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Ostprignitz-Ruppin Fest für einen Allesnotierer
Lokales Ostprignitz-Ruppin Fest für einen Allesnotierer
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00:32 17.03.2018
Unterzeichneten am Mittwoch einen Kooperationsvertrag: Brigitte Faber-Schmidt, Kurt Winkler (beide Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte) und Bürgermeister Jens-Peter Golde (r.). Quelle: Frauke Herweg
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Neuruppin

Zärtlichkeitsallüren. Ermutigungspromenade. Durchschnittsmenschenstandpunkt. Theodor Fontane erfand Worte, die bei keinem anderen Autoren zu finden sind. Einige dieser eigenwilligen Wortschöpfungen werden im kommenden Jahr Teil von „fontane. 200/Autor“, der Leitaustellung zum großen Fontane-Jubiläumsjahr im Museum Neuruppin. „Wir wollen keine brave, biografische Ausstellung, die das Leben Fontanes nacherzählt“, kündigt Museumsleiterin Maja Peers-Oeljeschläger an. Vielmehr sollen Museumsbesucher erfahren, wie der Allesnotierer und Vielkorrigierer gearbeitet hat.

Wie erfand er seine Figuren? Woher nahm er seine Ideen? Was ist so typisch an ihm? Darüber sollen In­stallationen in den beiden Haupträumen des Museumsneubaus informieren. Einige von Fontanes Wortspielereien ziehen zudem raus auf die Straßen. „Die Ausstellung wächst aus dem Museum in die Stadt“, so Peers-Oeljeschläger bei der Vorstellung der rund 40 Projekte, die 2019 den 200. Geburtstag des Dichters in der Region feiern.

Neuruppiner Leitausstellung

Rund zwei Millionen Euro fließen in das üppige Festivalpaket, allein 1,2 Millionen Euro sind für die Leitausstellung gedacht, die derzeit von zwölf Mitarbeitern vorbereitet wird. Die Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte und die Stadt Neuruppin unterzeichneten am Mittwoch einen Kooperationsvertrag, der die Aufgaben rund um die Vorbereitung des Festjahres festschreibt. So wird die Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte unter anderem die aufwändige Abrechnung der Fördermittel übernehmen. Auch alle Aufgaben rund um die Organisation der Besucher, des Marketings oder der Online-Tickets sind nun verteilt.

Theodor Fontane, Porträtaufnahme um 1890. Quelle: picture alliance

Mit der Eröffnung der Leitausstellung und einem Festakt in der Kulturkirche am 30. März kommenden Jahres soll das neunmonatige Jubiläumsprogramm beginnen. Danach folgt ein Programm, das von professionell Kulturschaffenden und vielen Ehrenamtlichen auf die Beine gestellt wurde. „Sie alle arbeiten mit Verve für ein zeitgemäßes Bild von Fontane“, sagte Neuruppins Koordinator für das Fontanejahr Mario Zetzsche.

Game-Workshops für Jugendliche

So sollen Jugendliche bei „Word & Play“ – Game-Workshops und einem anschließenden Game-Festival – einen eigenen Zugang zu Fontane entdecken. Fontane sei sehr medienaffin gewesen und habe unterschiedliche Medien genutzt, sagt Zetzsche. „Wenn Fontane heute leben würde, wäre er Blogger.“

Doch wird Fontane nicht allein in seiner Geburtsstadt gefeiert. „Wir tragen Fontane in den gesamten Landkreis hinaus“, sagt Kreissprecherin Britta Avantario. So widmet etwa das Wustrauer Brandenburg-Preußen Museum der Fotografin Marie Goslich, die mit ihrer Plattenkamera durch die Mark Brandenburg wanderte, eine Ausstellung. Das Rheinsberger Tucholsky-Museum versucht in „Unausstehlich und reizend zugleich. Die Brandenburger“ das märkische Selbstverständnis zu ergründen. Und der Netzebander Theatersommer zeigt Fontanes Novelle „Ellernklipp“ als Synchrontheater.

