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Neuruppin schwächelt beim Volksbegehren

Massentierhaltung Neuruppin schwächelt beim Volksbegehren

Noch immer fehlen tausende Unterschriften für das Volksbegehren gegen Massentierhaltung. Bis zum 14. Januar 2016 müssen 80 000 Brandenburger das Volksbegehren unterstützen, damit sich der Landtag mit den Forderungen nach artgerechter Tierhaltung beschäftigt. Doch gerade in Neuruppin und Wittstock ist das Interesse bislang mau.

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In konventioneller Massentierhaltung können Hennen nicht artgerecht leben, kritisieren die Verfechter des Volksbegehrens.

Quelle: dpa

Neuruppin. Es wird richtig eng. Bis zum 14. Januar müssen die Initiatoren des Volksbegehren gegen Massentierhaltung 80 000 Unterschriften in Brandenburg gesammelt haben, damit sich der Landtag noch einmal mit den Forderungen nach einer artgerechten Tierhaltung beschäftigen muss. Doch erst knapp 60 000 Menschen haben unterzeichnet. Weitere 14 000 haben Briefwahlunterlagen beantragt und noch nicht abgeschickt. „Ab jetzt zählt jeder Tag“, sagt der Zempower Bio-Landwirt und Mitinitiator des Volksbegehrens Wilhelm Schäkel. „Es steht auf des Messers Schneide.“ Noch hält es der 53-Jährige für durchaus möglich, dass die 80 000 Unterschriften zusammenkommen. Allerdings macht er aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Während in Potsdam, Falkensee oder Eberswalde vergleichsweise viele Menschen ihre Unterschrift abgaben, blieb die Resonanz in der Region mau. In Neuruppin sei die Zahl der bisher abgegebenen Unterschriften aus Sicht der Initiatoren katastrophal, sagt Wilhelm Schäkel, der die genauen Zahlen kennt, aber nicht nennen darf. Bislang unterschrieben dort weniger Menschen als im deutlich kleineren Wittstock.

In Wittstock macht die Bürgerinitiative „Wittstock gegen Industriehuhn“ gegen Massentierhaltung mobil. Doch auch Wittstocker gaben bislang weniger Unterschriften ab, als sich die Initiatoren des Volksbegehrens erhofft haben. „Allein in der Mailing-Liste sind so viele Menschen, wie bis jetzt unterschrieben haben“, sagt Schäkel, der sich auch in der Bürgerinitiative engagiert.

Der Bio-Landwirt Wilhelm Schäkel aus Zempow bei Rheinsberg ist Mitinitiator des Volksbegehrens

Der Bio-Landwirt Wilhelm Schäkel aus Zempow bei Rheinsberg ist Mitinitiator des Volksbegehrens.

Quelle: Peter Geisler

Über die Gründe für die bislang verhaltenen Reaktionen in der Region kann Schäkel nur spekulieren. Die Unterschriften für das Volksbegehren dürfen nicht auf der Straße gesammelt werden. Wer unterschreiben möchte, muss dazu auf die Gemeinde oder das Amt gehen. „Diese Hürden haben wir komplett unterschätzt“, meint Wilhelm Schäkel. Auf der Straße befragt würden sich durchaus viele Menschen gegen Massentierhaltung aussprechen – den Gang ins Rathaus scheuten dann mehr als erwartet.

Allerdings muss auch niemand in einer Amtsstube seine Unterschrift leisten. Bis Anfang kommender Woche lassen sich noch Briefwahlunterlagen beantragen, die rechtzeitig zurückgeschickt werden können. Unterstützer werben derzeit, diese Möglichkeit noch zu nutzen. In Wittstock, so Schäkel, wollen Gegner der Massentierhaltung am Wochen­ende auf die Straße gehen und Interessierte für die Zusendung der Wahlunterlagen registrieren.

Warum speziell in Neuruppin bislang das Interesse an dem Volksbegehren so niedrig war, kann sich der Bio-Landwirt nur mit dem Fehlen von Initiativen vor Ort erklären. Grundsätzlich gäbe es in der Fontanestadt durchaus ein Potenzial von Interessierten, glaubt Schäkel. Doch habe es anders als etwa in Wittstock, wo die Bürgerinitiative für das Volksbegehren warb, keine lokalen Vertreter gegeben, die sich für die Sache eingesetzt hätten. „Neuruppin war ein bisschen die tote Zone.“

Tierschützer fordern eine artgerechte Haltung statt großer Mastbetriebe

Tierschützer fordern eine artgerechte Haltung statt großer Mastbetriebe.

Quelle: dpa

Auch wenn es bis zum 14. Januar inzwischen weniger als 30 Tage sind – Schäkel hält es immer noch für möglich, dass ein Volksbegehren zustande kommt. Auch er selbst hat noch nicht unterzeichnet. Viele andere, so hofft er, schicken ihre Unterlagen auch erst kurz vor Ablauf der Frist ab.

Nur noch artgerechte Tierhaltung

Ein Bündnis aus mehr als 40 Organisationen hatte im März 2014 in Brandenburg die Volksinitiative „Stoppt Massentierhaltung“ ins Leben gerufen. Nach der Hälfte der verfügbaren Zeit hatten 34 000 Menschen die Forderungen der Volksinitiative unterschrieben. Der Landtag lehnte die Forderungen im März 2015 jedoch ab. Das Aktionsbündnis beschloss deshalb, ein Volksbegehren zu beantragen. Sollte es gelingen, muss sich der Landtag im Herbst 2016 ein zweites Mal mit den Forderungen auseinandersetzen.

Die Initiatoren des Volksbegehrens fordern unter anderem, dass nur noch art- und tiergerechte Haltungsverfahren gefördert werden. Außerdem soll das Kupieren von Schwänzen bei Schweinen und Schnäbeln bei Hühnern verboten werden.

 

Von Frauke Herweg

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