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Neuruppin lacht dem Tod ins Gesicht

Sensenmann auf Image-Tournee Neuruppin lacht dem Tod ins Gesicht

Niemand freut sich, wenn er vor der Tür steht – die Rede ist vom Tod. Deshalb poliert der schwarze Gevatter nun an seinem Image. Am Freitagabend kam der namenlose Kabarettist in der schwarzen Kutte ins Neuruppiner Kulturhaus Stadtgarten – mit einem rabenschwarzen Programm zum Totlachen.

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Der Sensenmann und seine stumme Praktikantin Exitussi beim fröhlichen Totentanz. Motto: „Wir arbeiten für Ihr Leben gern“.

Neuruppin. Der Tod tritt gegen 20.20 Uhr ein. Freitagabend im Neuruppiner Stadtgarten. Knapp 150 Neuruppiner merken schnell: Das Leben ist kein Ponyfriedhof. Der Leibhaftige kommt mit dem Zug, die Fahrt ist todlangweilig, aber die Stadt hat es ihm angetan: „Die Straßen wie ausgestorben, der Hund begraben, Totenstille – also, ich mag Neuruppin!“

Dabei hat der Kabarettabend im Kulturhaus mit dem „blühenden Leben“ begonnen: ein schrill-buntes Blumenmännchen unterhält das Publikum mit einem „Protestsong gegen Mitmachsongs“ – für alle zum Mitmachen – bis jemand ruft: „Tod, erlöse uns!“

„Ich räume die Bühne für den Tod. Den habt ihr euch verdient“, antwortet das blühende Leben. Dann wird es düster, Nebel wallen, und er tritt ein: groß, schlank, schwarze Kutte. So martialisch er auftritt, so sanft, fast kindlich ist seine Stimme: „Es heißt, nur die Besten sterben jung. Ist man da nicht beleidigt, wenn man noch da ist?“, fragt er die Neuruppiner.

Das Gesicht des Todes ist unter einer langen Kapuze verborgen. Wer in dem Kostüm steckt, bleibt ein Geheimnis. Der Einzige im Publikum, der es weiß, wird es nicht verraten: „Der Typ hat zusammen mit meiner Tochter studiert“, sagt Wolfgang Freese.

Das Jenseits liegt irgendwo in der Lausitz

Roter Faden durchs schwarzhumorige Programm ist eine Imagekampagne: Der Tod möchte endlich etwas gegen seinen schlechten Ruf tun. Und ja, davon könne man leben, sagt er. Um zu zeigen, dass Tod auch Erlösung sein kann, dilettiert er auf einer Blockflöte. Er will helfen, Ängste abzubauen. Aus seiner Kutte zieht der Schnitter nicht nur einen Bausatz, die „Sense to go“ („todschick, sehr schnittig!“), sondern auch einen Bund roter Knollen und wedelt damit ins Publikum: „So sehen Radieschen von unten aus.“ Das Gemüse fliegt ins Publikum. „Esst ruhig! Vertraut mir! Mjamjamjam!“

Die Neuruppiner lernen, dass selbst der härteste Vegetarier ungern ins Gras beißt, dass den Löffel abzugeben nicht so schlimm ist und dass das Jenseits vermutlich irgendwo in der Lausitz liegt. Im Jenseits gibt es inzwischen nicht nur Schlecker, sondern dank Berlin sogar einen Flughafen: „Wegen mir kann der morgen aufmachen“, sagt der Tod. „Ich halte Brandschutz für völlig übertrieben.“ Als es um Jesus geht, wird der Sensenmann hintergründig: „Erst tot, dann lebendig – also, der Typ ist für mich gestorben“, sagt er beinahe beleidigt – und dann ins Publikum: „Für euch übrigens auch!“

Lustig wird’s plötzlich mit dem Tod

Eine Monika und ein Matthias aus dem Saal kommen schließlich in den Genuss einer Nahtoderfahrung, als der gruselige Gevatter sie zum Quiz auf die Bühne holt. Beide gewinnen eine Woche zusätzliche Lebenszeit. „Ich sage nicht, wann die beginnt. Aber wenn es so weit ist, wisst ihr, ohne den heutigen Abend wäre es eine Woche früher gewesen.“

Mit seinem Programm tritt der Tod auch auf Friedhöfen auf, in Krankenhäusern und in Hospizen – vor Menschen, die wissen, dass ihr Leben bald endet. Er habe dort nur gute Erfahrungen gemacht, sagt der Tod nun ganz ernst. In solchen Einrichtungen herrsche manchmal eine depressive Stimmung, weil Freunde und Verwandte den Sterbenden die ganze Zeit erzählen, wie traurig sie sind – dabei würden viele ihre letzten Tage doch gern fröhlich verbringen. „Es ist paradox: Da muss erst der Tod vorbeikommen, damit es mal lustig wird.“ Spaß hat auch das quicklebendige Publikum im Neuruppiner Stadtgarten. Erstaunlich, wie viele Wortspiele die deutsche Sprache dem Tod bietet. Nach einer Diaschau, skurrilen, aber echten Grabsteininschriften und Tanzeinlagen des Todes mit seiner stummen Assistentin „Exitussi“ ist aber irgendwann die Luft raus und 100 Minuten vor der Geisterstunde endgültig Sense. Etliche holen sich nach der Vorstellung noch den Tod am Verkaufstisch im Foyer: wahlweise als Buch oder als DVD.

Von Christian Schmettow

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