Nachhaltiges Programm

Der Bund unterstützt das Fontane-Jubiläumsjahr mit 770 000 Euro, vom Land kommen 330 000 Euro. „Wer uns kennt, weiß, dass wir nur Geld ausgeben, wenn auch unserer Kinder was davon haben“, sagt Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde. Wichtig sei, mit dem Festprogramm langfristig für die Region zu werben. „Uns geht es um Nachhaltigkeit“, sagt Golde. „Wir geben kein Geld aus für Feuerwerk.“

Neuruppins Fontanebotschafter Mario Zetzsche und Jennifer Fielding vom Potsdamer Fontane-Büro haben bereits bei der ITB Berlin für das Fontanejahr geworben. Quelle: Stephanie Fedders

Bei der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin Anfang März hat Neuruppin bereits kräftig für das Fontane-Jahr geworben (die MAZ berichtete). „Es gab sehr vielversprechende Gespräche mit Reiseveranstaltern“, sagt Koordinator Zetzsche. „Wir sind sehr guter Hoffnung, dass da auch über 2019 hinaus etwas wächst.“

Gefordert: ein-Stunden-Takt zwischen Neuruppin und Wittstock

Dafür müssen die Landesgartenschau in Wittstock und das Fontane-Jubiläumsjahr gut miteinander verknüpft sein. Beide Großprojekte werden füreinander werben, doch müssen beide auch über öffentliche Verkehrsmittel gut angebunden sein. Derzeit lässt das Land nach entsprechenden Forderungen des Landkreises prüfen, ob die Züge des RE 6 im kommenden Jahr an den Wochenenden im Ein-Stunden-Takt fahren können. Im Sommer, so heißt es beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg könnte klar sein, ob ein kürzerer Takt tatsächlich möglich ist.

Wer sich für das Programm des Fontanejahres interessiert, kann inzwischen in einer dicken Broschüre nachlesen, was das Jubiläum alles bietet. Eine erste Auflage war nach der ITB bereits vergriffen. Neue Exemplare sind in Kürze im Bürgerbahnhof Rheinsberger Tor, in den Verwaltungen und Tourist-Informationen zu haben.

Knallgelbe Notizbücher

Gemeinsam mit Gestalterfirmen beraten die Organisatoren des Fontanejahres zudem, mit welchen Mitgebseln Fontane-Begeisterten eine Freude gemacht werden könnte. Einen knallgelben Kuli mit Fontane-Schnurrbart und ein knallgelbes Notizbüchlein gibt es bereits. Besucher der Veranstaltungen sollen „selbst als Fontane durch das Land streifen und sich Notizen machen können“, sagt Kurt Winkler, Geschäftsführer der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte.

Gäste der Region, so wünschen es sich die Organisatoren, sollen den vermeintlich so bekannten Autoren ganz neu und mit allen Sinnen kennen lernen können. So wird der Neuruppiner Tempelgarten die Pflanzen präsentieren, die der Apotheker Theodor Fontane in seinen Werken beschrieb. Gastronomen arbeiten zudem an einem Fontane-Teller. Dabei greifen sie auf Essensbeschreibungen in Fontanes Werken zurück oder auf Rezepte, die im Haus Fontane selbst gekocht wurden. Im besten Falle, so Bürgermeister Golde, gelingt es dem Fontanejahr, die Identifikation mit der Region zu vergrößern. Heimatgefühl, so hofft Golde, „ist auch ein Stück Fachkräftesicherung“.

Von Frauke Herweg

Mit einem größeren Polizeiaufgebot sind am heutigen Mittwoch Wohnungen in den Städten Wittstock, Kyritz und Neuruppin durchsucht worden. Dabei sind den ganzen Tag noch etwa 60 Beamte im Einsatz, wie die Polizeidirektion Nord in Neuruppin mitteilt. Nach MAZ-Informationen wird gegen Tschetschenen ermittelt.

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