ruppiner Kliniken, drei nahe der Sparkasse. Wegen der Größe des Auftrages sind gleich mehrere Büros mit den Tests beauftragt, jedes soll einige Bäume prüfen.

Tanja Sachs hat mit ihrer „Zugprobe“ am Montag begonnen. Die Tests sollen Aufschluss darüber geben, wie gut der jeweilige Baum einen Orkan widerstehen kann. Die meisten ihrer Bäume muss die Stadt einmal im Jahr auf Standsicherheit prüfen, an besonders neuralgischen Stellen auch alle halbe Jahre. Solche Tests wie sie die Stadt Neuruppin jetzt veranlasst hat, kommen allerdings nur in Ausnahmefällen vor.

Die Fehrbelliner Straße ist so ein Ausnahmefall. Dort war im vergangenen Jahr unmittelbar vor den Ruppiner Kliniken ein Baum umgestürzt. Zum Glück ist niemandem etwas passiert, doch der Fall hätte auch anders ausgehen können.

Die Bäume sind 150 bis 200 Jahre alt

Tanja Sachs schätzt die Straßenbäume vor den Ruppiner Kliniken auf etwa 150 bis 200 Jahre. Generell können Eiche deutlich älter werden. „Das hängt sehr vom Standort ab“, sagt die Expertin. Dort an der Fehrbelliner Straße ist der Standort nicht unbedingt ideal. Die Bäume standen bis vor Kurzem so dicht an der Fahrbahn, dass der Stamm schon die Bordsteine verschoben hatte. Die Untere Naturschutzbehörde hatte es deshalb zur Auflage gemacht, dass der Landesstraßenbetrieb die Fahrbahn beim Ausbau der Straße etwas weiter weg verlegen muss.

In der Bauzeit war das Land für den Zustand der Eichen verantwortlich und dafür, dass ihre Wurzeln nicht mehr geschädigt werden als unbedingt nötig. Jetzt, nach dem Ende des Straßenbaus, ist die Zuständigkeit an die Stadt Neuruppin übergangen.

Die will nicht nur auf Nummer sicher gehen, sondern auch retten, was zu retten ist. Dass es in Neuruppin so große Bäume gibt, findet Tanja Sachs toll. Die Bäume prägen für sie das Bild der Stadt. „Neuruppin kann froh sein, dass es hier noch so viele alte Bäum gibt“, sagt die Sachverständige. „Bei uns in Baden-Württemberg und in Bayern ist das kaum noch der Fall.“

Das Auswerten der Daten dauert etwa drei Wochen

Etwa zwei bis drei Wochen wird es dauern, bis die gesammelten Daten aus den Zugtests ausgewertet sind, erst dann lässt sich sicher sagen, wie es um die Bäume steht. Möglicherweise muss der eine oder andere gefällt werden. Um die meisten steht es aber nach dem ersten Augenschein gar nicht schlecht. „Sonst würde man solche aufwändigen Untersuchungen gar nicht erst machen“, sagt Tanja Sachs. Welche Stadt kann es sich leisten, 25 000 Euro auszugeben, wenn von vornherein klar ist, wo überall die Kettensäge angesetzt werden muss?

Den Eichen an der Fehrbelliner Straße könnten einige Bodenverbesserungen zusätzlich helfen. Wichtig sind nicht nur die großen Wurzeln, die dem Baum Halt geben. Wichtig sind auch die vielen kleinen Wurzelhärchen. Wenn es den Wurzeln gut geht, könnten die Eichen noch weitere 50 oder 100 Jahre stehen.

Wegen der Prüfungen muss die Fehrbelliner Straße in dieser Woche immer mal wieder gesperrt werden. Meist dauert das nur wenige Minuten, dann können die Autos weiterfahren.

Von Reyk Grunow

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