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Neuruppin schafft den Absprung

Fehrbellin Neuruppin schafft den Absprung

Zum Ende des Jahres kann Neuruppin endlich den Flugplatz in Fehrbellin verkaufen. Ein privater Investor woll das Geschäft übernehmen, das seit Jahren nur rote Zahlen schreibt. Neuruppin wollte schon viel früher aussteigen, doch die Stadt durfte nicht. Billig wird der Absprung auch jetzt nicht.

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Investor Carsten Milbach ist Unternehmer und Berufspilot. Schon 2010 hatte er sich bereit erklärt, in Fehrbellin einzusteigen.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Auf diesen Tag haben viele Stadtverordnete gehofft; nicht alle waren sicher, dass die Fontane­stadt das Ziel so glimpflich erreicht: In wenigen Wochen soll Bürgermeister Jens-Peter Golde den Vertrag unterzeichnen, mit dem Neuruppin seinen wohl größten Klotz am Bein loswerden wird – den Flugplatz Ruppiner Land in Fehrbellin. Mit dem Geschäft muss die Stadt zwar rund 150 000 Euro Verlust abschreiben. Dafür bleibt sie von allen möglichen Folgekosten verschont. Und die Flugplatzgesellschaft bekommt gleichzeitig eine neue Chance zum Aufstieg.

Zum 1. Januar 2018 will Neuruppin alle seine Geschäftsanteile an der Flugplatzgesellschaft an den Investor Carsten Milbach übergeben. Vor sieben Jahren hatte Milbach mit der Stadt bereits einen Art Vorvertrag unterzeichnet und sich bereit erklärt, nach 2017 als Gesellschafter einzutreten. Trotz des Verlustes, den der Flugplatz nach wie vor schreibt, sieht Milbach eine gute Chance für das Unternehmen. Grundsätzlich wäre er auch früher bereit gewesen, das Unternehmen zu übernehmen. Doch Neuruppin konnte als Hauptgesellschafter nicht so einfach aussteigen. Ein Rückzug vor dem 31. Dezember 2017 hätte den Verlust für die Fontanestadt womöglich noch viel größer gemacht.

Neuruppin hoffte auf ein lohnendes Geschäft – ein Irrtum

2001 hatten die Stadtverordneten von Neuruppin sich nach langer Diskussion entschieden, als Mehrheitsgesellschafter in eine neue Firma einzusteigen, um den Landeplatz in Fehrbellin zu retten. Ohne teure neue Startbahn stand der Flugplatz damals vor dem Aus. Die Gemeinde Fehrbellin sah sich nicht in der Lage, ein so großes Vorhaben allein zu stemmen, auch der Landkreis winkte ab. Neuruppin sah die Investition in einen Flugplatz als Wirtschaftsförderung für die gesamte Region und hoffte zugleich auf reichlich Gewinn in den folgenden Jahren. Über die Stadt ist es gelungen, eine Millionenförderung für die Landebahn zu bekommen.

Doch aus dem erhofften Gewinn wurde nie etwas. Zwar haben sich auf dem und um den Platz etliche Firmen angesiedelt. Die Flugplatzgesellschaft selbst steckt jedoch nach wie vor in den roten Zahlen. Für 2017 ist laut Stadtverwaltung ein Verlust von 27 400 Euro angepeilt. Bei Neuruppin und den städtischen Tochterfirmen steht die Firma mit rund 320 000 Euro in der Kreide.

Drei Gesellschafter tragen den Flugplatz bisher

Der Flugplatz Ruppiner Land in Fehrbellin ist ein Verkehrslandeplatz für kleinere private Flugzeuge. Auf dem Platz gibt es neben einer Fallschirmsprungschule mehrere andere Firmen.

Neuruppin ist mit 70 Prozent der Anteile Hauptgesellschafter der Firma. Der Stadt Fehrbellin gehören 11,6 Prozent, der privaten Lange und Aigner GbR die restlichen 18,4 Prozent.

Unternehmer Milbach will alle Geschäftsanteile übernehmen. Er hat seit 2010 schon viel Geld in Fehrbellin investiert.

Mehrfach war in den vergangenen Jahren schon von einer drohenden Insolvenz die Rede. Die wollte Neuruppin mit aller Macht verhindern. Bei einer Insolvenz hätte die Stadt wohl nicht nur die Darlehen an den Flugplatz verloren, sondern auch noch die Fördermittel für den Bau der Landebahn zurückzahlen müssen. Wenigstens 15 Jahre musste der Flugbetrieb aufrechterhalten werden – bis Ende 2017. Vorher war auch ein Verkauf der Geschäftsanteile nicht möglich.

Jetzt will die Stadt den Vertrag unter Dach und Fach bringen; für den 8. Juni ist ein Notartermin geplant. Carsten Milbach sei bereit, die Firma für einen Euro zu kaufen und 200 000 Euro der Kredite zu übernehmen, heißt es aus dem Rathaus. Auf die Rückzahlung von bis zu 130 000 Euro Darlehen müsste die Stadt wohl verzichten, ebenso auf die 17 500 Euro, die sie 2001 als Gesellschaftsanteil gezahlt hatte. Auch die Anteile der anderen beiden Flugplatzgesellschafter sollen an den Investor gehen.

Von Reyk Grunow

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