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Neuruppin lässt 56 alte Bäume fällen

Pilze zerstören das Holz Neuruppin lässt 56 alte Bäume fällen

Die Stadt Neuruppin lässt ab Mittwoch 56 alte Straßenbäume entlang der Fehrbelliner Straße und zwischen dem Potsdamer Platz und Nietwerder fällen. Die Bäume sind derart geschädigt, dass sie nicht mehr sicher stehen. Neuruppins Baumwart Hendrik-Hans Hüttich sieht keine vertretbare Alternative zum Fällen.

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Baumwart Hendrik-Hans Hüttich zeigt, wie zerstört das Holz ist. Auch Baudezernent Arne Krohn und Amtsleiterin Marga Reinus sind schockiert.

Quelle: Reyk Grunow

Neuruppin. Auf den ersten Blick sieht der Baum eigentlich ganz stabil aus. Vor vielen Jahren muss einmal ein Auto den Stamm gerammt haben. Die Stelle, an der die Rinde aufgeplatzt war, ist noch zu erkennen. Doch über die Wunde ist längst Moos gewachsen. So schlimm sieht der Schaden gar nicht aus. Das räumt auch Hen­drik-Hans Hüttich ein. Doch der Baumfachmann weiß auch, wo er hingucken muss, um die eigentliche Gefahr zu erkennen: Mit einer 55 Zentimeter langen Stahlnadel sticht er in die von Moos überwachsene Wunde. Eigentlich müsste gleich unter der dünnen grünen Schicht festes Holz kommen. Doch die Nadel bohrt sich in den Stamm wie in einen riesigen Block aus Butter. Die alte Esche bietet keinen Widerstand. Auch nicht beim zweiten Versuch ein paar Zentimeter daneben, beim dritten oder vierten. Hüttich greift zu und seine Hand verschwindet tief im Stamm. „Da ist gar kein Holz mehr“, sagt der Baumwart. Da ist so gut wie nichts, was die tonnenschwere Last des Baumes noch tragen könnte. Der äußere Eindruck der Esche täuscht: Sie ist nicht mehr standsicher. Der Baum könnte beim nächsten Sturm einfach umbrechen, vielleicht genügt sogar ein kräftiger Windstoß.

138 Bäume entlang der Fehrbelliner Straße in Neuruppin hat Hendrik-Hans Hüttich untersucht. Bei 20 hat er eine akute Gefahr festgestellt. Pilze sind über Jahre in die Pflanzen eingedrungen, oft über kleine Wunden, und haben das Holz zersetzt. Je nach Art kann das schnell gehen oder lange dauern. Der Hallimasch gehört zu den aggressiven Angreifern. Hat er sich erst in einer Eiche eingenistet, kann er den Baum innerhalb eines Jahres zum Absterben bringen.

Pilze zerfressen die Bestandteile des Holzes, bis der Baum nicht mehr standfest ist

Pilze zerfressen die Bestandteile des Holzes, bis der Baum nicht mehr standfest ist. Von außen ist das nicht immer leicht zu erkennen.

Quelle: Reyk Grunow

In Neuruppin ist der Pilzbefall in einigen Straßen so stark vorangeschritten, dass die Stadtverwaltung nur noch die Möglichkeit sieht, die alten Bäume fällen zu lassen. Alles andere würde die Sicherheit von Autofahrern, Radlern und Fußgängern zu sehr gefährden. Betroffen sind jetzt vor allem die Fehrbelliner Straße und die Straße vom Potsdamer Platz nach Nietwerder.

Die Untere Naturschutzbehörde und Vertreter mehrerer Naturschutzverbände haben die vernichtende Diagnose zur Allee nach Nietwerder über Wochen genau geprüft und vor wenigen Tagen grünes Licht für die Fällungen gegeben. Auch sie sehen keine Alternative. Die Situation ist derart brisant, dass die Stadt so schnell wie möglich handeln will. Am Mittwoch beginnt eine Firma damit, die ersten Spitzahorne zu fällen. An der Fehrbelliner Straße werden bis Januar weitere 20 massiv geschädigte Eschen und Eichen fallen. Die Firmen sind auch verpflichtet, die Wurzeln auszufräsen und einen Teil des Bodens auszutauschen, damit später wieder Bäume nachgepflanzt werden können. Dass neue Bäume kommen sollen, das steht fest. „Es handelt sich um eine Allee. Wir wollen den Alleecharakter erhalten und sind auch dazu verpflichtet“, sagt Neuruppins Tiefbaufachfrau Uta Pirk. Nur welche Bäume und wie sie gepflanzt werden, damit sie bessere Wachstumsbedingungen haben als ihre Vorgänger, das mus noch entschieden werden, sagt Neuruppins Vize-Bürgermeister Arne Krohn. Er hofft auf eine große öffentliche Diskussion darüber, denn für Krohn steht fest, dass sich mit den Fällungen und den Neupflanzungen das Stadtbild verändern wird: „Wir leben in einer Zeit des Umbruchs für die Stadtanlage von Neuruppin.“

Von Reyk Grunow

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